Transkript
So, Barbecue-Freitage im Unternehmen:nettes Benefit oder gelebte Unternehmenskultur?
Ja.Also die Geschichte dazu ist tatsächlich ein kleiner Kunde von mir und mit denen habe ich eine Stellenanzeige geschrieben und die haben halt dann gefragt: „Na ja, bei uns läuft das halt so: Wir haben freitags, gerade im Sommer, grillen wir zusammen.
Da haben wir so Grillabende.“ Und ich habe gesagt: „Natürlich schreiben wir das jetzt rein in unsere Stellenanzeige, weil das ist ja genau das, wie ihr seid.
Das ist gelebte Unternehmenskultur.“ Und wer eben solche Barbecue-Abende, solche Grillabende nicht mag, der passt ja auch überhaupt nicht zu euch.„Ja, können wir das? Dürfen wir das?“ – ist dann immer so die Rückfrage.
Und manchmal sind die Unternehmen so, dass sie tatsächlich mich um Erlaubnis bitten,ob ich sagen würde: „Ja, dürfen wir reinschreiben." Und ich sage: „Ja, so was dürfen wir auf jeden Fall reinschreiben." Okay, und wie siehst du das dann, wenn Leute das so kritisieren, diesen klassischen Obstkorb, der eben so oft sehr stark in Verruf geraten ist?
Was sagst du dann dazu?Ich sage: „Schreib den Obstkorb rein, aber vorher bitte Gehalt, Arbeitszeit,Arbeitsort und Urlaubstage.“ Für diese vier Dinge wechseln Menschen ihren Job.
Und danach kann ein kostenloser Kaffee, ein Obstkorb,alle Benefits, die es eben gibt, also nichts ausdenken – das wäre jetzt eher schlecht – aber alles, was dazugehört, einfach reinpacken.
Das, was ihr eben anbietet als Unternehmen.Und solche Dinge wie solche Grillabende packe ich in meinen Stellenanzeigen in ein anderes Kapitel.
Also für mich ist das Unternehmenskultur oder auch Arbeitsweise.
Manche Unternehmen haben nicht so viel, was sie nebenher machen,aber bei denen gehe ich dann häufig darauf ein, zu sagen: „Okay,wie arbeitet ihr dann?
Wie oft trefft ihr euch?Arbeitet ihr digital?Sind schon alle Prozesse digital, um überhaupt so zu arbeiten?“ Bei manchen geht es darum, wenn sie in Schichten arbeiten, zum Beispiel, dass man die Schichtpläne bespricht.
Wie kommt man zu einem Schichtplan?Wer darf wann vormittags, nachmittags oder wie auch immer arbeiten?
Also das heißt, du würdest sagen, Transparenz muss auf jeden Fall davor kommen und dann kann man über die sogenannten Benefits in Form von gelebter Unternehmenskultur sprechen.
Ja, unbedingt.Also sowohl als auch.Wir brauchen ein Angebot, wir brauchen das Thema Benefits, alles,was das Thema Fortbewegung angeht.
Also Mobilität wird sehr viel gefördert.Wie komme ich zum Arbeitsplatz mit einem Jobrad, mit einem öffentlichen Nahverkehrsticket?
Oder auch: Gibt es Parkplätze?Gibt es einen Dienstwagen?
Also das ist so Mobilität.Dann das Thema Gesundheit darf gerne mit rein.
Was fördern wir in Gesundheitsthemen?Was fördern wir bei der Work-Life-Balance?
Sonst, alle solche Dinge dürfen gerne mit rein, nachdem wir unsere vier Grundlagen drin haben.
Dann das und dann gerne eben auch noch Sachen, die das Unternehmen besonders machen.
Und das fehlt in fast allen Stellenanzeigen.Einfach, weil entweder es die Angst gibt, dieses „Dürfen wir sowas reinschreiben?“,oder auch, dass es tatsächlich einfach vergessen wird.
Und wenn jetzt zum Beispiel du in einer Stellenanzeige liest: „Unternehmenskultur wird bei uns beschrieben mit flachen Hierarchien“.
Was würdest du dann dazu sagen?Dann sage ich gerne meine eigene Geschichte.
Ich komme aus einem Unternehmen, da gab es sechs Hierarchiestufen.
Für mich ist eh alles unter drei schon super flach.
Wichtig wäre zu beschreiben: Was macht sie denn flach?
Was bedeutet das denn?Also ich habe Kunden, da dürfen die Azubis der Geschäftsführung ihre Projekte pitchen.
Das ist für mich eine flache Unternehmenshierarchie, wenn man da rankommt an eine Geschäftsführung oder dass man die tatsächlich erreicht, dass man sich mit denen Termine machen darf.
Ja, das ist ja schon mal das eine.Oder aber es ist tatsächlich eine so flache Hierarchie, dass alle Leute auf einem Stock sitzen oder in einem Großraumbüro sitzen.
Gerade bei Kleinstunternehmen ist die Hierarchie tatsächlich so flach, dass alle miteinander sprechen.
Und dann ist auch noch die Frage: Wie viel Entscheidung ist eben möglich für Leute, die dort arbeiten?
Also es gibt auch Kleinstunternehmen, die reden den ganzen Tag alle gerne miteinander, aber am Ende gibt es nur eine Person, nämlich den Gründer zum Beispiel oder die Gründerin, die entscheiden dürfen.
Das ist dann auch nicht flach.Das ist dann wieder eine andere Geschichte von Hierarchie.
