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Fachkräftemangel – Ursachen, Prognosen und Lösungsmaßnahmen 

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6 Minuten Lesezeit
Fachkräftemangel

Fachkräftemangel – ein Begriff, der in aller Munde ist. Doch was genau steckt eigentlich dahinter, welche Ursachen hat er und welche Industrien sind besonders betroffen? Oder ist der Fachkräftemangel doch nur ein Mythos? 

Im folgenden Artikel erfahren Sie, wodurch der Fachkräftemangel beeinflusst wird und wie Unternehmen aktiv gegensteuern können. 

Key Facts

  1. Zu einem Fachkräftemangel kommt es, wenn die Nachfrage nach Fachkräften über einen längeren Zeitraum hinweg höher ist als das tatsächliche Angebot.
  2. Besonders die Gesundheitsbranche, das Handwerk oder auch der akademische Bereich leiden unter dem Fachkräftemangel.
  3. Unternehmen können dem Fachkräftemangel bspw. durch den Aufbau eines starken Employer Brandings entgegenwirken.

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Fachkräftemangel: Definition

Wenn eine bedeutende Anzahl von Arbeitsplätzen nicht besetzt werden kann, da das Angebot an Mitarbeiter*innen mit bestimmten Fähigkeiten nicht ausreichend ist, kann von einem Fachkräftemangel gesprochen werden. Diese Mitarbeiter*innen werden auch als Expert*innen oder Fachkräfte bezeichnet. Dieser Zustand hat für bestimmt Berufsgruppen, Branchen und Regionen schwerwiegende Auswirkungen.

Für Unternehmen wird der Fachkräftemangel zum Problem, wenn Ziele dadurch nicht erreicht werden können und die wenigen Beschäftigten in den spezifischen Industrien unter einem enormen Arbeitsdruck leiden.

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Fachkräftemangel Branchen

Qualifizierte Fachkräfte: Wer zählt dazu?

Qualifizierte Fachkräfte wurden in einem anerkannten Ausbildungsberuf (mit einer Dauer von mindestens 2 Jahren) ausgebildet und müssen eine Abschlussprüfung in diesem Beruf erfolgreich bestanden haben. Auch Absolvent*innen eines Studiums gehören zu der Gruppe der qualifizierten Fachkräfte.

Zu den Fachkräften am deutschen Arbeitsmarkt zählen ebenso die Personen, die unter das Fachkräfteinwanderungsgesetz fallen. Das sind solche, die gleichwertig zu der deutschen Berufsausbildung eine Berufsausbildung im Ausland abgeschlossen haben. Das Gesetz stellt eine der Maßnahmen dar, um qualifiziertem Fachpersonal aus Drittstaaten den Zugang zum Arbeitsmarkt in Deutschland zu erleichtern.

Aktuelle Lage: Gibt es einen Fachkräftemangel in Deutschland?

Der deutsche Arbeitsmarkt ist starken Umbrüchen unterworfen, die einen Einfluss auf verschiedene Industrien und bestimmte Stellenprofile haben. Dazu zählen sicherlich Automatisierungsprozesse, künstliche Intelligenz, Digitalisierung und die Abnahme von Beschäftigten im erwerbsfähigen Alter. 
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Messung des Fachkräftemangels: Zahlen, Daten und Meinungen

Das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz nennt vor allem MINT und den Gesundheitsbereich als Branchen, die nicht so einfach durch geeignete Fachkräfte zu besetzen sind. Das Bundesministerium nennt die sich verändernde deutsche Demographie dabei als ausschlaggebenden Faktor für dieses Problem.

Eine Studie des Instituts für deutsche Wirtschaft (IW) zeigt, dass bis 2026 über 23.000 Erzieher*innen fehlen werden. Auch Expert*innen für die Softwareentwicklung werden stark gesucht, laut IW muss der deutsche Arbeitsmarkt mit einer Fachkräftelücke von 7.000 Personen in diesem Bereich rechnen.

Auch durch die sogenannte Vakanzzeit kann der Fachkräftemangel messbar gemacht werden. Diese misst laut Statista zwischen 2022 und 2023 161 Tage. Aber was bedeutet das genau? Durch die Vakanzzeit wird die Zeit zwischen der Veröffentlichung einer Stelle und der tatsächlichen Besetzung dieser Stelle gemessen. Die Berechnung dieser ist für Unternehmen wichtig, da die lange Ausschreibung von Stellen natürlich hohe Kosten für Betriebe nach sich zieht.

Laut Arbeitsmarktexperte Simon Jäger können die Veränderungen auf dem Arbeitsmarkt allerdings nicht zwingend durch einem Fachkräftemangel erklärt werden, sondern sind auf die gesteigerte Wettbewerbsfähigkeit zurückzuführen.  

Nichtsdestotrotz wird deutlich, dass Unternehmen aus den Prognosen Maßnahmen ableiten sollten, um Stellen bestmöglichst besetzen zu können und dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken. 

Was sind die Gründe für den Fachkräftemangel?

Es gibt zahlreiche Gründe, die dafür sorgen, dass auf dem Arbeitsmarkt qualifiziertes Fachpersonal fehlt. Doch woran liegt dieser Engpass genau? 

Globaler Wettbewerb 

Die Globalisierung wird zunehmend zum Verhängnis für den deutschen Arbeitsmarkt. Denn qualifizierte Arbeitnehmer*innen können heutzutage auch leicht im Ausland arbeiten. Je mehr die Digitalisierung voranschreitet, desto einfacher wird es für Fachpersonal im Ausland beruflich Fuß zu fassen. Beispielsweise haben Mitarbeiter*innen in der IT mittlerweile die Möglichkeit weltweit in gut bezahlten Stellen zu arbeiten. 

Demographischer Wandel 

Der Grund für den Rückgang der Erwerbsbevölkerung ist die zunehmende Alterung der Gesellschaft. Die Generation, die als Babyboomer bekannt ist, stützte die Bevölkerung bisher durch ihre geburtenstarken Jahrgänge. Ab dem Jahr 2030 wird die Erwerbsbevölkerung immer weiter sinken. Auch das Rentensystem und die Gesundheitsversorgung sind unmittelbar davon betroffen. 

Digitalisierung

Die Automatisierung von Prozessen beschleunigt den Fachkräftemangel zudem. Natürlich entstehen durch die voranschreitende Digitalisierung auch neue Berufsbilder, für die sich Arbeitnehmer erst qualifizieren müssen. Doch die Automatisierung bedeuten ebenso, dass alte Stellen wegfallen und durch neue Berufsbilder ersetzt werden. 

Mangel an Auszubildenden 

Die Aufnahme von Ausbildungsberufen am deutschen Arbeitsmarkt geht derzeit stark zurück. Immer mehr Schulabsolventen wird zu einem Studium geraten, statt zu einer Ausbildung. Laut Statista sinkt die Anzahl der Azubis seit 2000 immer weiter und es ist davon auszugehen, dass sich dieser Trend auch weiter fortsetzen wird.

Während sich einige Branchen kaum vor Bewerbungen retten können, wird in der Alten- und Krankenpflege oder auch im Handwerk um jede*n Kandidat*in gekämpft.  Zudem zeigt eine Studie des OECD dass viele junge Erwachsene zwischen 18 und 24 Jahren überhaupt keiner Arbeit nachgehen. 

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Fachkräftemangel Deutschland

In welchen Berufen gibt es einen Fachkräftemangel?

Natürlich sind nicht alle Branchen und Berufszweige gleichermaßen von dem Fachkräftemangel betroffen. Vor allem durch die Corona-Pandemie herrscht ein starker Fachkräftemangel im Gesundheitssektor, spezifisch in der Alten- und Krankenpflege.

Da die deutsche Gesellschaft von einer zunehmenden Alterung der Gesellschaft betroffen ist, werden in Zukunft noch mehr Altenpfleger*innen und qualifiziertes Fachpersonal benötigt. Auch andere Fachkräfte, wie Ingenieur*innen, IT-Kräfte und Ärzt*innen werden benötigt.

Unter den Fachkräftemangel leiden ebenso folgende Branchen: 

  • Sozialbranche: Fachkräfte der Sozialarbeit und Sozialpädagogik 
  • Handwerk: Sanitär-Heizungs- und Klimatechnik,  Elektroinstallation und -montage, Zerspanungstechnik, Kunststoffverarbeitung, Rohrleitungsbau, Schweißtechnik, Maschinenbau
  • Akademischer Bereich: Medizin, Ingenieurwesen im Maschinen- und Fahrzeugbau, Elektrotechnik, IT und Softwareentwicklung und Programmierung
  • Dienstleistungen: Rechts- und Steuerberatung sowie Wirtschaftsprüfung

Best Practice: Welche Lösungen gibt es?

Laut der Deutschen Industrie- und Handelskammer erwarten 85% der deutschen Unternehmen negative Effekte aufgrund von Engpässen. Betriebe können allerdings Maßnahmen ergreifen, um die Auswirkungen des Fachkräftemangels abzuschwächen. 

Vereinbarkeit von Familie und Beruf 

Work-Life-Balance ist ein Modell, das in Unternehmen immer wichtiger wird. Dazu gehört auch die Erleichterung von Remote Work, flexiblere Arbeitszeitmöglichkeiten sowie ein besseres Angebot für die Kinderbetreuung. Besonders Alleinerziehende und Mütter sollten unterstützt werden. 

Inklusion und Diversität 

Bieten Sie nicht nur jungen Mitarbeitenden Chancen. Auch ältere Arbeitskräfte sollten gefördert werden. Diese sind oftmals hochqualifiziert und benötigen keine langen Einarbeitungszeiten.

Setzen Sie zudem auf ausländische Fachkräfte, die eine gute Ausbildung im Ausland erhalten haben. Um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken, gilt es auch bessere Angebote für Menschen mit Behinderungen zu schaffen und diese dementsprechend zu qualifizieren. 

Personalentwicklung

Investieren Sie in die Weiterbildung Ihrer Mitarbeitenden und bieten Sie verschiedene Qualifizierungsmaßnahmen an. Gehen Sie in die gezielte Ansprache von Mitarbeitenden und fragen Sie diese nach Ihren Weiterbildungswünschen.

Employer Branding stärken 

Als Unternehmen müssen Sie sich attraktiver für Bewerber*innen aufstellen. So können Sie die positiven Aspekte, wie Kinderbetreuungsmöglichkeiten, Zuschüsse für Fahrtkosten, Qualifizierungsangebote oder andere Benefits im Unternehmen über Ihre Unternehmenswebsite teilen.

Versuchen Sie zudem ein Mitarbeiter-suchen-Mitarbeiter Programm zu etablieren und Ihre Mitarbeiter*innen als Markenbotschafter für Ihr Unternehmen zu gewinnen. So können Sie beispielsweise Videos einzubinden, in denen die verschiedenen Abteilungen und typische Aufgaben vorgestellt werden. 

Recruiting erleichtern

Machen Sie es Bewerber*innen einfacher und optimieren Sie Ihre Karriereseiten und Ihre Bewerbungsprozesse. Lange Prozesse wirken auf mögliche Bewerber*innen abschreckend und sollten dementsprechend optimiert werden. Verbessern Sie zudem Ihre Social Media Ansprachen, schalten Sie Stellenanzeigen auf verschiedenen Portalen, besuchen Sie Karrieremessen und versuchen Sie in die persönliche Interaktion mit Kandidat*innen zu gehen. 

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Sprachgewandt, neugierig und kreativ verfolgt unsere Autorin Marie-Louise Messerschmidt als SEO Content Writer die neuesten HR Trends. Als Teil des Content Marketing Teams arbeitet sie seit Mitte 2022 für Factorial HR. Nach ihrem Abschluss in Betriebswirtschaftslehre an der Georg-August-Universität Göttingen und Sprachwissenschaften an der Ludwig-Maximilians-Universität München befasst sie sich bereits seit 2017 mit Themen im Personalbereich. Ihr Fokus liegt dabei besonders auf rechtlichen und strategischen Themen. Zuletzt hat sie einen Gastbeitrag zum Thema Personalverwaltung im OMT Magazin veröffentlicht.

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