Die Tendenz der steigenden Fehltage wegen Depressionen am Arbeitsplatz ist seit Jahren wachsend – ein echtes Problem für Unternehmen. Was genau Depressionen sind, welche Symptome auftreten und was bei einer Krankschreibung bei Depressionen zu beachten ist, erfahren Sie im folgenden Artikel.
Wichtige Fakten
- Eine Krankschreibung bei Depression ist eine ärztlich attestierte Arbeitsunfähigkeit, die bei einer psychischen Belastung ausgestellt wird, welche die Ausübung der beruflichen Tätigkeit unmöglich macht.
- Laut dem DAK-Psychreport für das Jahr 2025 verursachten Depressionen erneut die meisten Fehltage aufgrund psychischer Erkrankungen, mit durchschnittlich 183 Fehltagen je 100 versicherte Beschäftigte.
- Psychische Erkrankungen sind nach Angaben der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) die zweithäufigste Diagnosegruppe bei Krankschreibungen in Deutschland.
- Für eine erfolgreiche Rückkehr an den Arbeitsplatz nach langer Krankheit ist die stufenweise Wiedereingliederung nach dem „Hamburger Modell“ gemäß § 74 SGB V ein zentrales Instrument.
- Was ist eine Depression?
- Gründe für Depressionen
- Welche Regelungen gelten für eine Krankschreibung bei Depression?
- Wie können Arbeitgebende betroffene Beschäftigte unterstützen?
Was ist eine Depression?
Definition und Merkmale einer Depression
Laut aktuellen Erhebungen, wie dem DAK-Psychreport 2025, gehören Depressionen zu den häufigsten Ursachen für psychisch bedingte Arbeitsunfähigkeit in Deutschland. DAK-Gesundheit Die Tendenz ist steigend. Dabei kann eine Depression eine vorübergehende Episode sein, sich jedoch auch über Jahre hinziehen und nicht einfach wieder verschwinden.
Es handelt sich um eine (schwere) psychische Krankheit, die nicht mit gewöhnlicher Traurigkeit, die jeden einmal betreffen kann, zu vergleichen ist.
Typische Symptome bei einer Depression
Betroffene empfinden häufig ein Gefühl der Leere, des Desinteresses und der Hoffnungslosigkeit. Sie sind meist nicht mehr in der Lage, Freude an Aktivitäten zu empfinden. Sie kapseln sich oft ab, was die Depression meist noch verstärkt. So kann eine einfache Tätigkeit wie das Müllrausbringen bereits zu einer enormen, nicht zu bewältigenden Herausforderung werden.
Hinzu kommen körperliche Einschränkungen wie Appetitlosigkeit oder Schlafstörungen in Kombination mit Gewichtsverlust. Im schlimmsten Fall kann die Depression mit suizidalen Gedanken einhergehen. Es handelt sich also um eine ernstzunehmende Krankheit, die oft therapeutische Maßnahmen und andere Interventionen erfordert.
Gründe für Depressionen
Es gibt nicht den einen Grund, der zu einer Depression führt. Stattdessen ist es meistens eine Mischung aus verschiedenen Faktoren, die zum Ausbruch führt.
Zum einen können neurologische Veränderungen wie hormonelle Schwankungen oder andere körperliche Veränderungen eine Rolle spielen. Zum anderen können auch psychosoziale Faktoren einen Einfluss haben, wie z. B. Verlusterfahrungen, chronische Krankheiten, Jobverlust, Trennung, hoher Leistungsdruck oder Arbeitslosigkeit. Auch eine erbliche Vorbelastung kann wesentlich zur Entstehung von Depressionen beitragen.
Als weitere Risikofaktoren werden zudem häufig genannt: das Leben in Großstädten, das Single-Dasein, das weibliche Geschlecht (Frauen erkranken häufiger an Depressionen als Männer), ein niedriger Bildungsgrad sowie Alkohol- und Drogenmissbrauch.
Allerdings muss man eine Depression nicht einfach hinnehmen. Es gibt Maßnahmen, die helfen können. Hier sind therapeutische Maßnahmen, aber auch soziale Unterstützung und medikamentöse Behandlung wesentliche Hilfsmittel. In vielen Fällen, insbesondere bei schweren Depressionen, ist es oft notwendig, dass Betroffene krankgeschrieben werden, um sich auf die Genesung zu konzentrieren und die nötige Ruhe und Unterstützung zu erhalten.

Welche Regelungen gelten für eine Krankschreibung bei Depression?
Wann wird man wegen Depression krankgeschrieben?
Die Diagnose einer Depression wird ausschließlich von ärztlichem Fachpersonal gestellt. Jeder Fall wird dabei individuell betrachtet. Speziell Kriterien wie die Schwere der Symptome, die Einschränkung der Leistungsfähigkeit, das Suizidrisiko und auch körperliche Symptome bilden die Grundlage für eine Krankschreibung.
Aber: Nicht jede Diagnose bedeutet auch automatisch eine Krankschreibung wegen Depressionen.
Wie lange kann eine Krankschreibung bei Depression dauern?
Auch hier gibt es grundsätzlich keine feste Grenze nach oben. Es kommt auf die Schwere der Depression an. Diese kann von wenigen Tagen bis zu einigen Wochen oder sogar mehreren Monaten dauern, wobei in schwereren Fällen eine stationäre Therapie erforderlich sein kann. Zu beachten ist, dass nach sechs Wochen Krankschreibung aufgrund der gleichen Krankheit die Entgeltfortzahlung durch den Arbeitgeber endet. Die Krankenkasse übernimmt dann die Zahlung in Form des Krankengeldes.
Was ist bei einer Fortsetzungserkrankung zu beachten?
Tritt während der Arbeitsunfähigkeit wegen Depression eine neue, unabhängige Erkrankung hinzu (z. B. ein Unfall), kann unter Umständen ein neuer Anspruch auf Entgeltfortzahlung für sechs Wochen entstehen. Dies gilt jedoch nicht, wenn die neue Erkrankung eine Folge der Depression ist. Die genaue Abgrenzung ist rechtlich komplex und wird laut arbeitsrechte.de als „Einheit des Verhinderungsfalles“ bezeichnet.
Krankschreibung bei Depression: Soll man der Führungskraft sagen, dass man Depressionen hat?
Es besteht keine Pflicht, dem Arbeitgeber den Grund für die Krankschreibung mitzuteilen. Bei einer arbeitsbedingten Depression kann es jedoch durchaus förderlich für die Genesung sein, die Krankheit offen anzusprechen. Dies gilt natürlich nur, wenn eine offene Unternehmenskultur und ein vertrauensvolles Verhältnis zwischen Mitarbeitenden, Vorgesetzten und der Personalabteilung bestehen, um beispielsweise Maßnahmen und Veränderungen im Arbeitsalltag vorzunehmen.
Besteht Kündigungsschutz während der Krankschreibung?
Eine Krankschreibung schützt nicht grundsätzlich vor einer Kündigung. Eine krankheitsbedingte Kündigung ist jedoch an strenge rechtliche Hürden gebunden. Arbeitgebende müssen nachweisen, dass eine negative Gesundheitsprognose besteht, erhebliche betriebliche Beeinträchtigungen vorliegen und keine milderen Mittel (wie das betriebliche Eingliederungsmanagement) zur Verfügung stehen, um den Arbeitsplatz zu erhalten, wie Hopkins Rechtsanwälte erläutern.
Urlaub trotz Krankschreibung bei Depression – ist das erlaubt?
Grundsätzlich sind alle Aktivitäten erlaubt, die der Genesung nicht schaden. Bei psychischen Erkrankungen kann ein Urlaub oder ein Ortswechsel ärztlich sogar empfohlen werden, um den Heilungsprozess zu fördern. Wichtig ist jedoch, eine geplante Reise ins Ausland vorab mit der Krankenkasse abzustimmen, um den Anspruch auf Krankengeld nicht zu gefährden, wie Apotheke Adhoc berichtet.
Wie können Arbeitgebende betroffene Beschäftigte unterstützen?
Psychische Erkrankungen sind eine der Hauptursachen für Arbeitsunfähigkeit in Deutschland. Der DAK-Psychreport 2025 zeigt, dass die dadurch verursachten Fehltage auf einem Rekordniveau liegen. Dies unterstreicht die Notwendigkeit für Unternehmen, proaktiv zu handeln. DAK-Gesundheit
Das klingt nicht nach guten Nachrichten für Unternehmen und zeigt eines: Depressionen haben einen enormen Einfluss auf die Arbeit und damit auch auf die Produktivität.
Viele Unternehmen haben mittlerweile jedoch erkannt, dass Maßnahmen und Programme, die zur Prävention von psychischen Erkrankungen am Arbeitsplatz beitragen, enorm wichtig sind. Dabei geht es nicht nur um allgemeine Angebote zur Förderung des Wohlbefindens. Vielmehr ist eine strukturierte Vorgehensweise im Rahmen der gesetzlichen Fürsorgepflicht erforderlich. Dazu gehört laut dem Poko-Institut die Durchführung einer Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastung gemäß § 5 Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG), um arbeitsbedingte Stressfaktoren systematisch zu identifizieren und zu reduzieren.
Prävention und betriebliches Eingliederungsmanagement (BEM)
- Personalverantwortliche und Führungskräfte sollten geschult werden, um Anzeichen psychischer Belastungen frühzeitig zu erkennen und sensibel anzusprechen.Mit Factorial können Arbeitgebende Fehltage systematisch erfassen und auswerten – egal, ob es sich um krankheitsbedingte Abwesenheiten oder Urlaub handelt. Durch die detaillierte Analyse der Fehltage und die Nutzung datengestützter Erkenntnisse können Unternehmen proaktive Schritte einleiten, um Fehlzeiten zu reduzieren. Durch das Sammeln und Auswerten von Daten können Unternehmen Muster erkennen, die auf psychische Belastungen hinweisen, und gezielt auf Mitarbeitende mit einem erhöhten Risiko eingehen.
- Eine offene und entstigmatisierende Kommunikationskultur ist entscheidend. Nur so können Betroffene Unterstützung annehmen, ohne Nachteile zu befürchten.
Insbesondere für kleine und mittlere Unternehmen mit geringem Personalbestand und begrenztem Budget eignen sich beispielsweise die Materialien des Projekts MENTUPP. MENTUPP zielt darauf ab, das Bewusstsein für psychische Erkrankungen zu schärfen und den Umgang mit diesen am Arbeitsplatz zu fördern.
Sind Beschäftigte länger als sechs Wochen innerhalb von zwölf Monaten arbeitsunfähig, sind Arbeitgebende gesetzlich verpflichtet, ein betriebliches Eingliederungsmanagement (BEM) anzubieten (§ 167 Abs. 2 SGB IX). Ziel des BEM ist es, die Arbeitsunfähigkeit zu überwinden und den Arbeitsplatz zu erhalten. Ein zentrales Instrument hierbei ist laut der BAuA die stufenweise Wiedereingliederung, auch bekannt als „Hamburger Modell“. Wenn die Arbeit vor allem körperlich anstrengend war, muss eine Anpassung vorgenommen werden, etwa durch eine Reduktion der Arbeitszeiten oder flexiblere Arbeitsmodelle, wie zum Beispiel die Möglichkeit, teilweise oder ganz im Homeoffice zu arbeiten.
Wie funktioniert das Hamburger Modell?
Bei der stufenweisen Wiedereingliederung kehren Beschäftigte schrittweise an den Arbeitsplatz zurück, während sie rechtlich weiterhin als arbeitsunfähig gelten und Krankengeld beziehen. Ein ärztlicher Stufenplan legt die schrittweise Erhöhung der Arbeitszeit und Belastung fest. Die Maßnahme erfordert die Zustimmung der beschäftigten Person, des Arbeitgebenden und der Krankenkasse und dauert laut der Deutschen Depressionsliga und dem DocCheck Flexikon in der Regel zwischen sechs Wochen und sechs Monaten.
FAQ
Wie lange wird man mit einer Depression krankgeschrieben?
Die Dauer ist nicht festgelegt und hängt von der Schwere der Erkrankung ab, die ein Arzt feststellt. Eine Krankschreibung kann von wenigen Tagen bis zu mehreren Monaten dauern. Nach sechs Wochen endet die Lohnfortzahlung durch den Arbeitgeber und die Krankenkasse zahlt Krankengeld.
Soll man mit Depressionen arbeiten gehen?
Diese Entscheidung sollte immer in Absprache mit dem behandelnden Arzt getroffen werden. Wenn die Symptome die Arbeitsfähigkeit stark einschränken, ist eine Krankschreibung für die Genesung unerlässlich. Die eigene Gesundheit hat in jedem Fall Vorrang.
Was darf man, wenn man wegen Depressionen krankgeschrieben ist?
Während einer Krankschreibung wegen Depression ist alles erlaubt, was Ihrer Genesung dient und den Heilungsprozess nicht gefährdet. Dazu können auch Sport, soziale Aktivitäten oder Reisen zählen. Im Zweifelsfall ist eine Absprache mit dem behandelnden Arzt ratsam.
Was sagen bei Krankmeldung wegen Psyche?
Sie sind nicht verpflichtet, Ihrem Arbeitgeber den genauen Grund für Ihre Krankschreibung mitzuteilen; eine allgemeine Krankmeldung genügt. In einem vertrauensvollen Arbeitsumfeld kann ein offenes Gespräch jedoch hilfreich sein, um langfristige Unterstützung und Lösungen zu ermöglichen.

