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Transkript

00:08

So, was haben wir hier?Ach, wenn Luxus ein Klavier wäre, wie würde es klingen?

00:15

Ja, da muss ich ein bisschen ausholen.Ich war in der ganzen L'Oréal-Zeit hauptsächlich verantwortlich für den Luxusbereich, also Luxusmarken wie Lancôme, Yves Saint Laurent, Giorgio Armani, Kiels und des Weiteren.

00:32

Und wenn man weiß, L'Oréal hat verschiedene Divisionen: Einmal den Luxusbereich, dann den Mass-Market-Bereich, Apotheke und den Bereich der Friseure.

00:42

Und ich wurde immer oft gefragt: „Ja, was unterscheidet den einen Bereich von dem anderen?" Und ich habe dann folgendes Bild geprägt: Ich hab gesagt, wenn man im Luxusbereich arbeitet, geht es ja Markenbildung.

00:57

Und das Wichtigste für eine Luxusmarke ist das Image dieser Marke.

01:03

Und ich brauche Jahre, um ein Image einer Marke aufzubauen.

01:07

Ich kann die aber innerhalb von wenigen Monaten zerstören.

01:13

Ich kann morgen entscheiden, dass ich eine große Werbekampagne mache.

01:16

Ja, für den Preis von einem bekomme ich zwei Artikel.

01:20

Ich würde den Umsatz mega in die Höhe schnellen,aber den Schaden, den Imageschaden, den ich anrichte, ist fatal.

01:28

So geht es also darum immer, diese Balance zu finden zwischen Resultate erzielen, aber auch gleichzeitig das Image der Marke auch weiterzuentwickeln.

01:40

Sprich, durch gewisse Aktivitäten, durch eine gewisse Darstellung,durch Details, die einfach perfekt sein müssen, sei es in der Darstellung des Produktes, sei es im Service, den man mit anbietet.

01:54

Sonst ist auch ein Premiumpreis ja nicht vertretbar.

01:59

Und daher das Bild mit dem Klavier.Und ich sage, im Luxusbereich spielt man ein Klavier mit vielen Tasten,weil viele Tasten heißt, viele Punkte, die ich bewegen kann, die ich beeinflussen kann, um das Image dieser Marke und diese Marke weiterzuentwickeln.

02:20

Wie findest du, spiegelt sich der Unternehmensstil, Führungsstil, aber auch Teamkultur, wieder im Produkt wider beziehungsweise vice versa?

02:29

Siehst du im Luxusbereich eine andere Art des Teams-Zusammenhalts,wie Entscheidungen getroffen werden, wie man miteinander umgeht, als zum Beispiel im Mass-Market?

02:41

Ja, ich glaube, es ist schon mehr, vielleicht etwas mehr Kreativität.

02:46

Oder die Zusammensetzung des Teams, glaube ich, ist vielleicht diverser noch,weil mehr Facetten zum Tragen kommen, wenn es um eine Imagemarke geht.

02:59

Und somit ist wichtiger, dass das Team auch in der Teamzusammenstellung,dass sich das widerspiegelt.

03:04

Ich glaube, die Grauzone ist viel größer.Es gibt wenig Entscheidungen, die schwarz-weiß sind.

03:10

Und dass auch Leute damit zurechtkommen, zu arbeiten und zu agieren in dieser Grauzone.

03:20

Manchen Leuten fällt es schwer, das zu tun.Wie gesagt, ohne Wertung.

03:24

Aber das ist ein wichtiger Bestandteil und das muss man auch mögen.

03:29

Und immer in diesem Zweifel: „Ja, ist das jetzt richtig?

03:32

Wie sieht das aus?" Weil man kann, selbst mit den besten Marktstudien dieser Welt, kann ich einen Erfolg eines Parfums nicht vorhersagen.

03:40

Das sind viele kleine Details, die zusammenspielen,um das zu erreichen.

03:46

Welche Parallelen ziehst du zwischen einer langfristigen Markenbildung und der Teamentwicklung?

03:54

Also ich denke, gerade jetzt in dem Luxusbereich ist es sinnvoll,ein Team aufzubauen, das auch über einen längeren Zeitraum zusammenarbeiten kann,weil Luxus ist ein langsamer Aufbau, der braucht Zeit.

04:10

Und somit ist auch wichtig, dass das im Team gegeben ist.

04:16

Ich habe auch immer sehr viel Wert darauf gelegt und gesagt, man muss auch eine Karriere von Mitarbeitern langfristig aufbauen und Schritt für Schritt.

04:26

Ich habe auch viele gesehen, die extrem schnell sich entwickelt haben.

04:32

Aber der Fall war dann umso schmerzhafter.Und letztendlich auch Menschen, die gerade Markenverantwortliche, die über Jahre, Jahre dieselbe Marke betreut haben, das hat so eine Symbiose ergeben und auch so eine Qualität der Arbeit, die sich dann auszahlt.

04:52

Und ich glaube auch, es ist manchmal eine größere Herausforderung, auch mal länger auf einem Job zu bleiben und sich selber immer wieder neu erfinden zu müssen, um aus wirklichen Fehlern oder auch mal falschen Richtungen zu lernen, diese zu berichtigen und daran zu wachsen, als viel zu schnell immer wieder zu wechseln.