Positive Leadership ist ein Führungsansatz aus der Positiven Psychologie, der auf Stärken, Potenziale und Sinnvermittlung setzt. Statt Kontrolle und Defiziten steht die Förderung im Mittelpunkt. Die Grundannahme: Eine wertschätzende Arbeitsatmosphäre und das Wohlbefinden der Beschäftigten steigern Produktivität und Mitarbeiterbindung nachhaltig. Welche Merkmale diesen Ansatz auszeichnen und welche Kompetenzen Führungskräfte dafür mitbringen sollten, erfahren Sie im folgenden Artikel.
Wichtige Fakten
- Positive Leadership ist ein Führungsansatz aus der Positiven Psychologie, der die Stärken der Beschäftigten und eine wertschätzende Arbeitsatmosphäre in den Mittelpunkt stellt. Ziel ist es, Engagement, Wohlbefinden und Leistung nachhaltig zu steigern.
- Laut dem Gallup Engagement Index Deutschland 2025 sind nur 10 % der Beschäftigten in Deutschland emotional hoch an ihr Unternehmen gebunden. Die Produktivitätsverluste durch innere Kündigung belaufen sich auf bis zu 142 Milliarden Euro jährlich. Gallup
- Positive Leadership basiert auf dem PERMA-Modell des Psychologen Martin Seligman. PERMA steht für: Positive Emotionen, Engagement, Beziehungen (Relationships), Sinn (Meaning) und Zielerreichung (Accomplishment). Das darauf aufbauende PERMA-Lead-Modell wurde von Dr. Markus Ebner für den Führungskontext entwickelt und wissenschaftlich validiert.
- Gallup-Forschung zeigt: Mindestens 70 % der Varianz im Team-Engagement lassen sich auf die Qualität der direkten Führungskraft zurückführen in der USA. Dies ist ein zentrales Argument für den Einsatz positiver Führungsansätze. Gallup
Definition: Was ist Positive Leadership?
Immer wieder weisen Studien auf die Bedeutung guter Führung in Bezug auf Produktivität, Mitarbeiterzufriedenheit und Mitarbeiterbindung hin. Dass Führung einen positiven Einfluss auf diese Faktoren hat, belegt der Gallup Engagement Index Deutschland 2026: Nur 10 % der Beschäftigten sind emotional hoch an ihr Unternehmen gebunden, während 77 % ihre Aufgaben pflichtgemäß erledigen, ohne sich darüber hinaus einzubringen. Gallup Schlechte Führung gilt dabei als einer der zentralen Gründe dieser Entwicklung und ist laut einer Studie von Xing der zweithäufigste Grund für Wechselwilligkeit im Job, gleich nach Stress.
Eine weitere Studie der Boston Consulting Group zeigt außerdem, dass sich Mitarbeitende vor allem Empathie von ihren Vorgesetzten wünschen. Gemeint sind sogenannte Herzqualitäten: Dazu gehören Zuhörfähigkeit, die Förderung eines positiven Teamgeistes und Einfühlungsvermögen.
Genau hier setzt das Konzept der Positive Leadership an.
Wichtig ist dabei, ein weit verbreitetes Missverständnis auszuräumen: Positive Leadership bedeutet nicht, Negatives auszublenden oder Probleme schönzureden. Es handelt sich vielmehr um eine lösungsorientierte Grundhaltung, die Herausforderungen konstruktiv begegnet, ohne dabei die Realität zu verklären.
Denn dieser Führungsansatz konzentriert sich darauf, das Beste aus den Beschäftigten herauszuholen. Der Fokus liegt auf Teamgeist, positiven Emotionen und einer positiven Stimmung im Team sowie auf den Stärken und Potenzialen der Mitarbeitenden.
Der Führungsansatz basiert auf der Positiven Psychologie und wurde von mehreren Forschenden auf die Unternehmensführung übertragen. Kim Cameron prägte den Begriff Positive Leadership als Organisationskulturkonzept, Fred Luthans entwickelte das Konzept des psychologischen Kapitals (Psychological Capital) und Dr. Markus Ebner, Wirtschafts- und Organisationspsychologe, entwickelte das praxisorientierte PERMA-Lead-Modell mit Zustimmung von Martin Seligman.
Die Grundannahme ist, dass positive Emotionen und eine gute Stimmung am Arbeitsplatz auch automatisch die Zufriedenheit am Arbeitsplatz steigern. Mitarbeitende würden laut diesem Ansatz dann am besten arbeiten, wenn sie sich wertgeschätzt, anerkannt, unterstützt und gefördert fühlen.
Positive Leadership und verwandte Führungsansätze
Positive Leadership weist Überschneidungen mit anderen modernen Führungskonzepten auf, insbesondere mit der transformationalen Führung, die ebenfalls auf Sinnvermittlung, Vorbildfunktion und individuelle Wertschätzung setzt. Der wesentliche Unterschied: Positive Leadership ist stärker in der Positiven Psychologie verankert und nutzt mit dem PERMA-Lead-Modell ein wissenschaftlich validiertes Messinstrument. Transformationale Führung hingegen betont stärker die charismatische Wirkung der Führungspersönlichkeit und den organisationalen Wandel.
Was sind die Merkmale von Positive Leadership und wie unterscheidet es sich von klassischer Führung?
Positive Leadership versteht sich als Alternative zu defizitorientierten Führungsstilen, die primär auf Kontrolle und Fehlerkorrektur setzen. Während klassische Führungsmodelle Schwächen in den Mittelpunkt rücken, fokussiert Positive Leadership auf Ressourcen, Stärken und Sinnvermittlung. Ziel ist es, Energie und Leistungsbereitschaft aus innerer Motivation zu erzeugen.
Die Merkmale des Positive-Leadership-Ansatzes
- Der Führungsstil konzentriert sich auf die Stärken und Potenziale der Mitarbeitenden, statt auf ihre Schwächen. Führungskräfte, die diesen Ansatz wählen, fokussieren sich darauf, wie sie diese Stärken ausbauen können. Tipp: Für diese Zwecke eignen sich verschiedene Instrumente. Das können beispielsweise Potenzialanalysen, 9-Box Grid oder auch Selbsteinschätzungsbögen in Kombination mit Feedbackgesprächen sein. Darüber hinaus liefert Ihnen die HR-Software von Factorial mit ihren Funktionen zur Analyse der Leistung Ihrer Mitarbeitenden objektive Fakten als Grundlage für weitere Maßnahmen und zur Identifizierung der Stärken und vor allem der Leistungsträger in Ihrem Unternehmen.
- Außerdem steht die Förderung positiver Emotionen im Fokus. Die Annahme ist: Wer von einer Führungskraft und einem Team umgeben ist, das sich durch Freundlichkeit und eine positive Stimmung auszeichnet, wird selbst zufrieden. Zufriedene Mitarbeitende arbeiten besser, weil sie zufrieden sind.
- Das bedeutet auch, dass der Fokus dieses Ansatzes nicht primär auf den Gewinn des Unternehmens gerichtet ist. Natürlich ist das wichtig, aber der Erfolg des Unternehmens wird hier als eine Folge hoher Mitarbeiterzufriedenheit gesehen. Es handelt sich also um einen auf Langfristigkeit ausgerichteten Ansatz.
- Die Führungskraft fungiert bei diesem Modell als positives Vorbild. Sie strahlt positive Energie aus und zeichnet sich durch Empathie und Optimismus aus. Es handelt sich nicht um eine Führungskraft, die nur die Fehler sieht und kritisiert, sondern um eine, die Lob und Anerkennung nicht spart.
Welche Eigenschaften und Kompetenzen machen einen Positive Leader aus?
Das sollten Führungskräfte für diesen Führungsstil mitbringen
Für Positive Leader ist es entscheidend, diese Grundprinzipien zu verinnerlichen und sie aufgrund ihrer persönlichen Eigenschaften authentisch umzusetzen. Es wird schwieriger, wenn Führungskräfte, die mit Empathie kämpfen, ein solches Konzept erfolgreich anwenden sollen. Zwar können durch gezielte Führungskräfteentwicklung bestimmte Kompetenzen erworben werden, doch aus einer griesgrämigen Person wird auch durch Schulungen nicht per Zauberhand ein positiver Mensch. In diesem Zusammenhang zeigt sich auch, wie wichtig es ist, wie die Unternehmensführung ihre Führungskräfte auswählt.
Die oben genannte Studie der Boston Consulting Group zeigt, wie bereits erwähnt, dass die „Herzqualitäten“ für Mitarbeitende besonders wichtig sind. Sie verdeutlicht jedoch auch, dass die Unternehmensführung selbst zu 70 Prozent vor allem nach den fachlichen Qualifikationen auswählt.
Charaktereigenschaften, Fähigkeiten und Kompetenzen, die u. a. entscheidend für Positive Leader sind:
- Optimistische Grundhaltung
- Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen
- Empathie und emotionale Intelligenz
- Kommunikationsstärke, Teamfähigkeit
- Vertrauenswürdigkeit
- Positive Vision und Sinnhaftigkeit vermitteln
- Authentizität und Integrität
- Mentoring- und Coaching-Fähigkeiten
- Gute Konflikt- und Beziehungsmanagementfähigkeiten
- Offenheit für Kreativität und Innovation
- Ergebnisorientierung statt Prozessorientierung
Die Gallup-Forschung unterstreicht die Bedeutung dieser Eigenschaften: Mindestens 70 % der Varianz im Team-Engagement lassen sich auf die Qualität der direkten Führungskraft zurückführen. Gallup Das bedeutet: Die Persönlichkeit und das Verhalten der Führungskraft sind der entscheidende Hebel, nicht Strukturen, Prozesse oder Vergütungsmodelle allein. In Unternehmen, die aktiv in Führungsqualität investieren, liegt die emotionale Bindungsquote der Beschäftigten laut Gallup bei durchschnittlich 40 %, gegenüber 10 % im deutschen Gesamtmarkt. Gallup
Mehr zum Thema Führungsqualitäten und Antworten auf die Frage „Was sind die 7 Führungsqualitäten guter Führungskräfte?“ erfahren Sie in unserem Blogartikel rund um das Thema Führungskompetenz.
Was ist das PERMA-Lead-Modell und wie wird es in der Führungspraxis eingesetzt?
Die fünf Dimensionen des PERMA-Lead-Modells im Überblick
Das PERMA-Modell wurde vom Psychologen Martin Seligman entwickelt und beschreibt fünf Bausteine des menschlichen Wohlbefindens. Dr. Markus Ebner übertrug dieses Modell mit Zustimmung Seligmans auf den Führungskontext und entwickelte daraus das PERMA-Lead-Modell, dessen Wirkungsweise wissenschaftlich bestätigt ist. Es beschreibt konkretes Führungsverhalten entlang der fünf PERMA-Dimensionen und ermöglicht eine messbare Einschätzung der Führungsqualität.
Es handelt sich dabei um ein Akronym. Die fünf Elemente des PERMA-Modells stehen für:
- Positive Emotionen
Das Erleben von Freude, Dankbarkeit, Liebe oder Hoffnung. Übertragen auf den Führungsstil bedeutet das, dass Führungskräfte eine positive Arbeitsumgebung fördern, Optimismus ausstrahlen und Wertschätzung aktiv leben.
- Engagement
Dies beschreibt die Fähigkeit, sich mit den eigenen Stärken in Aufgaben zu vertiefen und in einen „Flow-Zustand“ zu gelangen. Führungskräfte können hier gezielt ansetzen, indem sie Aufgaben so verteilen, dass sie den Stärken und Interessen der Mitarbeitenden entsprechen.
- Beziehungen (Relationships im Englischen)
Der Mensch ist ein soziales Wesen. Freundschaftliche, familiäre und kollegiale Beziehungen sind ein zentraler Bestandteil für das Wohlbefinden. Positive Leadership fördert ein respektvolles, vertrauensvolles Miteinander, in dem Teamgeist, Kollegialität und gemeinschaftliches Arbeiten wichtiger sind als Konkurrenzdenken. Maßnahmen wie Teambuilding oder offene Kommunikation unterstützen dies. Psychologische Sicherheit auf Teamebene ist in diesem Zusammenhang ein entscheidender Faktor.
- Sinn (Meaning im Englischen)
Menschen möchten das Gefühl haben, dass ihre Arbeit einen Sinn hat – sei es durch gemeinsame Werte, ein übergeordnetes Ziel oder die Bedeutung des Produkts oder der Dienstleistung. Positive Leader helfen dabei, diesen Sinn zu vermitteln und aufzuzeigen, wie jede einzelne Person zur Mission des Unternehmens beiträgt.
- Erfolg/Leistung (Accomplishment im Englischen)
Dieses Element wurde dem ursprünglichen Modell später hinzugefügt. Es beschreibt die positiven Gefühle, die entstehen, wenn man Ziele erreicht, Herausforderungen meistert oder Fortschritte erkennt. Führungskräfte können diesen Aspekt fördern, indem sie realistische Zielsetzungen, regelmäßiges Feedback und sichtbare Entwicklungsmöglichkeiten bieten.
Psychological Capital (PsyCap) als Ergänzung
Neben dem PERMA-Lead-Modell spielt das Konzept des Psychological Capital (PsyCap) eine wichtige Rolle im Positive Leadership. PsyCap beschreibt vier messbare psychologische Ressourcen, die Führungskräfte bei ihren Beschäftigten gezielt fördern können: Hoffnung (Hope), Selbstwirksamkeit (Efficacy), Resilienz (Resilience) und Optimismus (Optimism) – zusammengefasst im Akronym HERO. Die Forschung zeigt positive Zusammenhänge zwischen einem hohen PsyCap-Niveau und Engagement, Arbeitsverhalten sowie Leistung.
Wie lässt sich Positive Leadership im Unternehmen implementieren?
Positive Leadership ist ein übergreifender Führungsansatz, der auf mehreren Ebenen im Unternehmen wirkt. Das bedeutet: Er bezieht sich nicht nur auf das Verhalten einzelner Führungskräfte, sondern umfasst die gesamte Organisation – von der individuellen Ebene der Beschäftigten über die Teamebene bis hin zur Unternehmensebene.
Das zeigt sich zum Beispiel:
- in den gelebten Werten,
- in der Kommunikationskultur,
- in Arbeitszeitmodellen oder
- in der Organisationsstruktur.
Ein autoritativer Führungsstil wäre zum Beispiel kaum mit einem Managementansatz vereinbar, der auf Positive Leadership basiert. Statt Kontrolle und Hierarchie stehen Vertrauen, Beteiligung und Eigenverantwortung im Mittelpunkt.
Zudem sollten Mitarbeitende einbezogen werden, gerade bei diesem Führungsstil. Die Einbeziehung gibt ihnen ein Gefühl von Vertrauen, vermittelt Wertschätzung und fördert die Positivität.
Rahmenbedingungen, die diese Haltung unterstützen, sind ebenso essenziell – zum Beispiel durch Weiterbildungsangebote, Home-Office-Möglichkeiten, flexible Arbeitszeiten oder eine offene Feedbackkultur.
Wichtig ist auch Geduld. Eine Veränderung der Unternehmenskultur passiert nicht von heute auf morgen.
Positivität bedeutet nicht, dass alle ununterbrochen lächeln müssen. Vielmehr geht es darum, eine wertschätzende, lösungsorientierte und optimistische Grundhaltung zu fördern, auch im Umgang mit Herausforderungen. Fehler werden dabei nicht als Rückschläge betrachtet, sondern als Lernmöglichkeiten. Eine offene Fehlerkultur ist daher ein zentrales Merkmal positiv geführter Organisationen.
Positive Leadership und HR-Software: Stärken messbar machen
Die Umsetzung von Positive Leadership erfordert eine fundierte Datenbasis. Die HR-Software von Factorial unterstützt Führungskräfte dabei, die Stärken und Leistungen ihrer Beschäftigten objektiv zu erfassen – mit Funktionen zur Leistungsanalyse, zum Zielmanagement und zur Durchführung strukturierter Feedbackgespräche. So lassen sich die PERMA-Lead-Dimensionen Engagement und Accomplishment gezielt messen und fördern, statt auf subjektive Eindrücke angewiesen zu sein.
Aktuelle Einblicke in Management, Führung und Teamentwicklung 2026
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FAQ
Was bedeutet Positive Leadership?
Positive Leadership ist ein Führungsstil, der auf der positiven Psychologie basiert. Er konzentriert sich auf die Stärken der Mitarbeitenden und die Schaffung einer positiven Arbeitsatmosphäre, um das Wohlbefinden, die Motivation und letztendlich die Produktivität zu steigern.
Was sind 5 Eigenschaften einer guten Führungskraft?
Eine gute Führungskraft zeichnet sich durch Empathie, Integrität, Selbstbewusstsein, Kommunikationsstärke und eine optimistische Grundhaltung aus. Diese Qualitäten sind entscheidend, um Vertrauen aufzubauen und ein positives, produktives Arbeitsumfeld zu schaffen.
Was sind die 4 Strategien der Positive Leadership?
Die zentralen Strategien basieren auf dem PERMA-Modell und umfassen: die Förderung eines positiven Arbeitsklimas (Positive Emotionen), den Aufbau starker Beziehungen, die Stärkung des Engagements durch sinnstiftende Aufgaben und die klare Kommunikation einer gemeinsamen Vision.


