Transkript
Das ist ja stark, hier.Ein Globus. Das ist ja stark.
Sehr gut. Lies mal vor.Hat die Arbeit in verschiedenen Ländern deinen Führungsstil geprägt?
Vielleicht vorneweg zur Einführung: Ich habe die Möglichkeit gehabt, während den 35 Jahren L'Oréal in sechs verschiedenen Ländern zu arbeiten und vielleicht gebe ich so ein paar Erfahrungen von den verschiedenen Ländern und Kulturen mal wieder.
Für mich war es so wie eine Abenteuerreise durch die Märkte und, wie gesagt, die verschiedenen Kulturen.
Fangen wir vielleicht in Spanien an und das war eine ganz andere Geschichte.
Anfang der 90er-Jahre war das natürlich alles noch sehr hierarchisch geprägt und mein Management-Team, sobald es zu einer Entscheidungsfindung kam, meinte:„Ich als Chef müsste die Entscheidung treffen und auch die Entscheidung finden." Und dann kam es zu Situationen in Management-Meetings, wo ich gesagt habe:„Ich gehe jetzt raus und in zehn Minuten komme ich wieder rein und ich möchte, dass ihr unter euch eine Entscheidung getroffen habt." Und sie haben das gehasst am Anfang.
Nur am Ende, als dann die Spanien-Zeit vorüber war,kamen sie alle zu mir und haben gesagt: „Das war das größte Geschenk, was du hast machen können, uns beizubringen, Verantwortung zu übernehmen, Kompromisse zu schließen und als Team auch Entscheidungen zu treffen." Dann kam die Etappe in Thailand und das war nun mal wirklich ein anderer Kulturkreis.
Man darf sich keine Blöße geben, kein lautes Wort, keinerlei Kritik in der Öffentlichkeit, auch vor den Mitarbeitern.
Da konnte man das nur, wenn man das Vertrauen der Mitarbeiter hatte und das musste man erst gewinnen.
Und wenn man das über mehrere Monate gelebt hat, kam man den Leuten etwas näher und man konnte dann auch mal offener mit ihnen sprechen.
Und Thailand, ich hatte einen Ratschlag bekommen: „Mach bitte einen Ordner auf, in dem du reinschreibst: Dinge, die du nie verstehen wirst." Weil das muss man auch akzeptieren in solchen Kulturkreisen,dass es so was gibt.
Und so hatte ich dann tatsächlich Probleme physisch abgelegt, indem ich einen Zettel mit diesem Thema, was ich nie verstanden habe und nie verstehen werde, physisch abgelegt.
Hat geholfen.Dann war es immer das Prozedere, ich nenne es das „Kündigungsritual".
Man muss sich ja vorstellen, wenn ein Thai ein Problem hat,schickt es in seinem Kulturkreis nicht an, dass er das öffentlich oder gegenüber mir deutlich macht, weil er würde ja sonst sein Gesicht verlieren.
Das gehört sich nicht.Und man konnte das Problem konkret und konstruktiv angehen.
Und wenn ich jetzt an die letzte Etappe denke in Deutschland: Ich glaube, was ich so mitgenommen habe aus der ganzen Zeit ist vielleicht, den Leuten doch mit mehr Respekt und Transparenz auch zu begegnen.
Also ich habe es dann doch versucht, grundsätzlich nicht mehr in Gruppen oder vor anderen zu kritisieren, also ich sage mal, kritisches Feedback immer nur one to one zu geben und in der Öffentlichkeit sehr mit Fakten.
Immer für mich hat das Prinzip gegolten:„There are no good news and no bad news, there are only news", um das sehr faktuell darzustellen.
Und das hat schon geholfen.Eine gute Stimmung, auch eine gute Stimmung im Management-Team und mit seinen engsten Mitarbeitern zu bekommen.
Rolf, gibt es da auch Learnings, die du dir für dich persönlich mitgenommen hast,vielleicht in Selbstführung?
Ja, grundsätzlich, ich glaube, man muss einfach offen sein und Dinge auf sich zukommen lassen, aber man darf sich auch nicht verbiegen,weil ich glaube, ich kann nur ein guter Vorgesetzter, ein guter Leader sein, ein guter Vorgesetzter sein, in dem ich schon ich bin, mit meinen Ecken, mit meinen Kanten.
Also lass uns das Authentizität nennen.Und egal in welchem Land, ich muss meinen inneren Kompass, den ich für mich habe, der muss überall stimmen und den kann ich nicht verändern.
