Diversity Management: Vielfalt am Arbeitsplatz

Vielfalt ist die Normalität unserer Welt, trotzdem muss Chancengleichheit immer wieder betont werden und ist auch heute leider nicht selbstverständlich. Unser Grundgesetz setzt klar fest, dass

Niemand wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden darf. Und auch niemand aufgrund seiner Behinderung benachteiligt werden darf.
(Artikel 3, Absatz 3, Grundgesetzlich für die Bundesrepublik Deutschland)

Trotzdem findet Diskriminierung weiterhin unter anderem aufgrund von Geschlecht, Herkunft und/oder Religion statt. Selbst wenn neben dem Grundgesetz, das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) im Arbeitsrecht verankert. Diversity Management ist eine Strategie, die zunehmend in Unternehmen implementiert wird, um Vielfalt und Gleichberechtigung zu fördern. Worum es sich dabei genau handelt und welche Schritte befolgt werden sollten, um ein erfolgreiches Diversity Management zu implementieren, erklären wir im Folgenden.

Was ist Diversity Management?
Chancen und Risiken von Diversity Management
Umsetzung

Was ist Diversity Management?

Als Diversity Management kann die Vielzahl von Managementaspekten und Maßnahmen, die sich auf die Anerkennung und den Nutzen von Vielfalt in Unternehmen beziehen, definiert werden. Dabei werden sowohl soziale, ökonomischen als auch politische Faktoren (der Mitarbeiter) berücksichtigt. Diese lassen sich in zwei große Gruppen untergliedern lassen:

  1. Innere Faktoren: Geschlecht, Alter, ethnische Herkunft, Bildung, Religion, Weltanschauung, sexuelle Orientierung, Behinderung
  2. Äußere Faktoren: Einkommen, Familienstand, geografische Lage, Elternschaft, Ausbildung, Berufserfahrung, Gewohnheiten, Freizeitverhalten

Akzeptanz und gegenseitiger Respekt und letztendlich die Förderung von Chancengleichheit stehen dabei stets im Vordergrund. Diversity Management ist ein Teilbereich des Personalmanagements und setzt sich zum Ziel erfolgsrelevante Aspekte der Vielfalt in Unternehmen zu ermitteln und den Nutzen von unterschiedlichen Kompetenzen, Charakteristiken, Haltungen und kulturellen Hintergründen zu erschließen. Schließlich sollte ein Bewusstsein geschaffen werden, dass Vielfalt ein entscheidender Erfolgsfaktor jedes Unternehmens ist. Zugleich spiegelt es die moralisch-ethische Verantwortung der Organisation wieder.

Chancen und Risiken von Diversity Management

Der Schlüssel zum Erfolg ist Vielfalt – Durch das Zusammenwirken von verschiedenen Ideen, Anschauungen, Erfahrungen und Haltungen werden Unternehmen innovativer und verbessern ihre Problemlösungskompetenz. Talente in verschiedenen Lebensphasen und mit unterschiedlichen Biographien können dem Unternehmen ein Vorsprung von Wissen und Erfahrung bringen, was sich positiv auf die Konkurrenzfähigkeit auswirkt. Außerdem können Herausforderungen wie der demographische Wandel sowie Fachkräftemangel überwunden werden.

Ein weiterer großer Vorteil ist, dass sich die Möglichkeit für Unternehmen eröffnet, neue Teilmärkte und neue Kundengruppen zu erschließen, falls im Unternehmen Beschäftigte aus diesen Ländern arbeiten, welche die Sprache und Kultur der Länder kennen. Zudem fördert Diversity Management die Offenheit und Lernfähigkeit der Organisation und somit die Zukunftsfähigkeit. Das Interkulturelle Verständnis und die interkulturellen Kompetenzen der Mitarbeiter werden zudem ausgebaut. Zuletzt sei zu berücksichtigen, dass Unternehmen, die ein erfolgreiches Diversity Management implementieren, als ein attraktiver Arbeitgeber wahrgenommen werden und so Talente gewinnen und an sich binden können.

Trotz all dieser Vorteile haben laut einer Studie der Charta der Vielfalt, 2/3 der Unternehmen bislang noch keine Maßnahmen im Diversity Management umgesetzt und auch für die Zukunft planen lediglich 19% der Unternehmen konkrete Maßnahmen. Dies könnte daran liegen, dass viele Unternehmen Diversity Management einfach nicht für nötig halten oder einen Backlash-Effekt (Rückschläge) fürchten. Letzteres lässt sich anhand eines Beispiels anschaulich erklären: Man nehme an, die Manager Position eines Unternehmens sei zu besetzten, aufgrund einer bestimmten Quote, z.B. Frauenquote, wird die Position weiblich besetzt. Die ausgewählte Person wird dann oftmals als „Quotenfrau“ abgestempelt. Qualifizierte ArbeitnehmerInnen, die von ihren Kompetenzen und Leistungen überzeugt sind, meiden ein solche Art von Stigmatisierung bzw. Kategorisierung. Folglich entziehen sich diese bewusst dem diversitätsbasierten Auswahlprozess, wobei sich dies negativ auf den Rekrutierungsprozess des Unternehmens auswirken kann.

Dennoch ist es ein Fakt, dass ein Unternehmen stark davon profitieren kann, falls es sich für eine vielfältigere Belegschaft entscheidet. Es sei zu hoffen, dass auf lange Sicht, Vielfalt selbstverständlich wird und eine absolute Chancengleichheit gegeben ist.

Wie gelingt ein erfolgreiches Diversity Management?

Die Mehrheit von Unternehmen hält den Erfolg, den das Diversity Management mit sich bringt, für messbar. Sie machen diesen vor allem mithilfe von Personenbefragungen aus. Aber was macht ein erfolgreiches Diversity Management aus? Viele Unternehmen wissen nicht wie und wo sie zuerst ansetzen sollten. Im folgenden zeigen wir dir auf, welche Schritte du befolgen solltest, um ein erfolgreiches Diversity Management zu gewährleisten.

  • Ziele definieren: Zuerst sollte das Unternehmen darüber nachdenken, wie ein diverse Unternehmenskultur in ihrer Organisation aussehen könnte und wie gleichzeitig die Erreichung der Unternehmensziele unterstützt werden können.
  • Ermittle den IST-Zustand: Hier sollten Grundbedingungen und Voraussetzungen analysiert werden. Die Charta der  Vielfalt schlägt vor, dass ein Unternehmen zunächst folgende Fragen beantworten sollte.
    – Wer ist in der Firma beschäftigt und welche Qualifikationen fehlen noch, damit die Unternehmensziele erreicht werden können?
    – Welche Voraussetzungen müssen gegeben sein, damit die Belegschaft ihr Potenzial optimal entfalten kann und will?
    – Wie gut sind die Grundbedingungen schon erfüllt?
    – Was muss sich im Unternehmen ändern, damit die noch fehlenden Voraussetzungen erfüllt werden können?
  • Maßnahmen festlegen: Im nächsten Schritt sollten Maßnahmen festgelegt werden, mit denen jeder einzelne Mitarbeiter dazu beitragen kann, die festgelegten Diversity-Ziele zu erreichen. Dabei sollten zugleich ein Zeitrahmen sowie verfügbare personelle und finanzielle Ressourcen festgelegt werden. Diese Maßnahmen wären beispielsweise denkbar: Interkulturelle Workshops; Mitarbeiter-Tandems; ein Unternehmenskalender, der die Feiertage aller vertretenen Kulturen/Religionen aufnimmt; etc.
  • Maßnahmen umsetzen: Vor der praktischen Umsetzung sollten alle Teammitglieder über die Maßnahmen Bescheid wissen, so dass möglichst alle Beteiligten in den Prozess mit eingebunden werden können. Außerdem können so Unsicherheiten, Missverständnisse und Widerstände frühzeitig erkannt und abgebaut werden.
  • Erfolge messen: Ob das Diversity Management erfolgreich ist, kann man an verschiedenen Kennzahlen messen: u.a. an der Personalfluktuation, am Umsatz, am Marktanteil oder auch am Krankenstand der Mitarbeiter. Zudem können Mitarbeiterbefragungen und Diskussionsfragen herangezogen werden, um zu ermitteln ob ein Bewusstsein für Vielfalt im Unternehmen existiert.

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