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Lohnfortzahlung im Krankheitsfall

Wissenswertes zur Lohnfortzahlung im Krankheitsfall

Ob Grippe, Burnout oder ein gebrochenes Bein – die Zahl an Krankmeldungen in Deutschland steigt stetig an. Im Regelfall werden Arbeitnehmer im Krankheitsfall weiterhin bis zu sechs Wochen von ihrem Arbeitgeber vergütet.

Doch wie hoch ist die Lohnfortzahlung genau, was passiert nach diesen sechs Wochen, und welche Sonderregelungen gilt es zu beachten?

In diesem Artikel fassen wir alles Wissenswerte zur Lohnfortzahlung für Sie zusammen.

Lohnfortzahlung

LFK: Definition

Die Lohnfortzahlung (auch Entgeltfortzahlung) ist eine gesetzliche Regelung zum Schutz der Arbeitnehmer. Sie sagt aus, dass Mitarbeiter bei krankheitsbedingter Arbeitsunfähigkeit weiter vergütet werden. Und das ist in Deutschland sogar gesetzlich vorgeschrieben.

Unternehmen sind gemäß dem Entgeltfortzahlungsgesetz (EFZG) dazu verpflichtet, das volle Arbeitsentgelt im Krankheitsfall des Arbeitnehmers für eine Dauer von sechs Wochen auszuzahlen.

Das Ziel dahinter: Beschäftigte müssen bei Krankheit keine finanzielle Sorgen fürchten und sind abgesichert. Sie können sich voll und ganz der Genesung der Krankheit widmen.

Anspruch

  • Wer hat Anspruch auf Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall? 

Im Prinzip hat jeder Mitarbeiter Anspruch auf Lohnfortzahlung bei Krankheit. Dazu zählen u.a.:

  • Arbeitnehmer in Vollzeit
  • Arbeitnehmer in Teilzeit
  • Auszubildende
  • Minijobber
  • Werkstudenten
  • Saisonarbeiter

Darüber hinaus gelten folgende Kriterien:

Beschäftigungsdauer

Der Mitarbeiter muss mindestens vier Wochen im Unternehmen beschäftigt sein. Im Einzelfall können diese vier Wochen durch einen Tarifvertrag oder eine Betriebsvereinbarung verkürzt werden.

Arbeitsunfähigkeit

Eine Arbeitsunfähigkeit muss vorliegen. Das bedeutet: Der Arbeitnehmer ist nicht mehr in der Lage, seiner beruflichen Tätigkeit nachzukommen.

Unverschuldete Krankheit

Die Krankheit muss unverschuldet sein. Der Arbeitnehmer darf sich die Krankheit nicht absichtlich zugezogen haben.

Das bedeutet im Klartext: Während eine Erkältung durchaus ein Grund sein kann, sich krank zu melden und für die Fehltage entsprechend weiter bezahlt zu werden, ist ein Kater am Morgen nach der wilden Geburtstagsparty das eigene Verschulden des Mitarbeiters. Hätte er nicht zu tief ins Glas geschaut, hätte er putzmunter zu seiner Schicht erscheinen können.

Melde- und Nachweispflichten

Halten wir also fest: Ein Mitarbeiter, der bereits seit mehr als einem Monat im Unternehmen angestellt ist, ist unverschuldet so krank geworden, dass er nicht mehr in der Lage ist, zur Arbeit zu erscheinen und seiner Tätigkeit nachzukommen. Der Anspruch auf Entgeltfortzahlung besteht.

Wie geht es jetzt weiter?

Meldepflicht des Arbeitnehmers

Zunächst ist es wichtig, dass der betroffene Arbeitnehmer seinen Arbeitgeber umgehend über die Erkrankung informiert. In der Regel wendet er sich dafür am ersten Tag der Krankheit telefonisch an die Personalabteilung oder den direkten Vorgesetzten.

Gemäß Entgeltfortzahlungsgesetz § 5 Anzeige- und Nachweispflichten ist dabei auch die voraussichtliche Dauer der Arbeitsunfähigkeit zu nennen.

Wichtig: Informiert der Mitarbeiter das Unternehmen nicht oder zu spät, haben Sie das Recht, ihn abzumahnen oder sogar außerordentlich zu kündigen. Es ist seine Pflicht, die Erkrankung unverzüglich zu melden.

Braucht der Arbeitnehmer ein ärztliches Attest? 

Die Antwort lautet wie so oft: Es kommt drauf an. Fällt der Mitarbeiter nur kurzfristig aus, braucht er kein Attest. Aber: Ist er länger als drei Kalendertage krank, muss ein ärztliches Attest vorgelegt werden. So schreibt es das Gesetz (Entgeltfortzahlungsgesetz § 5 Abs. 1 Satz 2) vor.

Dauer der Lohnfortzahlung

Besonders bei längeren Krankschreibungen fragen sich Arbeitgeber oft, wie lange sie dazu verpflichtet sind, das Gehalt weiter auszuzahlen. Wir klären die wichtigsten Fragen:

  • Wie lange muss ich meinem erkrankten Mitarbeiter weiterhin Gehalt zahlen?

In Deutschland ist das ganz klar geregelt: Arbeitnehmer können im Krankheitsfall mit 42 Kalendertagen, also sechs Wochen Entgeltfortzahlung rechnen.

  • Was passiert, wenn der betroffene Beschäftigte länger als sechs Wochen krank ist? 

Besonders bei psychischen Krankheiten wie Depressionen oder Burnout ist es nahezu unmöglich, eine schnellere Genesung zu gewährleisten. Müssen Arbeitgeber erkrankten Mitarbeitern dann über diese sechs Wochen hinaus ein Kranken-Gehalt oder eine andere Form von Entschädigung zahlen?

Nein, nach den sechs Wochen (nach Ablauf der 42 Kalendertage) springt die Krankenkasse ein. Sie zahlt jedoch nicht das volle Gehalt, sondern ein Krankengeld.

  • Haben alle Mitarbeiter Anspruch auf Krankengeld? 

Anspruch hat grundsätzlich jede Person, für die eins der folgenden Kriterien gilt:

  •  Die Arbeitsunfähigkeit dauert länger als sechs Wochen (42 Kalendertage).
  • Der Arbeitnehmer wird im Krankenhaus oder in einer Reha-Einrichtung stationär behandelt.
  • Das Arbeitsverhältnis besteht noch keine vier Wochen: Statt der Entgeltfortzahlung kann hier Recht auf Krankengeld bestehen.
  • Die erkrankte Person bezieht Arbeitslosengeld I. Nach sechs Wochen wird statt dem Arbeitslosengeld ein Krankengeld ausgezahlt.

Lohnfortzahlung Factorial

Hinsichtlich Ihrer Mitarbeiter sollten Sie allerdings beachten, dass privat versicherte Arbeitnehmer in manchen Fällen eine eigene Krankentagegeldversicherung abschließen. Gegebenenfalls gelten dann abweichende Konditionen.

  • Muss ich das Krankengeld für meine Mitarbeiter bei der Krankenkasse beantragen?

Nein, das Krankengeld muss nicht beantragt werden. Die entsprechende Krankenkasse ist informiert und leitet die nötigen Schritte von alleine ein.

  • Gibt es eine maximale Dauer, wie lange Arbeitnehmer Krankengeld erhalten können?

Arbeitnehmer können in drei Jahren bis zu 78 Wochen Krankengeld einfordern. Diese Regelung gilt jedoch nur, wenn die Arbeitsunfähigkeit ohne Unterbrechung andauert.

Höhe der Lohnfortzahlung

  • Wie hoch ist der Betrag, den ich meinem erkrankten Mitarbeiter im Rahmen der Lohnfortzahlung auszahle? 

Während den ersten sechs Wochen Lohnfortzahlung wird der Lohn oder das Gehalt ganz normal weiter ausbezahlt. Es handelt sich dabei um denselben Betrag, den der Arbeitnehmer auch im gesunden Zustand erhalten hätte.

Dazu gehören:

  • Zuschläge jeglicher Art (z.B. Nacht-, Feiertags- oder Sonntagszuschüsse)
  • Vermögenswirksame Leistungen

Dazu gehören nicht:

  • Vergütung von Überstunden (siehe auch Überstunden auszahlen)
  • Leistungen für Aufwendungen des Mitarbeiters (wie z.B. Fahrtkostenzuschüsse)

Höhe des Krankengeldes

Die Krankheit ist fortschreitend und sechs Wochen sind vergangen. Die Krankenkasse übernimmt ab jetzt und zahlt dem betroffenen Mitarbeiter sein Krankengeld aus. Aber wie viel?

Die Höhe des Krankengeldes ist in Deutschland genau festgelegt. Das Sozialgesetzbuch (§ 47 SGB V) sagt dazu: Erkrankte Mitarbeiter erhalten 70 % des Bruttoentgelts, jedoch nicht mehr als 90 % des Nettoeinkommens. Anfallende Sozialversicherungsbeiträge werden dabei automatisch berücksichtigt und vor Auszahlung an den Arbeitnehmer abgezogen. (Siehe auch Lohnabrechnung und Lohnnebenkosten)

Arbeitgeber haben darüber hinaus die Option, ihren Arbeitnehmern einen Zuschuss zum Krankengeld anzubieten. Solche Regelungen sollten jedoch im Vorfeld genauestens definiert werden, um spätere Missverständnisse zu vermeiden.

Weitere Faktoren, die die Berechnung des Krankengeldes beeinflussen, sind:

  • Monatliches Festgehalt oder Bezahlung auf Stundenbasis
  • Einmalzahlungen wie Weihnachts- oder Urlaubsgeld
  • Alter
  • Kinder (ja/ nein)

Beispiel-Berechnung des Krankengeldes

Frau Simone Gruber arbeitet für das Unternehmen Musterfirma. Sie erhält ein monatliches Festgehalt von 3.900 € brutto.

Sie ist 27 Jahre alt, hat keine Kinder, und erhält keine Einmalzahlungen.

Monatliches Bruttogehalt 3.900,00 €
Monatliches Nettogehalt (Lohnsteuer Klasse I, kinderlos) 2.434,29 €
70 % des Bruttogehalts 2.739,00 €
90 % des Nettogehalts 2.190,86 €
Monatliches Brutto-Krankengeld 2.190,86 €
Abzüge:

Rentenversicherung (9,3 %)

Arbeitslosenversicherung (1,2 %)

Pflegeversicherung (1,525 %)

 

– 203,75 €

– 26,29 €

– 33,41 €

Monatliches Netto-Krankengeld 1.927,41 €

Simone Gruber erhält demzufolge monatlich 2.190,90 € Krankengeld (netto) von ihrer Krankenkasse.

Lohnfortzahlung bei Krankheit

Ausnahmen und Sonderregelungen

Bei der Lohnfortzahlung im Krankheitsfall sollten Sie einige Ausnahmen und Sonderregelungen beachten.

(1) Mitarbeiter in Elternzeit

Arbeitnehmer, die sich in Elternzeit befinden und erkranken, haben kein Anrecht auf Lohnfortzahlung. Zu dieser Zeit “pausiert” das Arbeitsverhältnis und der Anspruch entfällt.

(2) Fortsetzungskrankheit

Ihr Arbeitnehmer ist wieder gesund und zurück auf den Beinen. Kurze Zeit später jedoch erkrankt er erneut –  und zwar an derselben Krankheit. Dann handelt es sich um eine “Fortsetzungskrankheit” und die Lohnfortzahlung durch Arbeitgeberseite ist nicht erforderlich.

Wichtig dabei ist auch, dass seit dem Startdatum der ersten Arbeitsunfähigkeit des Arbeitnehmers eine Frist von zwölf Monaten zu berücksichtigen ist. Das ist besonders bei chronischen Erkrankungen von Bedeutung. Erst, wenn zwölf Monate abgelaufen sind, erneuert sich der Anspruch auf eine Lohnfortzahlung derselben Erkrankung.

(3) Krank im Urlaub

Der Anspruch auf Lohnfortzahlung bei Krankheit gilt auch im Urlaub. Dabei gilt wie bei einer Erkrankung außerhalb des Urlaubs auch: Der Arbeitnehmer hat den Arbeitgeber unverzüglich über die Erkrankung zu informieren.

Hält sich der Mitarbeiter zum Zeitpunkt der Erkrankung im Ausland auf, muss ab dem ersten Tag ein ärztliches Attest mit Hinweis auf die voraussichtliche Dauer der Krankheit vorgelegt werden.

Darüber hinaus müssen Kontaktdaten wie die temporäre Anschrift am Urlaubsort sowie die private Telefonnummer angegeben werden.Dadurch, dass der Arbeitnehmer eine offizielle Krankmeldung einreicht, verwandeln sich die genommenen Urlaubstage in Krankheitstage.

Die verlorenen Urlaubstage können somit zu einem späteren Zeitpunkt nachgeholt werden. Diese Regelung gilt zugunsten des Angestellten.

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Schreibtalent, HR-Fan und Trend-Spürnase - das ist unsere Autorin Nicole Steffgen. Sie ist Teil des Content Marketing Teams bei Factorial. Ihr Fokus liegt dabei auf dem DACH Markt. Nicole hat einen Abschluss in "International Communication" (B.A.) sowie in "Communications & Future Marketing" (M.A.) und ist Expertin im Bereich Online Content. Ihre Spezialgebiete: Blogposts und Social Media. Die gebürtige Deutsche bringt dabei viel internationale Erfahrung mit: Deutschland, Österreich, Niederlande, Luxemburg, Spanien, Mexiko - in all diesen Ländern hat sie bereits gelebt. Was ihren Content außerdem so besonders macht? Ihre Leidenschaft für HR und ihr Fokus auf den Menschen einer Organisation.

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