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Urlaub und Abwesenheiten

Wie können Mitarbeitenden zusätzlichen Urlaub kaufen?

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Immer mehr Unternehmen bieten ihren Mitarbeitenden zusätzliche Benefits zum Gehalt an. Dazu gehört immer häufiger auch die Option, sich zusätzlichen Urlaub kaufen zu können. Welche gesetzlichen Regelungen hier gelten und wie ein solches Verfahren im Betrieb etabliert werden kann, erfahren Sie im folgenden Artikel.

Wichtige Fakten

  • Direkte Antwort: Ja, der Kauf zusätzlicher Urlaubstage ist durch Gehaltsumwandlung möglich, sofern der gesetzliche Mindesturlaubsanspruch von 20 Tagen (bei einer Fünf-Tage-Woche) nicht unterschritten wird.
  • Aktuelle Daten: Im Jahr 2026 nahmen Beschäftigte in Deutschland laut Daten des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) durchschnittlich 31,0 Urlaubstage.
  • Wunsch nach Flexibilität: Eine Studie der Universität Münster zur Vier-Tage-Woche zeigte 2026, dass 70 % der teilnehmenden Unternehmen eine Arbeitszeitreduzierung beibehalten, was den hohen Wunsch nach mehr Freizeit unterstreicht, wie personalwirtschaft.de berichtet.
  • Rechtlicher Rahmen: Die Möglichkeit zum Kauf von Urlaubstagen muss vertraglich geregelt sein und betrifft laut jura.cc ausschließlich den über den gesetzlichen Anspruch hinausgehenden Zusatzurlaub.

Die wachsende Bedeutung von Freizeit für Arbeitnehmende: Mehr Urlaub durch Gehaltsverzicht

Immer mehr Beschäftigten ist mehr freie Zeit außerhalb der Arbeit wichtig. Dabei handelt es sich um ein Bedürfnis, das längst nicht mehr nur den jüngeren Generationen vorbehalten ist. Eine 2026 veröffentlichte Folgestudie der Universität Münster zum Pilotprojekt der Vier-Tage-Woche bestätigt diesen Trend: Zwei Jahre nach Beginn halten 70 % der teilnehmenden Unternehmen an einer Form der Arbeitszeitreduzierung fest. Dies zeigt, dass der Wunsch nach mehr Freizeit ein etablierter Faktor in der modernen Arbeitswelt ist und viele Beschäftigte bereit sind, für mehr freie Tage auf einen Teil des Gehalts zu verzichten, wie personalwirtschaft.de berichtet.

Neuer Trend: Urlaubstage kaufen

Vor diesem Hintergrund lässt sich ein neuer Trend beobachten: Zunehmend bieten Unternehmen ihren Beschäftigten die Möglichkeit, zusätzliche Urlaubstage zu kaufen. Es handelt sich dabei um einen weiteren Vorteil, mit dem Vorgesetzte Talente anlocken und binden wollen. Das ist ein Weg, um in Zeiten von Fachkräftemangel und Globalisierung wettbewerbsfähig zu bleiben. Solche flexiblen Zusatzleistungen gewinnen im modernen Vergütungssystem immer mehr an Bedeutung. Doch ist das überhaupt erlaubt? Welche Regelungen greifen hier? Wir erklären es im Folgenden.

Welche gesetzlichen Regelungen gelten beim Kauf von Urlaubstagen?

Kann man sich Urlaubstage kaufen?

Gesetzlich spricht zunächst nichts gegen die Praxis, dass Arbeitnehmende sich Urlaubstage kaufen können. Wichtig ist jedoch, dass die gesetzlichen Bestimmungen des Bundesurlaubsgesetzes (BUrlG) eingehalten werden.

Das bedeutet: Arbeitnehmende in Deutschland haben bei einer Fünf-Tage-Woche einen Mindesturlaubsanspruch von 20 Tagen pro Jahr. Dieser darf auch dann nicht unterschritten werden, wenn zusätzliche Urlaubstage gekauft werden.

Entscheidend ist hierbei die Unterscheidung zwischen dem gesetzlichen Mindesturlaub und dem vertraglichen Zusatzurlaub. Nur der Urlaub, der über die gesetzlich vorgeschriebenen 20 Tage (bei einer Fünf-Tage-Woche) bzw. 24 Werktage (bei einer Sechs-Tage-Woche) hinausgeht, ist verhandelbar. Der gesetzliche Anspruch selbst dient dem Gesundheitsschutz, wie die rechtlichen Hinweise auf jura.cc bestätigen, und kann während eines laufenden Arbeitsverhältnisses nicht durch Geld abgegolten werden.

Daraus folgt auch: Diese Praxis funktioniert nur in Unternehmen, die mehr als den gesetzlich festgelegten Mindestanspruch gewähren.

Doch genau das ist längst Realität: Nach Daten des Statistischen Bundesamtes liegt der durchschnittliche Urlaubsanspruch für Vollzeitbeschäftigte in den meisten Wirtschaftszweigen bei mindestens 28 Tagen, in Branchen wie der Energieversorgung sogar bei 30 Tagen. Dies bestätigt, dass in der Praxis ausreichend vertraglicher Zusatzurlaub für solche Modelle zur Verfügung steht, wie Daten von destatis.de zeigen.

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Wie funktioniert der Kauf von Urlaubstagen in der Praxis?

Urlaub kaufen: Wie funktioniert der Kauf von Urlaubstagen?

Grundsätzlich liegt es an den jeweiligen Arbeitgebenden und Arbeitnehmenden, eine Vereinbarung darüber auszuhandeln, wie Mitarbeitende Urlaubstage über den im Arbeitsvertrag gewährten Anspruch hinaus erwerben können.

In der Regel wird hierfür eine schriftliche Zusatzvereinbarung zum Arbeitsvertrag aufgesetzt, die für ein bestimmtes Kalenderjahr gilt. Diese Vereinbarung sollte die genaue Anzahl der gekauften Tage und die entsprechende Reduzierung der Bruttovergütung festhalten, wie die Computerwoche empfiehlt.

Ob es sich dabei um mündliche Absprachen handelt oder ob ein formeller Antrag – online oder in Papierform – eingereicht werden muss, bleibt den Unternehmen selbst überlassen.

Wichtig ist, dass die Handhabung klar geregelt und transparent ist – und dass sie für alle Mitarbeitenden gleichermaßen gilt, um Unmut im Team zu vermeiden. Es sollte beispielsweise auch eindeutig festgelegt sein, wie viele zusätzliche Urlaubstage Mitarbeitende überhaupt kaufen können.

Nach der Bestätigung durch die Führungskraft bzw. die Vorgesetzten wird der zusätzlich genommene Urlaubstag in der Regel mit dem Bruttogehalt verrechnet. Das heißt, der entsprechende Betrag wird vom Gehalt abgezogen.

Doch wie genau wird das berechnet? Und was kostet ein zusätzlicher Urlaubstag?

Wie werden die Kosten für einen zusätzlichen Urlaubstag berechnet?

Eine gängige und rechtssichere Methode orientiert sich an der Berechnung des Urlaubsentgelts gemäß § 11 Bundesurlaubsgesetz (BUrlG). Hierbei wird der durchschnittliche Verdienst der letzten 13 Wochen als Grundlage genommen, wie es die Industrie- und Handelskammer empfiehlt.

Formel zur Berechnung des Tageswerts:

(Bruttogehalt der letzten 13 Wochen / Arbeitstage in den letzten 13 Wochen) = Wert eines Urlaubstages

Bei einer Fünf-Tage-Woche entsprechen 13 Wochen 65 Arbeitstagen. Ein Beispiel:

  • Zuerst wird der Stundenlohn berechnet: Stundenlohn = 3.000 € ÷ (40 Std. × 4,348 Wochen) ≈ 17,26 €/Stunde
  • Nachteil: Feiertage und andere Einflussfaktoren wie etwa die tatsächliche Arbeitszeit pro Woche oder unterschiedliche Monatslängen werden nicht berücksichtigt.
  • Quartalsgehalt (3 Monatsgehälter): 3.000 € x 3 = 9.000 €
  • Berechnung: 9.000 € / 65 Arbeitstage = 138,46 €
  • Kosten für einen Urlaubstag: 138,46 €

Diese Methode ist präzise, da sie Überstundenvergütungen ausschließt und eine faire Berechnungsgrundlage schafft, wie sie auch bei der Urlaubsabgeltung verwendet wird.

Vorteile und Nachteile für Unternehmen

Die Einführung eines solchen Modells sollte gut überlegt sein. Es bietet sowohl Chancen als auch potenzielle Herausforderungen.

Vorteile Nachteile
Erhöhte Arbeitgeberattraktivität: Ein flexibles Urlaubsmodell ist ein starker Vorteil im Wettbewerb um Fachkräfte. Administrativer Aufwand: Die Verwaltung und korrekte Abrechnung erfordern präzise Prozesse.
Höhere Mitarbeiterbindung: Beschäftigte schätzen die Autonomie und Flexibilität, was die Loyalität zum Unternehmen steigern kann. Planungsrisiken: Eine erhöhte Abwesenheit muss in der Personal- und Projektplanung berücksichtigt werden, um Engpässe zu vermeiden.
Förderung der Work-Life-Balance: Das Angebot kann zur mentalen Gesundheit der Belegschaft beitragen und Burnout vorbeugen. Gleichbehandlungsgrundsatz: Das Modell muss allen Beschäftigten diskriminierungsfrei angeboten werden, was eine klare Richtlinie erfordert.

Unser Tipp zum Schluss: Mit Factorial die Urlaubstage im Blick behalten

Eine professionelle HR-Software unterstützt Sie dabei, solche flexiblen Urlaubsmodelle rechtssicher und effizient zu verwalten. Die Urlaubs- und Abwesenheitsverwaltung von Factorial stellt sicher, dass gesetzliche Mindestansprüche stets eingehalten werden. Gekaufte Urlaubstage können im System hinterlegt und die Gehaltsanpassungen automatisch für die Lohnabrechnung vorbereitet werden. So minimieren Sie den administrativen Aufwand und gewährleisten eine transparente und fehlerfreie Umsetzung für Ihre gesamte Belegschaft.

FAQ

Kann man zusätzliche Urlaubstage kaufen?

Ja, der Kauf zusätzlicher Urlaubstage ist möglich, solange der gesetzliche Mindesturlaub nicht unterschritten wird. Dieses Modell gilt nur für vertraglich vereinbarte Urlaubstage, die über den gesetzlichen Anspruch hinausgehen. Die genauen Regelungen hierfür legt das Unternehmen fest.

Wie viel kostet ein zusätzlicher Urlaubstag?

Die Kosten sind nicht pauschal festgelegt und hängen von der Berechnungsmethode des Unternehmens ab. Gängige Methoden basieren auf dem Stundenlohn, dem Bruttomonatsgehalt oder einem festen Prozentsatz des Jahresgehalts, der vom Lohn abgezogen wird.

Wie bekomme ich zusätzliche Urlaubstage?

Zusätzliche Urlaubstage müssen direkt mit dem Arbeitgebenden vereinbart und genehmigt werden, oft durch eine schriftliche Zusatzvereinbarung zum Arbeitsvertrag. Um diesen Prozess transparent zu gestalten, können Unternehmen eine All-in-one-Unternehmenssoftware wie Factorial nutzen, um Anträge und die Abwesenheitsverwaltung zu zentralisieren.

Julia Lehmann ist Schriftstellerin, Philosophin, Künstlerin und Übersetzerin. Seit über drei Jahren setzt sie sich intensiv mit aktuellen Entwicklungen im Bereich Human Resources und der Arbeitswelt auseinander. Mit ihrem interdisziplinären Hintergrund analysiert sie Themen wie Unternehmenskultur, Führung, Wandel in der Arbeitsorganisation und rechtliche Rahmenbedingungen – und liefert dabei Impulse, die sowohl in Fachkreisen als auch in der unternehmerischen Praxis Anklang finden.