„Du wirst hier nicht fürs Denken bezahlt“. Dieser Satz, der glücklicherweise einer vergangenen Ära des Führungsstils angehört, verdeutlicht das Gegenteil von proaktivem Denken: Blinder gehorsam. In der modernen Gesellschaft erwarten Führungspersönlichkeiten von ihren Mitarbeitenden, dass sie proaktiv denken und handeln. Das heißt: vorausschauend, eigeninitiativ und eigenverantwortlich.
Von dieser Praxis profitieren nicht nur die Beschäftigten, sondern auch das Unternehmen. Wir zeigen in diesem Beitrag, welche Bedeutung proaktives Handeln für eine einzelne Person, aber auch für die Gemeinschaft hat und geben Tipps, wie Manager*innen ihre Mitarbeitenden zum proaktiven Denken motivieren können.
Key Facts
- Proaktivität ist das selbständige Handeln und Denken. Es bedeutet initiativ zu sein, nicht erst auf Anweisungen zu warten und Verantwortung für seine Entscheidungen und sein Handeln zu übernehmen.
- Proaktive Menschen suchen nach Möglichkeiten, ihre eigene Arbeit und Prozesse zu verbessern und damit ihre eigene Zufriedenheit im Job zu steigern – meist zum Vorteil des Unternehmens.
- Proaktivität ist in der Berufswelt von großer Bedeutung, denn proaktive Mitarbeitende sind meistens die ersten, die Probleme erkennen und Ideen für deren Lösung entwickeln.
- Proaktiv leben: Die eigene Zukunft aktiv und erfolgreich gestalten
- Die Bedeutung von Proaktivität in der Berufswelt
- Beispiele für Proaktivität
- Wie können Sie proaktiver werden?
Proaktiv leben: Die eigene Zukunft aktiv und erfolgreich gestalten
Der Duden definiert proaktiv als „durch differenzierte Vorausplanung und zielgerichtetes Handeln die Entwicklung eines Geschehens selbst bestimmend und eine Situation herbeiführend“. Proaktiv sein bedeutet also, aus eigener Initiative heraus intrinsisch zu handeln, anstatt abzuwarten und auf Anweisungen zu hoffen.
Es bedeutet, selbständig Entscheidungen zu treffen, dieses Handeln vorher abzuwägen und die Verantwortung dafür zu übernehmen, auch wenn es sich als falsch herausstellt. Wer proaktiv handelt, hinterfragt bestehende Abläufe und Systeme, analysiert seine Aufgaben und geht sie eigenständig an. Mitarbeitende, die proaktiv handeln, erkennen Probleme rechtzeitig und nehmen entsprechende Maßnahmen vor, ohne auf die Anweisung der Vorgesetzten zu warten.
Die Bedeutung von Proaktivität in der Berufswelt
Proaktive Menschen suchen nach Möglichkeiten, ihre eigene Arbeit und Prozesse zu verbessern und damit ihre eigene Zufriedenheit im Job zu steigern – meist zum Vorteil des Unternehmens. Sie denken vorausschauend und erkennen Chancen und kommende Herausforderungen rechtzeitig. Proaktive Mitarbeitende übernehmen Verantwortung für ihre Aufgabenbereiche und sind bereit, für die Ergebnisse ihrer Arbeit geradezustehen, seien sie gut oder schlecht.
Zudem engagieren sie sich kontinuierlich für Optimierungen. Sie geben sich nicht mit dem Status Quo zufrieden, sondern hinterfragen regelmäßig Prozesse und Regeln. Daher suchen sie nach Möglichkeiten, die Abläufe im Unternehmen zu verbessern. Darüber hinaus arbeiten sie stets lösungsorientiert. Haben sie ein Problem erkannt, konzentrieren sie sich auf Ideen für dessen Beseitigung. Proaktiv denkende und handelnde Menschen sind zudem offen und kommunizieren klar. Sie bringen Ideen ein und stehen stets im Dialog mit Kolleg*innen und Vorgesetzten, um gemeinsam Ziele zu erreichen.
Die Karrierechancen von Personen mit dieser Denk- und Arbeitsweise sind deutlich höher und sie zählen mehrheitlich zu den sogenannten High Potentials, also zu den hoffnungsvollen Talenten eines Unternehmens. Und: Proaktive Menschen sind auch produktiver: „Menschen, die über längere Zeit Eigeninitiative zeigen, haben auf Dauer mehr zu tun. Andererseits lernen sie viel dazu, knüpfen neue Kontakte, die Arbeit geht ihnen besser von der Hand. Ihr Netzwerk vergrößert sich, ihre Expertise wächst. Sie schaffen auch mehr“, sagt Arbeitspsychologin Prof. Dr. Doris Fay der Universität Potsdam.
Das Gegenteil von proaktiv: reaktiv
Menschen, die nicht proaktiv handeln und denken, sind reaktiv. Das heißt, sie reagieren statt zu agieren. Sie warten in der Regel auf Anweisungen ihrer Vorgesetzten oder reagieren erst, wenn ein Problem aufgetreten ist, statt es frühzeitig zu erkennen und entsprechend gegenzusteuern.
Sie werden nicht von sich selbst aus aktiv, sondern handeln erst, wenn äußere Umstände oder andere Personen eine Reaktion hervorrufen. Während Proaktivität für Dynamik, Macher-Qualitäten und Erfolg steht, sind reaktive Menschen eher träge und zögerlich. Sie entwickeln selten Ideen und bringen sich deutlich weniger ein.
Beispiele für Proaktivität
Proaktivität spielt in vielen beruflichen Situationen eine Rolle. Wer zum Beispiel in Bereichen eine Wissenslücke bei sich entdeckt, schließt diese durch proaktives Handeln und bildet sich selbständig weiter.
Bei der Prozessoptimierung kann sich stärker eingebracht werden, ebenso wie bei der Entwicklung von Ideen. Solche können auch eigenständig vorangetrieben werden. Zusätzliche Verantwortung proaktiv zu übernehmen und bei der Problembewältigung tatkräftig zu werden sind weitere Beispiele.
Ob im kleinen Rahmen oder bei größeren Projekten – die Bereitschaft, aktiv zu werden, wird immer geschätzt.
Wie kann ich proaktiver werden?
Die Förderung von Proaktivität erfordert natürlich auch ein unterstützendes Umfeld: Führungskräfte sollten Eigeninitiative wertschätzen und Feedback geben, damit Mitarbeitende ihre Fähigkeiten weiterentwickeln können. Darüber hinaus können klare Zielsetzungen, regelmäßige Reflexion und ein bewusster Umgang mit Zeit und Prioritäten die eigene Proaktivität stärken.
Wo gibt es Möglichkeiten im Berufsalltag, um aktiv zu werden?
Manche Menschen sind von sich aus proaktiver als andere. Dennoch handelt es sich bei Proaktivität um eine Fähigkeit, die man entwickeln und trainieren kann. Ein erster Schritt kann es sein, seinen Arbeitsalltag bewusst zu beobachten und sich jeden Tag zu fragen, wo es Möglichkeiten gibt, um aktiv zu werden. Welche Aufgaben könnten zusätzlich erledigt werden? Wie lassen sich Probleme im Voraus erkennen und lösen? Welche Projekte haben Schwachstellen?
Klare Ziele setzen
Man sollte sich klare Ziele setzen und sich zum Beispiel vornehmen, zusätzliche Aufgaben zu übernehmen und nicht erst warten, bis einem etwas zugeteilt wird. Außerdem kann man sich Prozesse anschauen und überlegen, wie diese verbessert werden könnten. Es ist wichtig, regelmäßig zu reflektieren und eine Eigenanalyse seiner Arbeit durchzuführen, um zu sehen, wo es Verbesserungspotenziale gibt.
Auf Prioritäten fokussieren
Proaktivität kann sich in vielen Bereichen zeigen, ob bei der Optimierung von Arbeitsprozessen, in der Kommunikation oder beim Lernen neuer Fähigkeiten. Prioritäten zu setzen, ist ein nächster Schritt. Proaktive Menschen wissen, wie sie ihre Zeit effizient nutzen und sich auf die wichtigen Aufgaben konzentrieren.
Regelmäßig Feedback einzuholen, verbessert ebenfalls die eigene Arbeitsleistung, weil man sich selbst besser einschätzen und weiterentwickeln kann. Feedback hilft auch, mögliche blinde Flecken zu erkennen und gezielt an der eigenen Proaktivität zu arbeiten.
Positivität und proaktives Verhalten
Positivität und Proaktivität sind eng miteinander verbunden, denn proaktive Menschen haben meist eine positive Grundhaltung, die sie oft auch auf andere Menschen übertragen können. Damit sind sie die geborenen Führungspersönlichkeiten. Ihre positive Grundeinstellung hilft ihnen zudem, Herausforderungen besser zu meistern.
Fazit
In einer sich ständig wandelnden Arbeitswelt ist proaktives Verhalten ein Schlüsselmerkmal erfolgreicher Individuen und Unternehmen, da proaktives Handeln es ermöglicht, Herausforderungen frühzeitig zu erkennen und aktiv Lösungen zu entwickeln.