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Arbeitszeiterfassung

Rüstzeit – Definition, Arbeitszeit und Berechnung

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Rechtskonform und zeitsparend: Das ist die Arbeitszeiterfassung mit Factorial. Alles zum Factorial Zeitmanagement
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Der Begriff Rüstzeit klingt für viele nach Industrie und Fertigung. Doch die Vor- und Nachbereitung von Arbeitsprozessen ist ein zentraler Faktor für die Produktivität in nahezu jeder Branche. Ob es um das Hochfahren von Computersystemen im Büro oder das Einrichten einer Maschine in der Produktion geht: Rüstzeiten sind ein integraler Bestandteil der vergütungspflichtigen Arbeitszeit.

Wichtige Fakten

  • Rüstzeit ist die Zeit für die Vor- und Nachbereitung eines Arbeitsplatzes oder Systems und gilt gemäß § 611a BGB grundsätzlich als vergütungspflichtige Arbeitszeit.
  • Laut einer Studie des Fraunhofer-Instituts für Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO) können unproduktive Nebentätigkeiten, einschließlich Rüstzeiten, in manchen Produktionsbetrieben bis zu 30 % der Gesamtarbeitszeit ausmachen.
  • Die Optimierung von Rüstzeiten nach Methoden wie SMED (Single-Minute Exchange of Die) kann die Maschinenstillstandszeiten laut dem REFA-Verband um bis zu 90 % reduzieren und so die Produktivität erheblich steigern.
  • Eine Betriebsvereinbarung kann die Details zur Erfassung und Vergütung von Rüst- und Umkleidezeiten verbindlich regeln und so Rechtsstreitigkeiten vermeiden.

Definition: Was ist Rüstzeit?

Rüsten bedeutet so viel wie „etwas vorbereiten“ oder „fertigmachen“. Die Rüstzeit ist daher im Arbeitsleben die Zeit, die benötigt wird, um eine Maschine oder einen Arbeitsplatz in einen betriebsbereiten Zustand zu versetzen.

Hinzu kommt aber auch die Zeit nach getaner Arbeit, um den Arbeitsplatz wieder in den Ausgangszustand zu bringen.

Die Rüstzeit ist somit ein wichtiger Bestandteil der Arbeitszeit und hat einen direkten Einfluss auf die Produktivität und Effizienz von Unternehmen. Je kürzer die Rüstzeit ausfällt, desto produktiver kann ein Arbeitsplatz bzw. eine Maschine genutzt werden. Rüstzeiten gelten in der Produktionsplanung als Indikatoren für mögliche Ineffizienz. Daher gilt es für Firmen, lange Rüstzeiten zu vermeiden.

Seit Beginn der Industrialisierung hat sich die Rüstzeit in Unternehmen stetig reduziert. Dank neuer Techniken und immer effizienterer Methoden zur Optimierung von Prozessen in der Produktion konnten betriebsbedingte Abläufe verbessert werden.

Für Firmen kann es wettbewerbsentscheidend sein, die Zeiten für das Vor- und Nachbereiten der eigentlichen Arbeit immer weiter zu optimieren.

Für Unternehmen ist es ratsam, auch Prozesse wie digitale Arbeitszeiterfassung, Performance, Abwesenheiten, Schichtplanung etc. digital bestmöglich zu gestalten. Von Finanz-, über Talent- bis hin zu Zeitmanagement bietet Factorial dafür professionelle Tools, die das Arbeitsleben vereinfachen.
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Was gehört zur Rüstzeit?

Je nach Beruf können zur Rüstzeit verschiedene Tätigkeiten zählen. Wesentliche Bestandteile der Rüstzeit sind, wie gesagt, die Vorbereitung eines Arbeitsplatzes und/oder die Vorbereitung von Beschäftigten sowie das Abrüsten in den ursprünglichen Zustand, der vor dem Arbeitsvorgang herrschte.

Beispiele, die als Rüstzeit gelten können, sind:

  • allgemein die Vor- und Nachbereitung des Arbeitsplatzes bzw. einer Maschine (inkl. Justieren, Einrichten und Modifizieren für neue Produktionsabläufe)
  • das An- und Ausziehen von vorgeschriebener Dienst- oder Schutzkleidung, sofern dies primär im Interesse des Unternehmens liegt („fremdnützig“)
  • das An- und Ablegen von vorgeschriebener Schutzbekleidung
  • das Hoch- bzw. Herunterfahren eines Computers
  • das Eichen bzw. Testen einer Maschine oder Anlage
  • der Austausch von Vorrichtungen, Werkzeugen oder relevanten Dingen für die Produktion
  • die Wartung und Reinigung von Maschinen oder Arbeitsplätzen, um künftige Arbeitsvorgänge zu gewährleisten
  • die Aktualisierung bzw. die Erfassung von Sicherheitsprotokollen, Arbeits- und Produktionsplänen oder betriebsbedingten Anweisungen
  • die Qualitätskontrolle von Maschinen, Produkten oder ganzen Abläufen in der Produktion, um dadurch auch künftig die Qualität zu sichern
  • das Aufräumen (z. B. in Gastronomie oder Einzelhandel) nach Ladenschluss

Rüstzeit je nach Branche

Rüstzeiten können sich je nach Branche unterscheiden.

Im Handwerk gehören beispielsweise Anfahrten oder das Be- und Entladen von Werkzeugen dazu, was zeitlich gesehen vor oder nach der eigentlichen handwerklichen Tätigkeit liegt. Diese Rüstzeiten dürfen Handwerksbetriebe berechnen, sofern sie zuvor klar kommuniziert und im Kostenvoranschlag ausgewiesen wurden.

Im metallverarbeitenden Gewerbe kann die Rüstzeit zum Beispiel das Umrüsten einer CNC-Fräse auf ein anderes Produkt umfassen. Um die Einrichtung der Fräsmaschine vorzunehmen, muss sie mit sogenannten CAD-Daten neu programmiert und die Schneidwerkzeuge über einen automatischen Werkzeugwechsler (ATC) neu eingerichtet werden.

Auch die Umstellung auf andere kompatible Materialien wie Kunststoffe, Verbundwerkstoffe oder Metalle bedarf zuerst der Überprüfung. Bevor die Serienproduktion beginnen kann, werden die ersten gefertigten Stücke einer Qualitätskontrolle unterzogen, um sicherzustellen, dass die Maschine korrekt arbeitet. Erst wenn die Umrüstung abgeschlossen ist, endet die Rüstzeit und ein neuer Arbeitsvorgang kann beginnen.

In der Lebensmittelbranche haben Rüstzeiten vor allem die Aufgabe der Qualitätssicherung bei einer notwendigen Umrüstung von Produktionsanlagen. Da bei (verderblichen) Lebensmitteln die Hygiene sowie die Qualität höchste Priorität in der operativen Produktionsplanung spielt, müssen die verwendeten Maschinen bei der Umstellung auf ein anderes Produkt penibel gereinigt werden.

Wird zum Beispiel die Produktion eines Schokoladenherstellers von Nuss auf Vollmilch umgestellt, gilt es aufgrund möglicher Unverträglichkeiten und Allergien der Konsumierenden bzw. zur Vermeidung von Kreuzkontaminationen (Salmonellen o. ä., Mikroorganismen) absolut hygienisch zu arbeiten.

Auch die Vorbereitung der Maschinen auf andere Größen und Formen in der Herstellung erfordert ein Neujustieren von Komponenten sowie das Neukonfigurieren von Etikettiermaschinen.

Werden all die branchenspezifischen Anforderungen erfüllt, kann die eigentliche Arbeitszeit beginnen. Für eine präzise Planung und Abrechnung der Vorgänge ist es für Unternehmen wichtig, diese Zeiten effektiv zu managen und möglichst klein zu halten.

Wie kann man die Rüstzeit optimieren?

Die Reduzierung von Rüstzeiten ist ein zentrales Ziel im Lean Management und in der Prozessoptimierung. Eine der bekanntesten Methoden ist die SMED-Methode (Single-Minute Exchange of Die). Das Ziel ist, die Umrüstzeiten von Maschinen in den einstelligen Minutenbereich zu bringen. Dies wird durch die Trennung von internen (Maschinenstillstand erforderlich) und externen (bei laufender Maschine möglich) Rüstvorgängen erreicht. Laut dem Fachverband REFA kann die konsequente Anwendung von SMED die Produktivität signifikant steigern.

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Ist Rüstzeit Arbeitszeit?

Die Rüstzeit ist ein Teil der Arbeitszeit und muss entsprechend vergütet werden. Diese Aussage ist grundsätzlich korrekt und stützt sich auf das Arbeitszeitgesetz (ArbZG) sowie § 611a des Bürgerlichen Gesetzbuchs (BGB), wonach die vereinbarte Arbeitsleistung zu vergüten ist. Dazu gehören alle Tätigkeiten, die im Interesse des Betriebs erfolgen und für die Erbringung der eigentlichen Arbeit notwendig sind.

Die oben skizzierten Beispiele behandeln vorrangig Prozesse in der Produktion, in denen Rüstzeiten in direktem Zusammenhang mit der Arbeitszeit stehen.

Strittig ist oft das Anlegen von Dienstkleidung. Hier hat das Bundesarbeitsgericht (BAG) klare Grundsätze entwickelt. Das Umkleiden ist vergütungspflichtige Arbeitszeit, wenn das Tragen der Kleidung vom Unternehmen angeordnet wird und diese besonders auffällig ist (z. B. Uniformen mit Firmenlogo) und im Betrieb angelegt werden muss. Ist das Umziehen primär „fremdnützig“, also im Interesse des Betriebs, muss es auch vergütet werden, selbst wenn der Arbeitsvertrag dies nicht explizit erwähnt. Eine pauschale Abgeltung durch eine Betriebsvereinbarung ist jedoch möglich, wie das BAG in einem Urteil von 2022 bestätigte.

Hinweis:

Wird das Anlegen der Dienstkleidung oder Uniform vergütet, muss das Unternehmen auch die Zeit vergüten, in der die Dienstkleidung oder Uniform wieder ausgezogen wird. Juristisch gesehen zählt die Tätigkeit somit als Arbeitsleistung.

Die Rolle des Betriebsrats

Dem Betriebsrat kommt bei der Regelung von Rüstzeiten eine wichtige Rolle zu. Gemäß § 87 Abs. 1 Nr. 2 BetrVG hat er ein Mitbestimmungsrecht bei Beginn und Ende der täglichen Arbeitszeit einschließlich der Pausen. Dies umfasst auch die Festlegung, welche Vor- und Nachbereitungstätigkeiten zur Arbeitszeit zählen. In einer Betriebsvereinbarung können daher verbindliche und pauschale Regelungen für Rüst- und Umkleidezeiten getroffen werden, um für alle Beschäftigten Klarheit zu schaffen.

Wie wird die Rüstzeit berechnet?

Nach der in Deutschland etablierten REFA-Methodik setzt sich die Rüstzeit aus mehreren Komponenten zusammen. Die Berechnung erfolgt durch die Addition der Rüstgrundzeit mit Zuschlägen für sachliche und persönliche Verteilzeiten sowie Erholungszeiten.

Die REFA-Formel lautet:

Rüstzeit (tr) = Rüstgrundzeit (tgr) + Rüstverteilzeit (trv) + Rüsterholzeit (trer)

Diese detaillierte Erfassung ist entscheidend für eine exakte Produktionsplanung und Kostenkalkulation. Moderne Zeiterfassungssysteme können dabei helfen, diese unterschiedlichen Zeitanteile präzise zu erfassen und auszuwerten.

Fazit

Die Rüstzeit umfasst all die Zeiträume, die ein Beschäftigte benötigt, um seine eigentliche Arbeit vorzubereiten sowie die Zeitspanne nach getaner Arbeit, um die Maschine bzw. den Arbeitsplatz wieder „abzurüsten“.

Eine effiziente Verwaltung und Optimierung der Rüstzeit kann – insbesondere in großen Firmen oder Produktionsumgebungen – eine erhebliche Herausforderung darstellen. Für Unternehmen kann es allerdings wettbewerbsentscheidend sein, die Zeiten für das Vor- und Nachbereiten der eigentlichen Arbeit immer weiter zu optimieren. Lange Rüstzeiten gilt es daher ausdrücklich zu vermeiden.

Rüstzeiten sind wichtige Bestandteile der Arbeitszeit und haben direkten Einfluss auf die Produktivität und Effizienz von Unternehmen.

Entgegen einer weit verbreiteten Annahme ist die Vergütungspflicht für Rüstzeiten nicht immer von einer expliziten Klausel im Arbeitsvertrag abhängig. Entscheidend ist nach ständiger Rechtsprechung des Bundesarbeitsgerichts, ob die Tätigkeit dem betrieblichen Bedürfnis dient. Eine klare Regelung in Arbeitsverträgen oder Betriebsvereinbarungen ist dennoch essenziell, um Rechtsklarheit für alle Seiten zu schaffen.

FAQ

Was ist Rüstzeit?

Rüstzeit ist die Zeit, die benötigt wird, um einen Arbeitsplatz oder eine Maschine für eine Aufgabe vorzubereiten (Aufrüsten) und nach der Arbeit wieder in den Ausgangszustand zu versetzen (Abrüsten). Sie ist ein wichtiger Bestandteil der Arbeitszeit und beeinflusst die Produktivität eines Unternehmens.

Wann beginnt die Rüstzeit?

Die Rüstzeit beginnt vor der eigentlichen Haupttätigkeit. Sie umfasst alle vorbereitenden Maßnahmen wie das Hochfahren von Computern, das Anlegen von Arbeitskleidung oder das Einrichten von Maschinen, die notwendig sind, um die Arbeit aufnehmen zu können.

Florian Schoemer ist HR-Tech-Enthusiast, Autor und Berater mit einem Hintergrund in Wirtschaftspsychologie und internationaler Personalarbeit. Seit über zehn Jahren befasst er sich mit dem Wandel der Arbeitswelt – besonders an der Schnittstelle von Technologie, Unternehmenskultur und Recruiting. Seine Perspektive ist praxisnah und zukunftsorientiert: Er identifiziert Trends, leitet konkrete Handlungsimpulse ab und unterstützt Organisationen auf dem Weg zum modernen Business Management.