Burnout am Arbeitsplatz ist eine drängende Herausforderung: Laut der Studie „Arbeiten 2025“ der Pronova BKK schätzen 61 % der Beschäftigten ihr Burnout-Risiko als hoch ein. Wie können Unternehmen frühzeitig gegensteuern? In diesem Artikel erfahren Sie, wie Sie Anzeichen erkennen, welche präventiven Maßnahmen es gibt und was die gesetzliche Gefährdungsbeurteilung gemäß § 5 ArbSchG damit zu tun hat. In diesem Artikel zeigen wir Ihnen, wie Sie frühzeitig feststellen können, ob Ihre Mitarbeiter*innen von Burnout bedroht sind und was Sie präventiv unternehmen können, damit Ihre Angestellten gesund bleiben.
Wichtige Fakten
- Burnout am Arbeitsplatz ist ein berufsbedingtes Erschöpfungssyndrom, das durch chronischen, nicht erfolgreich bewältigten Stress entsteht und von der WHO in der ICD-11 als arbeitsplatzbezogenes Phänomen anerkannt ist.
- 61 % der Beschäftigten in Deutschland schätzen ihr Burnout-Risiko als mittel oder hoch ein. Die psychische Belastung im Arbeitsalltag bleibt seit 2022 auf hohem Niveau, wie die Pronova BKK in ihrer Studie „Arbeiten 2025“ (März 2026) belegt.
- Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) beziffert die Produktionsausfallkosten durch psychische Erkrankungen für 2023 auf 20,5 Milliarden Euro. Dies ist ein erheblicher wirtschaftlicher Schaden für Unternehmen und Volkswirtschaft.
Was ist das Burnout-Syndrom?
Ein Gefühl von starker emotionaler Erschöpfung, Abgeschlagenheit und Antriebslosigkeit – dies sind nur einige Symptome eines Burnouts. Auch Magenprobleme und Schlafstörungen können Anzeichen sein, dass Beschäftigte betroffen sind.
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) beschreibt Burnout als ein berufliches Phänomen und hat es in die ICD-11 aufgenommen, die seit Januar 2022 in Kraft ist. Dort wird es als Syndrom infolge von „chronischem Stress am Arbeitsplatz, der nicht erfolgreich verarbeitet werden kann“ definiert. Es wird jedoch nicht als eigenständige psychische Erkrankung klassifiziert.
Nicht zu verwechseln mit dem Begriff Burnout ist die Depression, die teilweise sehr ähnliche Symptome hat. Eine Depression unterscheidet sich vom Burnout dahingehend, dass die Anzeichen in einem Zeitraum von mindestens zwei Wochen auftreten.
Die Deutsche Depressionshilfe betont, dass eine sorgfältige Abgrenzung beider Begriffe unerlässlich ist. Die Behandlungsverfahren unterscheiden sich erheblich, und eine Fehleinschätzung kann negative Auswirkungen auf Betroffene haben. Entsprechend NCBI bestätigt eine aktuelle Umbrella-Analyse begutachteter Studien bestätigt zudem, dass Achtsamkeitstraining (7 Studien) und kognitive Verhaltenstherapie (4 Studien) bei Burnout wirksam sind.
Woran erkennt man Burnout? Symptome und Anzeichen
Burnout-Betroffene können verschiedene psychosomatische, psychische und körperliche Beschwerden entwickeln. Die WHO benennt drei Kernsymptome: anhaltende Erschöpfung und Energiemangel, zunehmende mentale Distanz oder Zynismus gegenüber der eigenen Tätigkeit sowie eine spürbar verminderte Leistungsfähigkeit.
Typische psychische Beschwerden sind beispielsweise:
- Das Gefühl tiefer Erschöpfung
- Eine gleichgültige Einstellung gegenüber dem Beruf
- Betroffene haben ein Gefühl des Versagens im beruflichen und privaten Bereich.
- Sie haben keinerlei Vertrauen mehr in die eigenen Fähigkeiten.
- Betroffene fühlen sich häufig hilflos und ohnmächtig.
Psychosomatische Beschwerden können beispielsweise Albträume oder Schlafstörungen sein.
Das Max-Planck-Institut für Psychiatrie listet zudem die folgenden körperlichen Beschwerden auf, die bei betroffenen Patienten auftreten können:
- Kopfschmerzen
- Zahnbeschwerden und Veränderungen der Mundschleimhaut
- Schwitzen
- Muskelschmerzen
- Beschwerden des Herzens
- Rückenschmerzen und viele weitere.
Aktuelle Daten der KKH Kaufmännische Krankenkasse zeigen, dass 2024 auf 1.000 ganzjährig versicherte Berufstätige 107,3 Fehltage aufgrund eines diagnostizierten Burnout-Syndroms entfielen. Dies ist ein Anstieg von 33 % gegenüber dem Wert von vor fünf Jahren. Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) beziffert die Produktionsausfallkosten durch psychische Erkrankungen für 2023 auf 20,5 Milliarden Euro.
Ein unbehandelter Burnout kann zu der sogenannten Stressdepression führen. Diese kann dann sogar zu Stimmungsveränderungen wie einem Gefühl der inneren Leere oder sogar Suizidalität führen.
Wie entsteht Burnout? Ursachen und das 12-Phasen-Modell
Die Deutsche Gesellschaft für Prävention & Gesundheitsförderung orientiert sich am Modell von Freudenberger, das 12 Phasen der Burnout-Entwicklung beschreibt. Herbert Freudenberger prägte den Begriff „Burnout“ bereits in den 1970er Jahren im Kontext von Pflegeberufen. Das 12-Phasen-Modell wurde 1992 formalisiert. Zu den 12 Phasen gehören die folgenden:
- Übertriebener Ehrgeiz und hohe Anforderungen an sich selbst verwandeln sich zunehmend in ein belastendes Gefühl.
- Betroffene versuchen, mehr und besser zu arbeiten, um die eigenen Anforderungen zu erfüllen.
- Eigene Bedürfnisse werden dabei erst einmal zurückgestellt.
- Die eigenen Bedürfnisse werden nach und nach komplett missachtet.
- Die Arbeit gewinnt mehr und mehr an Bedeutung. Alles andere wird zurückgestellt.
- Betroffene fühlen sich ggf. überarbeitet, verdrängen dies allerdings und werden allgemein intoleranter.
- Betroffene verlieren zunehmend die Orientierung, versuchen aber, sich weiterhin normal zu geben.
- Nun wird eine Änderung des Verhaltens offensichtlicher. Betroffene können Kritik nicht mehr gut annehmen und ziehen sich ggf. von ihrer Arbeitsumgebung zurück.
- Es kommt zu einer Depersonalisation und damit zu einem Gefühl, außerhalb des eigenen Körpers zu stehen.
- Die Betroffenen haben das Gefühl, unzureichend zu sein.
- Der Sinn von Dingen wird nicht mehr gesehen. Jetzt treten häufig auch Depressionen auf.
- Es kommt zu einer übergreifenden Erschöpfung.
Besonders gefährdete Berufsgruppen: Beschäftigte in bestimmten Berufen sind statistisch deutlich häufiger von Burnout betroffen. Laut AOK-Daten führen Berufe in der Sozialarbeit und Sozialpädagogik mit 309,7 Arbeitsunfähigkeitstagen je 1.000 Mitglieder die Statistik an, gefolgt von Haus- und Familienpflege (303,0 AU-Tage) sowie Heilerziehungspflege (295,6 AU-Tage). Auch Beschäftigte im Dialogmarketing und im Verkauf weisen überdurchschnittliche Fehlzeiten auf.
Auch Beschäftigte in helfenden Berufen – Medizin, Pflege, Psychotherapie – sind durch hohes Engagement und engen menschlichen Kontakt besonders gefährdet. In diesen Berufsgruppen sollte ein ausgeprägtes Bewusstsein für Burnout-Risiken und präventive Maßnahmen des Betrieblichen Gesundheitsmanagements (BGM) gefördert werden.
Burnout-Erkrankung: Was können Unternehmen präventiv tun?
Statt erst zu handeln, wenn Beschäftigte bereits durch ein Burnout ausfallen, sollten Unternehmen frühzeitig präventive Maßnahmen ergreifen. Burnout-Prävention im Unternehmen kann folgendermaßen aussehen:
- Führen Sie regelmäßig Mitarbeitergespräche, um zu schauen, wie es Ihren Beschäftigten geht.
- Führen Sie ein nachhaltiges Betriebliches Gesundheitsmanagement ein.
- Versuchen Sie, Ihre Beschäftigten dazu anzuhalten, Überstunden zu vermeiden.
- Führen Sie Wellness-Angebote oder sogar Burnout-Checks ein.
- Prüfen Sie, wie die Stimmung im Team ist. Schlechte Stimmung kann auch zu Stress führen.
- Versuchen Sie, Prozesse zu verbessern, die eine Stressquelle darstellen.
- Sensibilisieren Sie Ihre Führungskräfte für Burnout und andere stressbedingte Erkrankungen.
Betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM) als struktureller Rahmen
Ein nachhaltiges Betriebliches Gesundheitsmanagement geht über Einzelmaßnahmen hinaus. Es verankert Gesundheitsförderung systematisch in der Unternehmensstruktur. Die Pronova BKK empfiehlt zudem, eine offene Kommunikationskultur zu etablieren, in der psychische Belastungen ohne Stigma angesprochen werden können.
Was können Betroffene selbst tun?
- Teilen Sie die Arbeit realistisch ein und setzen Sie keine übertriebenen Ziele.
- Nutzen Sie betriebliche Gesundheitsangebote und Entspannungstechniken wie Achtsamkeitstraining oder Sport.
- Suchen Sie ärztliche oder psychotherapeutische Unterstützung. Entsprechend Ncbi, kognitive Verhaltenstherapie (KVT) und achtsamkeitsbasierte Stressreduktion (MBSR) sind wissenschaftlich belegt wirksam.
- Nehmen Sie sich bei Bedarf eine längere Auszeit und nehmen Sie professionelle Hilfe an.
Und: Nehmen Sie die Hilfe an, die Ihnen geboten wird und versuchen Sie nicht, die Burnout Symptome mit sich selbst auszumachen.
Wie lange dauert eine Burnout-Krankschreibung und was ist zu beachten?
Kann man sich bei Symptomen eigentlich krankschreiben lassen? Und wie lange brauchen Beschäftigte, um sich zu erholen?
Bei einer Burnout-Diagnose sollten Betroffene sich ärztlich krankschreiben lassen. Die konkrete Diagnose muss dem Unternehmen nicht mitgeteilt werden – lediglich die voraussichtliche Dauer der Abwesenheit ist mitzuteilen. Laut Daten der KKH Kaufmännische Krankenkasse dauerte eine Burnout-Krankschreibung 2024 im Schnitt 25,7 Tage. Da die Genesung je nach Schweregrad mehrere Monate in Anspruch nehmen kann, ist eine frühzeitige ärztliche und ggf. psychotherapeutische Begleitung dringend empfohlen.
Die Dauer eines Burnouts kann je nach Person unterschiedlich ausfallen. Da die Heilung teilweise Monate dauern kann, ist die Erkrankung auf jeden Fall ernst zu nehmen.
Behandlungsmöglichkeiten bei Burnout
Eine Burnout-Behandlung umfasst in der Regel mehrere Bausteine. Entsprechend Ncbi, eine aktuelle Umbrella-Analyse begutachteter Studien zeigt, dass Achtsamkeitstraining (in 7 Studien belegt), kognitive Verhaltenstherapie (KVT, 4 Studien) sowie die Akzeptanz- und Commitment-Therapie (ACT) wirksame psychotherapeutische Ansätze darstellen. Ergänzend empfehlen sich Entspannungsverfahren, Sport und – wo möglich – eine vorübergehende Reduktion der Arbeitsbelastung. Betroffene sollten professionelle Unterstützung aktiv in Anspruch nehmen und nicht versuchen, Burnout-Symptome allein zu bewältigen.
Burnout-Test: Wie hoch ist Ihr Stresslevel am Arbeitsplatz?
Sie haben das Gefühl, sehr viel Stress am Arbeitsplatz zu haben oder an einem Burnout erkrankt zu sein? Oder sind Sie Führungskraft und möchten einschätzen, wie es Ihren Beschäftigten geht? Machen Sie den kostenlosen Test zur Ermittlung von Stress am Arbeitsplatz.
Burnout-Prävention 2026: Was Unternehmen jetzt wissen müssen
Die psychische Belastung am Arbeitsplatz hat 2026 einen neuen Höchststand erreicht. Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) veröffentlichte im Juni 2026 aktualisierte Standards zur Bewertung psychischer Belastungen im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung.
Gleichzeitig zeigt die BIBB/BAuA-Erwerbstätigenbefragung 2024, dass 62 % der Beschäftigten über hohen Zeitdruck oder Hetze berichten. Dies ist ein Anstieg von 5 Prozentpunkten gegenüber 2018. Strukturelle Maßnahmen wie klare Rollenverteilung, realistische Zielsetzungen und eine offene Kommunikationskultur sind daher keine optionalen Extras, sondern betriebswirtschaftliche Notwendigkeiten.
FAQ
Was muss man dem Arbeitgeber bei Burnout sagen?
Sie sind nicht verpflichtet, Ihrem Arbeitgeber die Diagnose Burnout mitzuteilen. Gesetzlich vorgeschrieben ist nur, dass Sie Ihre Arbeitsunfähigkeit und deren voraussichtliche Dauer unverzüglich melden, typischerweise durch eine ärztliche Krankschreibung.
Kann Burnout den Blutdruck erhöhen?
Ja, chronischer Stress, der zu Burnout führt, kann sich negativ auf die Gesundheit auswirken und unter anderem zu einem Anstieg des Blutdrucks führen. Körperliche Symptome wie Herz-Kreislauf-Beschwerden sind bei einem Burnout-Syndrom nicht ungewöhnlich.
Was sind 10 Anzeichen von Burnout?
Typische Anzeichen sind tiefe emotionale Erschöpfung, eine gleichgültige Haltung gegenüber der Arbeit und das Gefühl des Versagens. Weitere Symptome können Schlafstörungen, Kopfschmerzen, Konzentrationsprobleme, Reizbarkeit, sozialer Rückzug und ein Gefühl der inneren Leere sein.
Wie lange sollte man bei Burnout eine Auszeit nehmen?
Die Dauer der Auszeit ist sehr individuell und hängt vom Schweregrad der Erkrankung ab. Die Genesung kann von einigen Wochen bis zu mehreren Monaten dauern. Die genaue Dauer der Krankschreibung wird von einem Arzt festgelegt und bei Bedarf angepasst.
Wie kann ich Burnout bei Arbeitskollegen erkennen?
Burnout bei Kollegen erkennen Sie oft an Verhaltensänderungen wie sozialem Rückzug, zunehmender Reizbarkeit oder einer zynischen Haltung zur Arbeit. Weitere Anzeichen sind ständige Müdigkeit, nachlassende Leistung und häufigere Fehlzeiten.

