Transkript
Das ist mein Lieblingsthema: Wie laden Leidenschaft und Innovationslust deine Batterien wieder auf?
Also, davon bin ich felsenfest überzeugt.Die Basis von jedem Erfolg ist Leidenschaft.
Ob das für ein Team ist oder für einen persönlich.
Und ich hätte nicht 35 Jahre erfolgreich arbeiten können bei L'Oréal, wenn ich nicht jeden Tag diese Leidenschaft verspürt hätte.
Ja, wie kommt es zu dieser Leidenschaft?Ich glaube, grundsätzlich ist es erst mal intrinsisch:Ich muss morgens Bock haben, aus dem Bett auszustehen und klar sein, was ich will und wieso ich das tue.
Und da bin ich auch Vorbild als Führungskraft.Und wenn ich diese Leidenschaft auch nicht vermitteln kann, dann kann ich auf der anderen Seite auch nicht erwarten, dass so eine Leidenschaft auch gelebt wird in einem Team.
Das heißt nicht, dass jeden Tag wunderbarer Sonnenschein sein muss.
Es gibt auch schwierige Situationen.Das darf man einem Leader auch anmerken, muss man eben auch anmerken, aber man muss dann schnell wieder die Kurve bekommen, neue Ziele setzen, das Team wieder zu fokussieren und in die richtige Richtung zu lenken.
Aber wie kam es dazu, dass für mich immer die Leidenschaft immer da war?
Das ist sicherlich positiv beeinflusst worden, dass ich natürlich relativ häufig, vor allem am Anfang der Karriere, alle drei bis vier Jahre ein neues Land. Ein neues Land bringt neue Eindrücke, neue Kultur.
Das bringt von vornherein schon Motivation.Dann in einem Bereich zu arbeiten, wo jedes Quartal neue Produkte, quasi jeden Monat, neue Produkte auf den Markt kommen, wo neue Marken integriert werden.
Neue Marken werden dazugekauft, neue Marken werden kreiert.
Das war immer so viele Impulse, die bei mir eigentlich immer eine größere Leidenschaft ausgelöst haben.
Muss man sich immer mit dem Produkt oder mit dem Service, das der eigene Arbeitgeber, die eigene Firma vermarktet, wirklich identifizieren oder darf so eine Leidenschaft sich auch auf andere Aspekte seiner Rolle auswirken?
Also ich glaube, in erster Linie, ich muss mich mit dem identifizieren,was ich mache.
Ich glaube, sonst ist es nicht glaubwürdig.Und egal auch, auf welchem Level im Unternehmen, es muss sich jeder auf seinem Level mit dem identifizieren, was er tut, sei es Produkt, sei es Service.
Ich glaube, das ist unabdingbar.Der Rest, das können andere Bereiche sein, aber das jetzt, was die Firma angeht,natürlich – und das ist vielleicht das, auch etwas, was am Anfang etwas zu kurz gekommen ist und im Laufe der Karriere sich entwickelt hat, zu sagen: „Ich muss mir selber und auch meinen Mitarbeitern die Möglichkeit geben, dass sie außerhalb der Arbeit auch ihre Leidenschaften haben",weil wo kein Input ist, ist auch kein Output.
Und ich kann mich noch an Zeiten erinnern vor ja, … in den 90er-Jahren, 2000er-Jahren,wo es üblich war, bis 11 Uhr in der Firma zu sein, am Wochenende zu arbeiten.
Und dann kam die Mail-Flut abends am Wochenende.Und irgendwann habe ich mir gesagt: Nein, man muss einem selber und allen anderen auch die Möglichkeit geben, diese Batterien wieder aufzuladen und das heißt, auch Zeit zu geben.
Somit war klar: Abends halb acht ist Ende.Und ich habe dann irgendwann eingeführt in Deutschland:Keine Mails mehr nach 20 Uhr und keine Mails am Wochenende.
Und klar hieß es auch für sich selber, diese Disziplin zu wahren und auch keine rauszuschicken.
Natürlich kam dann immer montags morgens manchmal eine Flut an Mails um 8 Uhr morgens.
Dann hat man halt am Wochenende natürlich selber was gearbeitet.
Aber es ging darum, auch das Team davon fernzuhalten.
Und ich glaube, das hat im Endeffekt zu einer besseren Balance geführt.
Und wenn es wichtige Dinge gab, natürlich ganz wichtige Dinge, dann hat man das über den Haufen geschmissen und hat anders reagiert und anders agiert.
Aber in der Summe hat das, glaube ich, sehr gut getan.
