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Interim Management: Definition, Aufgaben, Kosten und Vorteile

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Wenn die Geschäftsführung kurzfristig ausfällt, eine Restrukturierung ansteht oder eine Schlüsselposition unbesetzt bleibt, fehlt Unternehmen oft die Zeit für eine reguläre Nachbesetzung. Genau hier setzt Interim Management an: der befristete Einsatz erfahrener externer Führungskräfte, die operative Verantwortung übernehmen und das Unternehmen durch kritische Phasen steuern.

Wichtige Fakten

  • Interim Management bezeichnet den zeitlich befristeten Einsatz selbstständiger Führungskräfte – in der Regel für drei bis 18 Monate –, die operative Verantwortung in einem Unternehmen übernehmen, gemäß der Definition des Gabler Wirtschaftslexikons.
  • Der durchschnittliche Tagessatz für Interim Management in Deutschland liegt laut der DDIM Marktstudie 2026 bei 1.317 Euro. Das Gesamtmarktvolumen beträgt rund 2,7 Milliarden Euro.
  • Gemäß der AIMP-Marktstudie 2026 entfallen 74 Prozent aller Mandate auf Unternehmen mit 250 bis 10.000 Beschäftigten. Interim Management ist damit vor allem ein Instrument des Mittelstands.
  • Unternehmen, die Interim Management einsetzen, erzielen nach Branchendaten einen Return on Investment von durchschnittlich mehr als dem Fünffachen des eingesetzten Honorars.


Was ist Interim Management? Definition und Abgrenzung

Interim Management bedeutet übersetzt so viel wie „vorübergehende Unternehmensführung“.

Beim Interim Management werden externe Führungskräfte befristet – in der Regel für drei bis 18 Monate – in einem Unternehmen eingesetzt, um Herausforderungen, Übergangsphasen oder Vakanzen zu überbrücken, wie das Gabler Wirtschaftslexikon definiert. Sie sind nicht fest angestellt, sondern als selbstständige Führungskräfte der ersten oder zweiten Führungsebene projektbezogen tätig und tragen dabei volle unternehmerische Verantwortung.

Wann braucht ein Unternehmen Interim Management – und was unterscheidet es von Beratung?

In welchen Situationen wird Interim Management eingesetzt?

In der schnelllebigen Arbeitswelt und unter ständig wechselnden Marktbedingungen müssen Unternehmen oft kurzfristig und flexibel auf Veränderungen reagieren.

Das können akute Krisen sein, aber auch Wachstumsphasen, Umstrukturierungen oder plötzliche Vakanzen in Schlüsselpositionen. In solchen Situationen stoßen Unternehmen oft an ihre Grenzen, sei es aufgrund fehlender personeller Kapazitäten, mangelnden Know-hows oder fehlender Erfahrung im Umgang mit außergewöhnlichen Herausforderungen.

Genau hier kommt das Interim-Management ins Spiel.

Es bietet:

  • schnelle Verfügbarkeit
  • zielgerichtete Umsetzung
  • erfahrene Führung
  • und kompetente Unterstützung auf Zeit

Besonders der Mittelstand greift auf dieses Modell zurück. Gemäß der AIMP-Marktstudie 2026 entfallen 74 Prozent aller Mandate auf Unternehmen mit 250 bis 10.000 Beschäftigten. Die häufigsten Einsatzgründe sind Change Management (31,2 Prozent der Mandate), Krisenmanagement (13,8 Prozent) sowie die temporäre Ergänzung des Führungsteams (13,5 Prozent).

Mit ihrer Erfahrung und ihrem Fachwissen bringen Führungskräfte auf Zeit Strategien, Konzepte und Analysen in ein Unternehmen ein und entwickeln konkrete Lösungen für bestehende Probleme oder Herausforderungen.

Im Gegensatz zu Beratenden greifen Führungskräfte auf Zeit direkt in das operative Tagesgeschäft ein. Sie übernehmen Verantwortung für Budgets, führen Mitarbeitende und treffen Entscheidungen – oft in leitender Funktion.

Beispiel: So funktioniert Interim Management

Firma X verliert kurzfristig ihre Geschäftsführerin, da diese erkrankt ist und nicht mehr ins Unternehmen zurückkehren kann. Der Betrieb muss jedoch stabil weiterlaufen und die Suche nach einer geeigneten Nachfolge ist keine Aufgabe, die sich in wenigen Tagen erledigen lässt.

Um den laufenden Betrieb abzusichern und eine Führungslücke zu vermeiden, engagiert das Unternehmen eine Führungskraft auf Zeit. Diese übernimmt für die nächsten sechs Monate die operative Leitung. Sie führt die Mitarbeitenden, behält die wirtschaftliche Lage im Blick, trifft Entscheidungen im Tagesgeschäft und sorgt dafür, dass wichtige Prozesse nicht ins Stocken geraten.

Auf Wunsch kann die Führungskraft auf Zeit zusätzlich auch die aktuelle Situation im Unternehmen analysieren – beispielsweise Vorschläge zur Verbesserung der Personalstruktur machen, Optimierungen in der Lieferkette anstoßen oder Impulse zur Standortwahl geben. Das heißt: Sie hält den Betrieb nicht nur aufrecht, sondern entwickelt und verbessert ihn aktiv weiter.

Wie unterscheiden sich Führungskräfte auf Zeit von Beratenden?

Der Hauptunterschied liegt im Grad der Verantwortung und Einbindung:

  • Führungskräfte auf Zeit übernehmen operative Führungsaufgaben, handeln aktiv im Unternehmen und tragen Ergebnisverantwortung.
  • Beratende analysieren, empfehlen und begleiten – sie sind jedoch meist nicht direkt in Entscheidungen oder die Unternehmensführung eingebunden.

Kurz gesagt: Beratende beraten – Führungskräfte auf Zeit handeln.

Was kostet Interim Management – und in welchen Bereichen wird es eingesetzt?

Wie hoch sind die Tagessätze im Interim Management 2026?

Interim-Management-Tagessätze:

Der durchschnittliche Tagessatz für Interim Management in Deutschland liegt laut der DDIM Marktstudie 2026 bei 1.317 Euro pro Tag. Der Wert hat sich seit 2023 kaum verändert. Die Bandbreite ist erheblich. Einfachere Projektrollen beginnen bei rund 700 Euro, während hochspezialisierte Mandate – etwa als Interim-CFO in einer Restrukturierung – Tagessätze von über 2.500 Euro erzielen können. Im DACH-Vergleich liegt Deutschland damit deutlich über Österreich (1.282 Euro) und der Schweiz (1.712 Euro), gemäß der AIMP-Marktstudie 2026.

Als Faustregel gilt: Der Tagessatz entspricht ungefähr einem Prozent des Jahresgehalts einer vergleichbaren Festanstellung. Da der Einsatz zeitlich befristet ist und keine festen Lohnnebenkosten anfallen, kann sich diese Investition auch für kleine und mittlere Unternehmen rechnen. Hinzu kommt: Branchendaten belegen einen Return on Investment von durchschnittlich mehr als dem Fünffachen des eingesetzten Honorars.

Hinweis zu Aufschlägen von Anbietern: Wird die Vermittlung über einen Anbieter für Interim-Management abgewickelt, kommen in der Regel 20 bis 30 Prozent auf den Netto-Tagessatz als Vermittlungshonorar hinzu. Dies ist bei der Budgetplanung zu berücksichtigen.

Interim Management Jobs: Selbstständig oder angestellt?

In der Regel arbeiten Führungskräfte auf Zeit als Freiberufliche oder Selbstständige. Manche Führungskräfte auf Zeit sind jedoch bei spezialisierten Anbietern für Interim-Management oder Agenturen angestellt, die sie an Unternehmen vermitteln. Bei diesen Agenturen können sie entweder als Freiberufliche geführt werden oder als feste Mitarbeitende beschäftigt sein.

Rechtlicher Hinweis: Scheinselbstständigkeit

Beim Einsatz externer Führungskräfte besteht ein spezifisches rechtliches Risiko: die Scheinselbstständigkeit. Sie liegt vor, wenn eine Person formal als selbstständig tätig ist, tatsächlich aber vollständig in die Weisungsstrukturen des Auftraggebenden eingegliedert ist. Für Unternehmen kann dies erhebliche Konsequenzen haben – bis hin zur Nachzahlung von Sozialversicherungsbeiträgen und, im schlimmsten Fall, einer Strafverfolgung wegen Vorenthaltens von Sozialversicherungsbeiträgen gemäß § 266a StGB. Entscheidend für die Abgrenzung ist die tatsächliche Praxis des Einsatzes, nicht die vertragliche Gestaltung. Eine professionelle Vertragsgestaltung mit klar definierten Projektzielen, freier Zeiteinteilung und mehreren Auftraggebenden reduziert dieses Risiko erheblich.

Hinweis: Führungskräfte auf Zeit müssen nicht zwingend Vollzeit für Interim-Projekte in ein Unternehmen geholt werden. Oft ist es sinnvoller und flexibler, sie auch in Teilzeit einzusetzen.

Welche Fachbereiche gibt es im Interim Management?

Interim Management ist stark spezialisiert. Führungskräfte auf Zeit konzentrieren sich auf bestimmte Fachbereiche, um gezielt dort eingesetzt zu werden, wo Unternehmen die größten Herausforderungen haben. Gemäß der AIMP-Marktstudie 2026 entfallen 56 Prozent aller Einsätze auf die Bereiche Finanzen, kaufmännische Leitung und Human Resources.

  • HR Interim Management (Personalmanagement, Change Management, Recruiting)
  • Interim-Finanzmanagement (Controlling, CFO-Aufgaben, Restrukturierung)
  • IT-Interim-Management (Digitalisierung, IT-Projekte, Systemeinführungen)
  • Interim-Operations-Management (Produktionsleitung, Supply Chain Management)
  • Interim-Marketing-Management (Markenführung, Kampagnen, Kommunikation)
  • Interim-Projektmanagement (Projektsteuerung, Prozessoptimierung, Zielerreichung)

Ein wachsender Trend ist das Teilzeit-Interim Management. Anstelle klassischer Vollzeiteinsätze werden zunehmend Mandate mit zwei bis vier Einsatztagen pro Woche nachgefragt – eine direkte Reaktion auf angespannte Budgets bei gleichzeitig hohem Transformationsbedarf.

Bei vielen Aufgaben, die im Interim Management anfallen, kann die digitale HR-Software von Factorial unterstützen. Beispielsweise stellt Factorial KPIs zur Verfügung, die Führungskräfte auf Zeit als Grundlage für verschiedene Analysen der aktuellen Situation nutzen können. Gleiches gilt für die Leistungsanalyse der Mitarbeitenden, etwa bei personellen Umstrukturierungen.

Was ist ein Anbieter für Interim-Management?

Ein Anbieter für Interim-Management ist eine spezialisierte Agentur oder Firma, wie beispielsweise eine Unternehmensberatung, die Führungskräfte auf Zeit vermittelt und Unternehmen bei der Suche, Auswahl und Betreuung unterstützt. Die Anbieter verfügen über ein Netzwerk von erfahrenen Führungskräften auf Zeit und helfen dabei, passende Kandidierende schnell und zuverlässig zu finden.

Welche Kompetenzen brauchen Führungskräfte im Interim Management?

Führungskräfte auf Zeit bringen umfassende Führungserfahrung mit. Zudem verfügen sie über spezielles Branchenwissen. Je nach Herausforderung oder Projekt kann es sinnvoll sein, Fachleute mit genau dieser Expertise einzusetzen.

Führungskräfte auf Zeit müssen Sicherheit im Auftreten mitbringen, also selbstbewusst sein, da sie sich flexibel auf immer neue Umgebungen einstellen und dort mit unterschiedlichen und neuen Gegebenheiten sowie Menschen zurechtkommen müssen. Das bedeutet auch, dass sie über soziale Kompetenz, Kommunikationsfähigkeit und Verständnis für die Organisation und die Mitarbeitenden verfügen. Außerdem sind hohe analytische Fähigkeiten und ein ausgeprägtes Auffassungsvermögen wichtig.

Sie sind lösungsorientiert und praktisch veranlagt, setzen Maßnahmen konsequent um und bringen die notwendige Durchsetzungsstärke mit.

Welche Vorteile bietet Interim Management für Unternehmen?

Der Vorteil für Unternehmen in schwierigen Situationen, Übergangsphasen oder bei herausfordernden Projekten – beispielsweise wenn Projekte zu scheitern drohen – ist, dass Führungskräfte auf Zeit

  • schnell, flexibel verfügbar und einsatzbereit sind
  • externes Fachwissen mitbringen, besonders in Krisen und Restrukturierungen
  • eine unabhängige und frische Perspektive ins Unternehmen einbringen
  • keine langfristige Bindung für das Unternehmen bedeuten
  • direkte Erfolge zeigen können und
  • langfristig das Unternehmen durch ihr Know-how und ihre Erfahrung profitieren lassen.

Marktentwicklung: Interim Management in Deutschland 2026

Der deutsche Interim-Management-Markt hat sich trotz konjunktureller Unsicherheiten als robust erwiesen. Der DDIM Marktstudie 2026 zufolge wird das Gesamtmarktvolumen für 2026 auf rund 2,7 Milliarden Euro geschätzt. Damit erreicht der Markt wieder das Niveau des Rekordjahres 2026. Für 2026 prognostiziert die DDIM rund 12.500 aktive Führungskräfte auf Zeit in Deutschland. Das Marktvolumen hat sich in zehn Jahren von 1,545 Milliarden Euro (2026) auf 2,7 Milliarden Euro (2026) nahezu verdoppelt.

62 Prozent der Branchenteilnehmenden blicken laut DDIM Marktstudie 2026 vorsichtig optimistisch auf das laufende Jahr. Die Auslastung erholt sich von 79 Prozent (2026) auf prognostizierte 81 Prozent. Ein bemerkenswerter Trend: Über 50 Prozent der Auftraggebenden wünschen physische Präsenz vor Ort für mindestens die Hälfte der Einsatzdauer.

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fe45cbfea7568e6654345d1539ff6270?s=48&d=identicon&r=g Julia Lehmann

Julia Lehmann ist Schriftstellerin, Philosophin, Künstlerin und Übersetzerin. Seit über drei Jahren setzt sie sich intensiv mit aktuellen Entwicklungen im Bereich Human Resources und der Arbeitswelt auseinander. Mit ihrem interdisziplinären Hintergrund analysiert sie Themen wie Unternehmenskultur, Führung, Wandel in der Arbeitsorganisation und rechtliche Rahmenbedingungen und liefert dabei Impulse, die sowohl in Fachkreisen als auch in der unternehmerischen Praxis Anklang finden.

FAQ

Was versteht man unter Interim Management?

Interim Management ist der zeitlich befristete Einsatz externer Führungskräfte, um personelle Lücken zu schließen, Krisen zu bewältigen oder Projekte zu leiten. Diese Manager*innen übernehmen operative Verantwortung und sind projektbezogen im Unternehmen tätig, um Herausforderungen oder Übergangsphasen zu meistern.

Wie viel verdient man als Interim Manager?

Der durchschnittliche Tagessatz für Interim Manager*innen in Deutschland liegt bei etwa 1.052 Euro. Als Faustregel gilt, dass der Tagessatz ungefähr einem Prozent des Jahresgehalts einer vergleichbaren Festanstellung entspricht, wobei die Kosten je nach Erfahrung und Branche variieren können.

Ist ein Interim Manager selbstständig?

Ja, Interim Manager*innen arbeiten in der Regel als selbstständige Expert*innen oder Freelancer. Sie werden zeitlich befristet für bestimmte Projekte oder zur Überbrückung von Vakanzen engagiert und sind nicht fest im Unternehmen angestellt.

Welche Aufgaben hat ein Interim Manager?

Ein*e Interim Manager*in greift direkt in das operative Tagesgeschäft ein. Zu den Hauptaufgaben gehören die Übernahme von Führungsverantwortung, das Leiten von Mitarbeitenden, das Treffen von Entscheidungen und die Verantwortung für Budgets, um den Betrieb aufrechtzuerhalten und aktiv weiterzuentwickeln.

Julia Lehmann ist Schriftstellerin, Philosophin, Künstlerin und Übersetzerin. Seit über drei Jahren setzt sie sich intensiv mit aktuellen Entwicklungen im Bereich Human Resources und der Arbeitswelt auseinander. Mit ihrem interdisziplinären Hintergrund analysiert sie Themen wie Unternehmenskultur, Führung, Wandel in der Arbeitsorganisation und rechtliche Rahmenbedingungen – und liefert dabei Impulse, die sowohl in Fachkreisen als auch in der unternehmerischen Praxis Anklang finden.