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Servant Leadership – Führung als unterstützendes Prinzip

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9 Minuten Lesezeit
Ein Mitarbeiter hält vor seinen Kollegen einen Vortrag über Servant Leadership.

In den letzten Jahren hatte die Entwicklung neuer Führungsstile Konjunktur. Klassische Führung ist zunehmend nicht mehr geeignet, adäquat auf die sich verändernde Arbeitswelt zu reagieren. 

Ein Führungsstil sollte aber vor allem zur eigenen Persönlichkeit und den eigenen Werten passen. Für Führungskräfte ist es daher unerlässlich, sich mit den verschiedenen Führungsstilen auseinanderzusetzen. Ein Führungsstil, der sich zunehmender Beliebtheit erfreut, ist Servant Leadership.

Im folgenden Blogartikel werden die Merkmale dieses Führungsstils erläutert.

Key Facts

  1. Servant Leadership bedeutet auf Deutsch so viel wie dienende Führung.
  2. Zu den Kerneigenschaften dieses Führungsstils gehören aktives Zuhören, Empathie und Aufmerksamkeit.
  3. Das Ziel ist es, durch die Förderung des Wohlbefindens der Beschäftigten eine positive Wirkung für das gesamte Unternehmen zu erzielen.

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Was ist Servant Leadership und der Service Leadership Ansatz?

Das Führungskonzept Servant Leadership wurde von dem amerikanischen Autor Robert Greenleaf in den 70er Jahren entwickelt. 

Servant Leadership bedeutet auf Deutsch „dienende Führung“. Es handelt sich um einen Führungsstil, der hauptsächlich als Dienstleistung verstanden wird, dabei sollte die Führungskraft aber natürlich trotzdem als Autorität wahrgenommen werden.

Statt sich selbst in den Mittelpunkt zu stellen, sehen Servant Leader ihre Rolle eher in einer unterstützenden Funktion, um das Wachstum und die Entwicklung der Mitarbeitenden so zu fördern. Große Unternehmen wie Starbucks, Nordstrom oder auch SAS wenden diesen Führungsstil an.

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Exkurs: Was ist Leadership?

Im Zusammenhang mit den verschiedenen neu aufkommenden Führungsstilen, wie Servant Leadership, aber auch beispielsweise Agile Leadership, wird immer häufiger der Begriff Leadership verwendet. Was bedeutet er eigentlich und was ist der Grund für seine zunehmende Popularität?

Der deutsche Führungsbegriff beinhaltet eher ein klassisches Verständnis von Führung als Management. Dieses Verständnis wird jedoch zunehmend als nicht mehr ausreichend angesehen, um den veränderten Anforderungen des Marktes und der Unternehmens- und Mitarbeiterführung gerecht zu werden.

Daher wird zunehmend der englische Begriff „Leadership” verwendet. „Leadership“ und „Führung“ werden zwar oft synonym verwendet, einen Unterschied in der Bedeutung gibt es aber doch.

Im Gegensatz zur „Führung“ ist „Leadership“ ein sehr allgemeiner Begriff, der nicht unbedingt Rückschlüsse auf die tatsächliche Position im Unternehmen zulässt. Leadership bezieht sich vielmehr auf die Fähigkeit, Mitarbeiter*innen zu inspirieren, zu motivieren und zu beeinflussen. Es geht also nicht nur um das Anweisen und Kontrollieren von Mitarbeitenden, wie der klassische oder autoritäre Führungsstil es oft erfordern. Vielmehr geht es darum, Visionen zu entwickeln und das bestmögliche Arbeitsumfeld für die Mitarbeitenden zu schaffen.

Mehrere Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen diskutieren über Servant Leadership Beispiele.

Und was ist ein Servant Leader?

„Leadership“ als Begriff geht über den Ansatz der Führung hinaus. Ebenso ist ein „Leader” mehr als nur eine Führungskraft. Natürlich überschneidet sich beides in der Realität oft und ein „Leader” ist eine tatsächliche Führungskraft. Aber auch hier liegt der Schwerpunkt weniger auf Management und Verwaltung. 

Ein Leader kann also eine Führungskraft sein. Aber nicht jede Führungskraft ist ein Leader. Die Mitarbeitenden eines Servant Leaders werden als Follower bzw. als Unterstützte betrachtet.

Servant Leadership Prinzip: Was ist das Ziel von Servant Leadership?

Mit diesem Wissen über Leadership und Leader kann nun auch Servant Leadership besser verstanden werden. Das Ziel dabei ist es, die Bedürfnisse und das Wohlbefinden der Mitarbeitenden zu fördern und sie zu unterstützen, um so letztendlich eine positive Wirkung auf die gesamte Organisation zu erzielen. Die geführten Mitarbeitenden stehen also im Mittelpunkt. 

Servant Leadership ist somit eine Technik, bei der die Zielerreichung nicht im Mittelpunkt steht. Diese ergibt sich indirekt als Folge der selbstlosen Führung. Die Idee dahinter ist, dass sich die Mitarbeitenden durch ein bestmögliches Arbeitsumfeld so wohl fühlen, dass sie auch die bestmögliche Leistung erbringen können.

Aber! Diese Form der Führung muss auch zum Charakter der Führungskraft passen. Führungskräfte müssen den Wunsch haben, andere Menschen unterstützen zu wollen.

Welche Führung wünschen sich Mitarbeitende?

Eine Studie der Boston Consulting Group (BCG) hat Beschäftigte befragt, worauf sie den größten Wert bei ihren Führungskräften legen. Mehr als ein Drittel gab an, dass die Menschlichkeit der Manager*innen am wichtigsten für sie ist. Eine weitere Studie der Personalberatung Hays fand heraus, dass über 90 Prozent der befragten Beschäftigten sich eine vertrauensvolle Beziehung zur Führungsetage wünscht.

Diese beiden gewünschten Fähigkeiten sind zentrale Eigenschaften von Servant Leadership.

Servant Leadership Eigenschaften: Tipps & Leitfaden für Arbeitgeber

Aktives Zuhören

Die Führungskräfte hören aktiv zu und geben Feedback, um sicherzustellen, dass sie die Bedürfnisse und Anliegen der Beschäftigten verstehen.

Empathie und Aufmerksamkeit

Die Manager*innen besitzen die Fähigkeit, sich in die Lage anderer hineinzuversetzen und ihre Perspektive und Gefühle zu verstehen. 

Die Realität zeigt, dass vielen Führungskräften genau diese Fähigkeit fehlt. Dieser Mangel zeigte sich besonders während der Corona-Pandemie. Im Arbeitsbarometer von Randstad gaben ein Drittel der Beschäftigten an, sich von ihrem Arbeitgeber emotional und mental nicht ausreichend unterstützt zu fühlen.

Eine Studie von Microsoft Work Reworked zeigt hingegen den positiven Einfluss von empathischen Vorgesetzten. In der Studie gaben zwei Drittel der Befragten, die eine empathische Führungskraft hatten an, mit ihrer Arbeit zufrieden zu sein. 83 Prozent sagte aus, sich gesehen und wertgeschätzt zu fühlen.

Heilung

Servant Leader sind in der Lage, negative Verhaltensweisen von Mitarbeitenden in unangenehme Situationen am Arbeitsplatz zu erkennen und zu verändern. Diese Fähigkeit haben sie z. B. durch Coaching, Einzelgespräche oder psychologische Unterstützung erlernt.

Überzeugungskraft

Servant Leader folgen ihren eigenen Werten und Überzeugungen und nutzen diese, um Mitarbeiter zu inspirieren und zu motivieren. Es geht also nicht um Zwang bei der Arbeit, sondern um Überzeugung.

Eine typische Überzeugungsstrategie ist die Ansprache. Die Verwendung eines alle einschließenden „Wir” anstelle eines distanzierten „Sie” vermittelt das Gefühl, dass alle an einem Strang ziehen.

Ein Servant Leader denkt über das Konzept nach.

Konzeptualisierung und Weitblick

Bei diesem Führungsmodell haben Führungskräfte eine Vision und eine Strategie, die sie klar kommunizieren und umsetzen wollen und zeichnet sich durch ein ganzheitliches Führungsprinzip aus. 

Servant Leader denken also über das aktuelle Tagesgeschäft hinaus. Auf diese Weise können Servant Leader ihre Mitarbeiter*innen auch in schwierigen Zeiten motivieren.

Mitarbeitende beim Wachsen unterstützen

Die Mitarbeitenden sollen in dem agilen Umfeld die Möglichkeit haben, über sich hinauszuwachsen und selbständig zu arbeiten. Dazu ist es wichtig, dass ihnen die dafür notwendigen Mittel zur Verfügung gestellt werden oder dass sie Entscheidungen selbst treffen können.

Gezielte Trainings- und Entwicklungsprogramme können ein weiteres Mittel in diesem Zusammenhang sein. So können nicht nur die Interessen des Arbeitgebers, sondern auch die der Mitarbeiter*innen mit einbezogen werden. 

Begegnung auf Augenhöhe

Das Konzept basiert auf flachen Hierarchien und hat auch nur so Erfolg. Beschäftigte und Manager*innen begegnen sich auf Augenhöhe und sollten in der Lage sein, sich ohne Vorurteile oder Bewertungen auszutauschen. 

Gemeinschaftssinn

Servant Leaders fördern eine Kultur der Zusammenarbeit und der Gemeinschaft. Der Kontakt und das Miteinander im Team soll gestärkt werden. Aufgaben können so viel besser gelöst werden und der Erfolg stellt sich automatisch ein. Diese Kultur kann bspw. durch typische Teambuilding- Maßnahmen wie Ausflüge oder auch Workshops gefördert werden.

So geht es: Servant Leadership – Beispiel

Servant Leadership arbeiten mit den Methoden der agilen Unternehmensführung. Zu diesen gehören bspw. Scrum. Dabei handelt es sich um eine Vorgehensweise, durch die Teams befähigt werden, selbstorganisiert zu arbeiten. 

Scrum ist ein Arbeitsmodell, das sich durch schlanke Arbeitsprozesse, ständige Feedbackschleifen und die schrittweise Entwicklung, die sogenannte Iteration, auszeichnet. Auf diese Weise kann auf Veränderungen und Fehler viel schneller reagiert werden.

Um den Scrum-Prozess zu gewährleisten, gibt es unterschiedliche Rollen: 

  • Product-Owner, Scrum-Master und Team bzw.
  • Product-Owner, Scrum-Master und Developer/Team.
  • Der Product Owner legt Bedingungen und Anforderungen an ein Projekt fest.
  • Das Team arbeitet an einem Projekt.
  • Der Scrum-Master nimmt eine Vermittlerrolle zwischen dem Product Owner und dem Team ein.

Servant Leadership in Scrum

Zentrales Prinzip des Scrum Masters ist eine dienende Führung.  Servant Leadership in einem Scrum-Team beinhaltet daher auch:

  • Leistungsplanung
  • Coaching
  • Hilfe bei der Selbstorganisation des Teams
  • Konfliktlösung durch Konfliktmanagement
  • Beseitigung von Hindernissen, die den Fortschritt behindern und
  • Dienst am Team.

Servant Leadership: Vor- und Nachteile

Servant Leadership Vorteile

  1. Zufriedenheit der Mitarbeitenden: Da die Mitarbeitenden und ihre Bedürfnisse in den Mittelpunkt gestellt werden, führt dieser Führungsstil zu einer höheren Mitarbeiterzufriedenheit.
  2. Bessere Leistung: Höhere Mitarbeiterzufriedenheit führt zu besserer Leistung.
  3. Geringere Fluktuation: Zufriedenere Mitarbeitende bleiben in der Regel länger bei einem Arbeitgeber. Eine geringere Fluktuation ist oft gut für Unternehmen, da sie zum einen Kosten spart und zum anderen weniger wertvolle Zeit vergeudet.

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Servant Leadership Nachteile

  1. Zeit- und Ressourcenaufwand: Diese Form der Führung ist sehr zeitaufwendig. Dies kann sich negativ auf die Betriebsabläufe und das Budget des Unternehmens auswirken.
  2. Umsetzungsschwierigkeiten: Es kann schwierig sein, Servant Leadership in einem Unternehmen umzusetzen, in dem klassische, also eher hierarchische Führungsstile vorherrschen. Insbesondere kann es zu Reibungen kommen, wenn andere Führungskräfte einen völlig anderen Führungsstil pflegen.
  3. Mögliche Missverständnisse: Der Führungsstil kann von einigen Mitarbeiter*innen als schwache Führung oder mangelndes Durchsetzungsvermögen interpretiert werden. 
  4. Keine schnellen Ergebnisse: Servant Leadership ist kein schneller Führungsansatz und es kann einige Zeit dauern, bis positive Ergebnisse sichtbar werden.

Für wen ist Servant Leadership geeignet?

Da der Führungsstil zu einem großen Teil auf der inneren Einstellung und einer bewussten Entscheidung beruht, müssen Manager*innen Führungskraft auch der entsprechende Charaktertyp für einen solchen Stil sein.

Besonders geeignet ist dieser Führungsstil in Unternehmen mit jungen Mitarbeitern. Für die jüngere Generation sind meist flache Hierarchien wichtig. Da dieser Führungsstil genau dies beinhaltet, kann dies auch das Interesse von potenziellen Bewerber*innen wecken.

Servant Leadership eignet sich sicherlich nicht für Unternehmen, in denen Präzision, Schnelligkeit und strenge Protokolle gefragt sind. Da Servant Leadership einen kompletten Kulturwandel im Unternehmen einleitet und es sich um einen langfristigen Prozess handelt, ist es nicht geeignet. Der Führungsstil passt daher eher in ein agiles, vor allem digitales Arbeitsumfeld.

Servant Leadership Buch

Um ein tieferes Verständnis für den Service Leadership Ansatz zu entwickeln, helfen sicherlich auch die unzähligen Bücher, die es mittlerweile auf dem Markt gibt. Auf Deutsch ist vermutlich das Buch „Servant Leadership: Prinzipien dienender Führung in Unternehmen“ aktuell das umfangreichste zum Thema Servant Leader. 
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Häufig gestellte Fragen und Antworten

Was ist das Ziel von Servant Leadership?

Das Ziel dabei ist es, die Bedürfnisse und das Wohlbefinden der Mitarbeitenden zu fördern und zu unterstützen, um letztendlich eine positive Wirkung auf die gesamte Organisation zu erzielen. Die geführten Mitarbeitenden stehen also im Mittelpunkt.
Servant Leadership ist somit eine Technik, bei der das Erreichen von Zielen nicht im Mittelpunkt steht. Die Zielerreichung ergibt sich indirekt als Folge dieser selbstlosen Führung. Die Idee dahinter ist, dass sich die Mitarbeitenden durch ein bestmögliches Arbeitsumfeld so wohl fühlen, dass sie auch die bestmögliche Leistung erbringen können. Aber! Diese Form der Führung muss auch zum Charakter der Führungskraft passen. Führungskräfte müssen den Wunsch haben, andere Menschen unterstützen zu wollen.

Was ist Servant Leadership?

Das Führungskonzept der Servant Leadership wurde von dem amerikanischen Autors Robert Greenleaf in den 70er Jahren entwickelt. Servant Leadership bedeutet auf Deutsch „dienende Führung“. Es handelt sich um einen Führungsstil, bei dem der Schwerpunkt als Dienstleistung verstanden wird, dabei sollte die Führungskraft aber trotzdem als Autorität wahrgenommen werden. Statt sich selbst in den Mittelpunkt zu stellen, sehen Servant Leader ihre Rolle in einer unterstützenden Funktion, um das Wachstum und die Entwicklung der Mitarbeitenden zu fördern.

Sprachgewandt, neugierig und kreativ verfolgt unsere Autorin Marie-Louise Messerschmidt als SEO Content Writer die neuesten HR Trends. Als Teil des Content Marketing Teams arbeitet sie seit Mitte 2022 für Factorial HR. Nach ihrem Abschluss in Betriebswirtschaftslehre an der Georg-August-Universität Göttingen und Sprachwissenschaften an der Ludwig-Maximilians-Universität München befasst sie sich bereits seit 2017 mit Themen im Personalbereich. Ihr Fokus liegt dabei besonders auf rechtlichen und strategischen Themen. Zuletzt hat sie einen Gastbeitrag zum Thema Personalverwaltung im OMT Magazin veröffentlicht.

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