Wissen und Kompetenzen verändern sich immer schneller: Technologische Entwicklungen erfordern eine schnelle Anpassung an neue Anforderungen und den kontinuierlichen Erwerb neuer Skills. Gleichzeitig verschärft der Fachkräftemangel den Wettbewerb um geeignete Talente. Deshalb gewinnt Skills-Based Hiring zunehmend an Bedeutung. Im Gegensatz zum Degree-Based Hiring stehen dabei nicht formale Abschlüsse, sondern die tatsächlichen Kenntnisse und Fähigkeiten von Bewerber*innen im Mittelpunkt.
Was Skills-Based Hiring genau bedeutet, welche Vorteile der Ansatz bietet, wie Unternehmen ihn umsetzen können und welche digitalen Tools dabei unterstützen, erfahren Sie im folgenden Artikel.
Das Wichtigste in Kürze:
- Fähigkeiten statt Abschlüsse: Skills-Based Hiring bewertet vor allem tatsächliche Fähigkeiten und Kompetenzen statt formaler Abschlüsse wie beim traditionellen Degree-Based Hiring.
- Ansatz der Zukunft: Weil sich Anforderungen und Skills immer schneller verändern, wird es wichtiger, Kompetenzen gezielt zu erkennen und weiterzuentwickeln.
- Nicht überall anwendbar: Wo bestimmte Qualifikationen gesetzlich vorgeschrieben sind, bleiben formale Abschlüsse und Nachweise unverzichtbar.
Was ist Skills-Based Hiring? (Definition)
Skills-Based vs. Degree-Based Hiring – der Vergleich
| Kriterium | Skills-Based Hiring | Degree-Based Hiring |
| Auswahlgrundlage | Nachweisbare Fähigkeiten, Kenntnisse, Potenzial | Formale Abschlüsse, Titel, Berufserfahrung |
| Talentpool | Größer – auch Quereinsteiger*innen & Nicht-Akademiker*innen | Enger – auf bestimmte Abschlüsse beschränkt |
| Fokus | Aktuelle & zukünftige Fähigkeiten und Kenntnisse | Vergangene Qualifikationen |
| Time-to-Hire | Tendenziell kürzer, da mehr Personen für die Besetzung einer Stelle in Betracht kommen | Länger, wenn streng nach Abschluss gefiltert wird |
| Bias / Vielfalt | Weniger Herkunfts-Bias, mehr Inklusion & Diversität von Bewerber*innen mit alternativen Bildungswegen | Höheres Risiko homogener Teams |
| Aufwand | Höher (Skill-Definition, Assessments nötig) | Geringer, aber ungenauer |
| Grenzen | Reglementierte/sicherheitskritische Berufe (z. B. in medizinischen oder juristischen Berufen) | Bildet schnellen Kompetenzwandel schlecht ab |
| Eignung | Vor allem in kreativen und digitalen Jobs geeignet, wie z. B. in IT, Tech, Marketing, Data, projektbasierte Rollen | Vor allem überall dort wo eine Nachweispflicht gilt, wie z. B. in Medizin, Recht, Architektur, Handwerk |
Vorteile von Skills-Based Hiring (und was die Zahlen sagen)
Grenzen von Skills-Based Hiring: Wo reichen Kompetenzen alleine nicht aus?
Auch wenn Skills-Based Hiring in vielen Branchen und insbesondere durch die Digitalisierung zunehmend an Bedeutung gewinnt, hat der Ansatz klare Grenzen. Formale Abschlüsse und Qualifikationen werden nicht überall durch den Nachweis praktischer Kompetenzen ersetzt werden können.
Besonders relevant sind sie bei reglementierten oder sicherheitskritischen Berufen, in denen bestimmte Qualifikationen gesetzlich vorgeschrieben sind. Beispiele sind:
- Gesundheitswesen & Rechtswesen: z. B. die ärztliche Approbation, Anwaltszulassung – ohne diese Zeugnisse ist die Berufsausübung illegal.
- Architekt*innen: Nachweis der Qualifikation ist Voraussetzung für die Kammereintragung.
- Ingenieur- und Handwerksberufe: Meisterbrief, Technikerabschlüsse – oft gesetzlich verankert.
- Sicherheitskritische Rollen: Luft- und Raumfahrt, Kernenergie – hier gelten strikte regulatorische Anforderungen.
Aber auch bei nicht reglementierten Berufen können formale Abschlüsse für bestimmte Positionen weiterhin eine wichtige Rolle spielen. Ein Unternehmen kann beispielsweise für eine Stelle als Steuerberater*in das Steuerberaterexamen und die Bestellung als Steuerberater*in voraussetzen oder für eine Forschungsstelle an einer Universität eine Promotion verlangen. In solchen Fällen geht es nicht lediglich um ein formales Auswahlkriterium: Der Abschluss bzw. die Qualifikation weist eine bestimmte fachliche Befähigung nach, die für die Tätigkeit relevant sein kann.
In der Praxis ist daher häufig ein Hybrid-Ansatz sinnvoll: Wo ein Abschluss oder Nachweis gesetzlich erforderlich ist, bleibt er unverzichtbar. Wo dies nicht der Fall ist, können Unternehmen stärker auf tatsächlich nachweisbare Kompetenzen, Berufserfahrung und praktische Fähigkeiten setzen.
Skills-Based Hiring umsetzen: Schritt für Schritt
Insbesondere für KMU, die möglicherweise nicht mit Top-Gehältern wie größere Unternehmen locken können und weniger Ressourcen für Recruiting haben, kann ein skill-basierter Ansatz das Richtige sein und eine gute Alternative darstellen, um trotzdem wettbewerbsfähig zu bleiben.
Gerade bei Positionen, die stark vom Fachkräftemangel betroffen sind, kann es sich lohnen, den Blick stärker auf die tatsächlichen Fähigkeiten von Bewerber*innen zu richten, statt sich ausschließlich an klassischen Lebenslaufkriterien zu orientieren.
Nehmen wir als Beispiel eine Position als Erzieher*in – einen Beruf, der aktuell besonders stark vom Fachkräftemangel betroffen ist. Neben den notwendigen Qualifikationen sind hier vor allem Fähigkeiten wie Empathie, Kommunikationsstärke, Verantwortungsbewusstsein und Konfliktlösung gefragt. An diesem praxisnahen Beispiel hangeln wir uns durch den Einführungspfad.
Schritt 1: Skills definieren (Skill Mapping)
Am Anfang steht ein klares Anforderungsprofil. Unternehmen sollten sich zunächst fragen: Was muss jemand für diese Tätigkeit tatsächlich können – und welche Anforderungen sind vielleicht gar nicht zwingend notwendig? Eine Skill-Matrix kann dabei helfen, die benötigten Kompetenzen strukturiert zu erfassen und zwischen Must-have-, entwickelbaren und Nice-to-have-Skills zu unterscheiden. Genau hier setzt Skills-Based Hiring an. Statt Anforderungen einfach aus bestehenden Stellenprofilen zu übernehmen, werden die für die Tätigkeit tatsächlich relevanten Hard- und Soft-Skills konkret definiert.
Dabei sollte zwischen Must-have-Skills und entwickelbaren Fähigkeiten unterschieden werden. Nicht jede Kompetenz muss bereits zum Einstieg vollständig vorhanden sein. Bestimmte Fähigkeiten können durch Schulungen, Einarbeitung oder „On the Job“ entwickelt werden. Auch formale Abschlüsse und Qualifikationen sollten nur dann als Voraussetzung festgelegt werden, wenn sie für die Tätigkeit tatsächlich erforderlich oder gesetzlich vorgeschrieben sind
Für das Beispiel einer Erzieher*innen-Stelle könnte das Anforderungsprofil etwa so aussehen:
- Must-have: pädagogisches Verständnis, Empathie, Kommunikationsfähigkeit und Verantwortungsbewusstsein
- Entwickelbar: Kenntnisse bestimmter pädagogischer Konzepte oder Dokumentationssysteme
- Nice-to-have: zusätzliche Sprachkenntnisse oder Erfahrung mit bestimmten pädagogischen Schwerpunkten
Was das in der Praxis bedeutet, zeigt ein Blick auf mögliche Quereinsteiger*innen: Eine Bewerberin hat beispielsweise mehrere Jahre als pädagogische Assistenz in einer Kita gearbeitet, aber keine klassische Erzieherinnenausbildung. Statt sie allein aufgrund des fehlenden Abschlusses auszusortieren, wird geprüft, welche relevanten Skills sie bereits mitbringt. Verfügt sie über Erfahrung im Umgang mit Kindern, kann sie Konflikte begleiten und sicher mit Eltern kommunizieren? Ist ein Einsatz ohne klassische Erzieherinnenausbildung für die konkrete Stelle rechtlich möglich, kann sie als Quereinsteigerin durchaus infrage kommen.
Wichtig ist dabei der Dialog zwischen Recruiting und Hiring Manager: Gemeinsam sollten sie festlegen, welche Skills tatsächlich entscheidend sind und welche Anforderungen lediglich aus Gewohnheit im Stellenprofil stehen. Die Skill-Landschaft sollte dabei möglichst schlank bleiben.
Schritt 2: Stellenanzeigen skill-basiert formulieren
Sind die relevanten Skills definiert, sollten sie sich auch in der Stellenanzeige wiederfinden. Statt zu fragen, „Was soll die Person mitbringen?“, sollte die Anzeige stärker darauf eingehen, was die Person können soll. Formale Abschlüsse werden nur dort genannt, wo sie für die Tätigkeit tatsächlich erforderlich sind.
Für unser Beispiel bedeutet das: Statt ausschließlich eine abgeschlossene Ausbildung zur Erzieher*in zu fordern, kann die Anzeige konkrete Fähigkeiten in den Mittelpunkt stellen. Dazu gehören etwa pädagogisches Verständnis, Empathie, Kommunikationsstärke und ein sicherer Umgang mit Kindern und Eltern. So können sich auch Quereinsteiger*innen angesprochen fühlen, die diese Skills auf anderem Weg erworben haben.
Auch KI kann dabei unterstützen: Factorial nutzt KI, um Stellenangebote zu erstellen und offene Stellen passend zu beschreiben. So können Anforderungen schneller und klarer formuliert und stärker auf die relevanten Skills ausgerichtet werden.
Mehr praktische Tipps gibt es in unserer kostenlosen Checkliste zur Personalauswahl.
Schritt 3: Kompetenzen prüfen (Assessment-Methoden)
Formale Abschlüsse sind als Auswahlkriterium vor allem deshalb beliebt, weil sie Bewerber*innen schnell vergleichbar machen. Wer auf Skills-Based Hiring setzt, muss deshalb einen anderen Weg finden, Kompetenzen zuverlässig zu beurteilen. Dafür eignen sich verschiedene Assessment-Methoden:
- Arbeitsproben: Eine typische Aufgabe zeigt, wie Bewerber*innen ihr Können praktisch einsetzen – etwa die Durchführung einer kurzen pädagogischen Aktivität im Falle der Erzierherin.
- Fallstudien: Ein konkretes Szenario zeigt, wie Kandidat*innen Probleme lösen, zum Beispiel bei einem Konflikt zwischen zwei Kindern.
- Kompetenzbasierte Interviews: Strukturierte Fragen prüfen gezielt relevante Skills – etwa: „Wie würden Sie reagieren, wenn ein Kind wiederholt andere Kinder ausschließt?“
- Rollenspiele: Simulierte Situationen machen Kommunikations- und Konfliktfähigkeit sichtbar – wie beispielsweise ein Gespräch mit einem besorgten Elternteil.
- Gamification: Spielerische Elemente können das Assessment interaktiver gestalten und dabei relevante Skills testen – z. B. eine digitale Simulation, in der Bewerber*innen auf verschiedene Situationen im Kita-Alltag reagieren und für ihre Entscheidungen direktes Feedback erhalten.
- Learning Agility: Hier wird geprüft, wie schnell Bewerber*innen Neues aufnehmen und praktisch anwenden. Bewerber*innen erhalten beispielsweise eine kurze Einführung in ein ihnen bisher unbekanntes pädagogisches Konzept und sollen anschließend zeigen, wie sie dieses in einer konkreten Situation anwenden würden.
Wichtig ist eine faire Candidate Experience: Assessments sollten zur Stelle passen, transparent erklärt werden und Bewerber*innen nicht unnötig überfordern.
Tipp: Factorial unterstützt Recruiting-Teams mit KI beim Bewerbermanagement und kann Kandidat*innen anhand relevanter Kriterien analysieren und passende Profile schneller identifizieren. Wer seinen Recruiting-Prozess insgesamt strukturieren möchte, findet im kostenlosen Recruiting Kit von Factorial außerdem Best Practices, einen Stellenanzeigen-Guide und einen Leitfaden für Vorstellungsgespräche.
Software & Plattformen für Skills-Based Hiring
Ein möglicher Nachteil von Skills-Based Hiring ist, dass die Auswahl geeigneter Bewerber*innen zunächst aufwendiger sein kann als bei einem klassischen, abschlussorientierten Recruiting. Ein formaler Abschluss bietet eine vergleichsweise einfache Vorauswahl und schafft eine gewisse Vergleichbarkeit. Beim Skills-Based Hiring müssen Unternehmen dagegen genauer erfassen und bewerten, welche Kompetenzen Bewerber*innen tatsächlich mitbringen.
Moderne HR-Software und KI-gestützte Plattformen können diesen zusätzlichen Aufwand jedoch deutlich reduzieren. Sie unterstützen Unternehmen dabei, Kompetenzen systematisch zu erfassen, Bewerber*innen anhand relevanter Skills zu vergleichen und passende Profile schneller zu identifizieren.
Welche Tools unterstützen Skills-Based Hiring?
- ATS-Software / Bewerbermanagement-Software: bündelt Bewerbungen und strukturiert den Auswahlprozess, z. B. Factorial Bewerbermanagement
- Skills-Management-Software: erfasst und strukturiert Kompetenzen von Mitarbeitenden und Bewerber*innen, z. B. Factorial Skills Management
- KI-gestütztes Matching: gleicht Stellenanforderungen mit den im Profil erfassten Kompetenzen ab und kann passende Kandidat*innen priorisieren.
- Schulungs- und Weiterbildungssoftware: hilft dabei, Kompetenzlücken zu erkennen und durch gezielte Weiterbildungen zu schließen.
Damit lässt sich Skills-Based Hiring zunehmend in einen digitalen Recruiting-Workflow integrieren – von der Definition der benötigten Kompetenzen über das Matching bis zur Weiterentwicklung von Mitarbeitenden.
Wichtig ist jedoch: KI kann den Abgleich von Skills unterstützen, aber nicht allein beurteilen, ob eine Person tatsächlich für eine Position geeignet ist. Faktoren wie Potenzial, Motivation, Teamfähigkeit oder kulturelle Passung lassen sich nur eingeschränkt automatisiert bewerten. Die letztendliche Auswahlentscheidung sollte deshalb beim Menschen bleiben.
Ausblick: Trends beim Skills-Based Hiring
Skills-Based Hiring entwickelt sich von einer reinen Rekrutierungsmethode zu einem ganzheitlichen Managementansatz. Der aktuelle OECD-Bericht betont so, dass dieser Fokus über das Recruiting hinaus die gesamte Personalstrategie – von der internen Mobilität bis zur Karriereentwicklung – prägt.
Wichtige Skills-Based-Hiring-Trends sind dabei:
- Dynamische Kompetenzprofile: Anstelle statischer Abschlüsse bilden zukünftig vor allem konkrete, entwicklungsfähige Skills das neue Fundament für Jobprofile
- Präziserer Kompetenzabgleich: Zukünftig kann es hilfreich sein, Jobanforderungen und Profile in einzelne, messbare Fähigkeiten zu zerlegen, um das tatsächliche Können passgenauer abzugleichen.
- Mehr Reskilling und Upskilling: Angesichts der hohen Volatilität von Skillsets (39 % Veränderungsrate bis 2030 laut WEF 2025) werden kontinuierliches Lernen und gezielte Weiterbildung für die Arbeitsmarktfähigkeit essenziell.
- Interne Talentmobilität: Unternehmen dürften künftig verstärkt vorhandene Kompetenzen nutzen, um Mitarbeitende gezielt auf neue interne Rollen vorzubereiten und offene Stellen passgenauer aus den eigenen Reihen zu besetzen.
- Unterstützung durch KI: Laut OECD und WEF wird Künstliche Intelligenz künftig stark dabei helfen, den Überblick über die Fähigkeiten im Betrieb zu behalten – sie scannt die Belegschaft, deckt fehlende Skills auf und schlägt passende Weiterbildungen vor
Insgesamt deutet die Entwicklung darauf hin, dass Unternehmen künftig weniger statisch auf Abschlüsse und Stellenbezeichnungen und stärker auf aktuelle, nachweisbare und weiterentwickelbare Kompetenzen schauen werden.
Factorial unterstützt diesen Weg optimal. Mit der integrierten LMS-Software lassen sich Weiterbildungen und die gezielte Skill-Entwicklung zentral digital planen und nachhalten.
Fazit: Skills-Based Hiring pragmatisch starten
Skills-Based Hiring ist mehr als eine neue Recruiting-Strategie. Der Ansatz reagiert darauf, dass sich Anforderungen und benötigte Kompetenzen immer schneller verändern und formale Bildungswege damit nicht immer Schritt halten. Entscheidend ist daher, welche Skills Bewerber*innen tatsächlich mitbringen und weiterentwickeln können.
Gleichzeitig bleibt Degree-Based Hiring dort relevant, wo gesetzliche oder sicherheitsrelevante Vorgaben bestimmte Qualifikationen voraussetzen, etwa bei Ärzt*innen. In vielen anderen Bereichen kann ein hybrider Ansatz sinnvoll sein.
Besonders für KMU ist der Umstieg eine große Chance, um den Talentpool gezielt zu erweitern. Wer den Prozess pragmatisch angehen möchte, sollte schrittweise vorgehen.
Beginnen Sie damit, die wirklich kritischen Skills für eine Position zu definieren. Passen Sie Ihre Stellenanzeigen entsprechend an und ersetzen Sie starre Zeugnischecks durch praxisnahe Assessment-Methoden. Moderne HR-Software und KI-Unterstützung – etwa durch intelligentes Matching – helfen Ihnen dabei, diesen Prozess effizient zu gestalten und die Eignung der Talente präzise zu bewerten.
Bereit für kompetenzbasiertes Recruiting? Mit Factorial lassen sich Recruiting, Talentmanagement und Weiterbildung zentral auf einer KI-gestützten Plattform abbilden.
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Häufige Fragen (FAQ) zu Skills-Based Hiring
Was ist Skills-Based Hiring?
Skills-Based Hiring ist ein Recruiting-Ansatz, bei dem die tatsächlichen Fähigkeiten, Kenntnisse und das Potenzial von Bewerber*innen stärker gewichtet werden als formale Abschlüsse. Entscheidend ist also vor allem, was jemand kann, nicht nur, welchen Abschluss die Person besitzt.
Was ist der Unterschied zwischen Skills-Based und Degree-Based Hiring?
Der wesentliche Unterschied liegt in der Auswahlgrundlage. Während Degree-Based Hiring als klassische Recruitingform auf formale Abschlüsse wie Universitätsgrade oder Ausbildungen setzt, rückt beim Skills-Based Hiring in den Hintergrund, welcher Titel auf dem Papier steht. Hier zählt stattdessen einzig, was die Person wirklich kann. Im Vergleich dazu bewertet Skills-Based Hiring nachweisbare Kompetenzen und praktische Fähigkeiten. Dadurch erweitert sich der Talentpool deutlich und es können gezielt Quereinsteiger*innen sowie Bewerber*innen mit nicht-linearen Lebensläufen berücksichtigt werden (siehe Vergleichstabelle).
Welche Vorteile hat Skills-Based Hiring?
Unternehmen erschließen sich dadurch einen deutlich größeren Talentpool, erzielen passgenauere sowie schnellere Besetzungen und profitieren gleichzeitig von weniger Bias und mehr Vielfalt im Team. Laut einer aktuellen StepStone-Studie nennen 44 Prozent der Personalverantwortlichen die Kompetenzpassung als größte Recruiting-Hürde, die durch präzises Skill-First-Screening behoben wird. Durch den Fokus auf echte Fähigkeiten statt auf formale Abschlüsse können Unternehmen den rasanten Wandel von Skillsets flexibel auffangen und ihre Wettbewerbsfähigkeit nachhaltig stärken.
Für welche Berufe eignet sich Skills-Based Hiring – und für welche nicht?
Besonders geeignet ist der Ansatz für Tätigkeiten, bei denen praktische und digitale Kompetenzen im Vordergrund stehen und kein bestimmter Abschluss vorgeschrieben ist, etwa in IT, Marketing, Data oder projektbasierten Rollen. Die Grenzen dieses Ansatzes liegen vor allem bei reglementierten oder sicherheitskritischen Berufen. Dazu zählen beispielsweise Ärzt*innen oder Anwält*innen, für die bestimmte Qualifikationen gesetzlich vorgeschrieben sind.
Wie führe ich Skills-Based Hiring im Unternehmen ein?
Der Einstieg gelingt am besten schrittweise. Starten Sie mit ausgewählten Positionen, bei denen klassische Zeugnisse wenig über die tatsächliche Eignung aussagen. Definieren Sie zunächst gemeinsam mit den Hiring Managern das genaue Skill-Profil. Passen Sie dann die Stellenanzeigen entsprechend an. Überprüfen Sie das Können der Bewerber*innen im nächsten Schritt durch praxisnahe Assessments wie Rollenspiele oder Arbeitsproben. Moderne HR- und KI-Software begleitet diesen Kreislauf von der Anforderungsanalyse bis zum passgenauen Matching optimal.
Wie teste ich die Fähigkeiten von Bewerber*innen?
Dafür eignen sich unter anderem Arbeitsproben (z. B. das Erstellen eines kurzen Textes oder Codes), Fallstudien (z. B. das Lösen eines Praxisszenarios), strukturierte kompetenzbasierte Interviews , Rollenspiele, Gamification und Assessments zur Learning Agility. Entscheidend ist, dass die Methode zu den tatsächlich benötigten Skills der Stelle passt.
Welche Software unterstützt Skills-Based Hiring?
Dafür gibt es spezialisierte HR-Lösungen wie Applicant-Tracking-Systeme (ATS) für ein strukturiertes Bewerbermanagement, Skills-Management-Software zur Erfassung von Mitarbeiterkompetenzen sowie KI-gestützte Matching-Plattformen, die Jobprofile in konkrete Fähigkeiten zerlegen und mit Kandidatenprofilen abgleichen. Factorial vereint all diese Funktionen in einer zentralen Plattform. Mit intelligentem Matching und einem integriertem LMS lassen sich Kompetenzanforderungen präzise definieren, Skill-Bedarfe analysieren und gezielte Weiterbildungen direkt steuern.



