Arbeitsunfall: Das müssen Sie im Fall der Fälle beachten

Ein Arbeitsunfall ist schnell passiert. Trotz gesetzlich vorgeschriebener betrieblicher Sicherheitsmaßnahmen sind Arbeitsunfälle nicht ganz unvermeidbar. Ob ein Mitarbeiter beim Heben schwerer Gegenstände einen Hexenschuss erleidet oder im Büro über eine Tasche stolpert und sich einen Arm bricht – das Risiko eines Arbeitsunfalls besteht überall und jederzeit. Für die Personalabteilung eines Unternehmens ist es daher wichtig zu wissen, wie sie reagieren muss. Denn nur wer richtig handelt, kann sich weitere Unannehmlichkeiten, Streitigkeiten und gegebenenfalls sogar eine Einigung vor Gericht sparen.

Damit dies nicht passiert, haben wir das Thema Arbeitsunfall ausführlich behandelt. Alles Rund um Meldepflichten, Berufsgenossenschaft, Unfallversicherung, Lohnfortzahlung und das richtige Verhalten von Arbeitgebern und Arbeitnehmern lesen Sie in diesem Artikel.

Arbeitsunfall: Definition

Die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV) definiert einen Arbeitsunfall wie folgt: “Arbeitsunfälle sind die Unfälle, die versicherte Personen infolge der versicherten Tätigkeit erleiden.”

Der Schutz der Unfallversicherung, der bei einem Arbeitsunfall greift, bezieht sich auf folgende Personengruppen während diese ihre Tätigkeit ausüben:

  • Mitarbeiter und Auszubildende eines Unternehmens
  • Schüler und Kindergartenkinder
  • Studierende
  • Ehrenamtlich tätige Personen
  • Pflegende Angehörige
  • Entwick­lungs­helfer
  • Ersthelfer bei Unglücks­fällen

Selbst­ständige sind nicht unfallversichert, können aber Mitglied einer Berufs­genossenschaft werden und freiwillig eine Unfall­versicherung abschließen.

Auch Beamte bilden eine Ausnahme. Für sie gelten die Regelungen der beamtenrechtlichen Unfallfürsorge.

In der gesetzlichen Definition eines Arbeitsunfalls heißt es außerdem: “Ein Unfallereignis ist ein zeitlich begrenztes, von außen auf den Körper einwirkendes Ereignis, das zu einem Gesundheitsschaden führt.”. Nicht als Arbeitsunfall gelten demnach zufällige Ereignisse, wie plötzliches Nasenbluten oder ein Herzinfarkt, den ein Mitarbeiter an seinem Schreibtisch erleidet.

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Arbeitsunfall: ja oder nein?

Unfall auf dem Arbeitsweg: ✔️ Ja, sofern kein Zwischenstopp, wie der Weg zum Supermarkt, dazwischen liegt.

Unfall bei Fortbildung: ✔️ Ja

Unfall während der Pause: ❌ Nein, auch dann nicht, wenn der Arbeitnehmer einen Unfall in der Kantine hat.

Unfall im Home-Office: ✔️ Ja. Allerdings zählen dazu nur Unfälle, die am Schreibtisch beziehungsweise im Arbeitszimmer passieren. ❌ Wer sich in der Küche beim Zubereiten von Essen in die Hand schneidet, ist nicht über seinen Arbeitgeber unfallversichert.

Wer zahlt bei einem Arbeitsunfall? 

Der Begriff “Arbeitsunfall” bezieht sich nicht nur auf Unfälle, die Arbeitnehmer während der Ausübung ihrer beruflichen Tätigkeit erleiden. Auch Wegeunfälle, also Unfälle auf dem Arbeitsweg, fallen unter den Versicherungsschutz der Unfallversicherung.

Ob ein Unfall jedoch als Betriebsunfall anerkannt wird oder nicht, entscheidet sich im Einzelfall. Wird ein Unfall als Arbeitsunfall anerkannt, übernimmt die gesetzliche Unfallversicherung die Kosten für die medizinische Behandlung und weitere durch den Arbeitsunfall entstandene Kosten für gesundheitliche Maßnahmen. Darunter fällt das Verletztengeld während einer längeren Arbeitsunfähigkeit, Umschulungs- und Wiedereingliederungsmaßnahmen, gegebenenfalls eine behindertengerechte Umgestaltung des Arbeitsplatzes, Umbau der Wohnung, Unfallrente und sogar eine Hinterbliebenenrente, wenn der Arbeitsunfall tödliche Folgen hat.

Die gesetzliche Unfallversicherung muss alle geeigneten Mittel für die Genesung und Wiedereingliederung des verunglückten Mitarbeiters einsetzen. Aus diesem Grund ist die Behandlung durch den Durchgangsarzt oft effektiver und das Leistungsspektrum der Berufsgenossenschaft besser als die allgemeine medizinische Versorgung.

Die Unfallversicherung kann die Übernahme der Kosten aber auch ablehnen. Nämlich dann, wenn der Arbeitsunfall nicht als solcher anerkannt wird. In diesem Fall informiert der Unfallversicherungsträger die Krankenkasse des Versicherten über die Nichtanerkennung. Die Krankenkasse übernimmt dann im Regelfall die weitere ärztliche Behandlung.

Wer zahlt die Beiträge in die Unfallversicherung?

Arbeitgeber sind zwangsläufig Mitglied der DGUV und zahlen die Beiträge. Als Arbeitnehmer zahlen Sie nichts. Je nach Industriezweig unterscheidet sich die Höhe der Beiträge.

Die Rolle der Berufsgenossenschaft

Über die Anerkennung oder Nichtanerkennung des Unfalls als Arbeitsunfall entscheiden in der Regel die Berufsgenossenschaften und Unfallkassen. Man unterscheidet dabei zwischen:

  • Gewerblichen Berufsgenossenschaften: Diese sind zuständig für Arbeitnehmer in privaten Wirtschaftsunternehmen.
  • Landwirtschaftlichen Berufsgenossenschaften: Sie gelten für Beschäftigte in land- und forstwirtschaftlichen Betrieben und schließt mitarbeitende Familienangehörige ein.
  • Unfallkassen: Dies sind die regional aufgeteilten Unfallversicherungsträger für die Angestellten des öffentlichen Dienstes und Kindergartenkinder, Schüler und Studenten.

Arbeitsunfall melden: Besteht eine Meldepflicht?

Passiert ein Arbeitsunfall, muss der Arbeitnehmer zunächst direkt zu einem Durchgangsarzt gehen. Durchgangsärzte sind Fachärzte für Unfallchirurgie oder Orthopädie, die von den Landesverbänden der DGUV eine besondere Zulassung erhalten haben. Sie sind also zuständig für die Behandlung nach Arbeits- und Wegeunfällen.

Auch der Arbeitgeber muss umgehend informiert werden. Denn dieser muss den Arbeitsunfall dokumentieren. Bei einer Arbeitsunfähigkeit von mehr als drei Tagen muss der Arbeitgeber außerdem die zuständige Berufsgenossenschaft darüber in Kenntnis setzen.

Lohnfortzahlung bei einem Arbeitsunfall

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In jedem Fall ist der Arbeitgeber dazu verpflichtet, dem verletzten oder erkrankten Mitarbeiter bis zu sechs Wochen sein volles reguläres Gehalt zu zahlen. Einzige Voraussetzung für die vollständige Lohnfortzahlung ist die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung und, dass der Mitarbeiter mindestens seit vier Wochen im Unternehmen beschäftigt ist.

Für Fehltage, die über diese sechs Wochen hinausgehen, erhält der Arbeitnehmer ein Verletztengeld als Lohnersatzleistung vom zuständigen Versicherungsträger. Dieses beträgt 80 % des Regelgehalts. Handelt es sich nicht um einen Arbeitsunfall, übernimmt die Krankenkasse das Krankengeld. Allerdings beträgt das Krankengeld dann nur 70 % des regulären Gehalts.

Erleidet ein Kind unter zwölf Jahren einen Unfall in Kindergarten, Schule, auf Klassenfahrt oder auf dem Schulweg, muss es gepflegt und betreut werden. Hierzu kann sich ein Elternteil freistellen lassen. Als pflegender Angehöriger erhält das Elternteil Verletztengeld fürs Kind. Auch hier braucht man eine ärztliche Bescheinigung zur Pflegebedürftigkeit des Kindes.

Arbeitsunfall: Droht eine Kündigung?

Kann nach einem Arbeitsunfall und längerem Ausfall eines Beschäftigten die Kündigung drohen? Viele Arbeitnehmer befürchten das, da Sie nach einem längeren Ausfall unter Umständen auch ihrer Tätigkeit nicht mehr wie gewohnt nachgehen können. Unmöglich ist das nicht. Der Arbeitgeber kann das Beschäftigungsverhältnis nach dem Arbeitsunfall unter Angabe von konkreten Gründen beenden. Zu solchen Gründen zählen beispielsweise ein langer Arbeitsausfall und damit einhergehende Verluste. Gegen die Kündigung kann der Arbeitnehmer jedoch gerichtlich vorgehen.

Wie sollten sich Arbeitgeber verhalten?

Wie oben bereits angesprochen, muss der Arbeitgeber den Arbeitsunfall umgehende der Berufsgenossenschaft und der Unfallversicherung oder der Unfallkasse melden, wenn der Beschäftigte länger als drei Tage arbeitsunfähig ist. Dafür haben bestimmte Personen im Unternehmen, meist aus der Personalabteilung, eine Vollmacht.

Die Meldung des Unfalls erfolgt meist telefonisch oder über ein Online-Formular. Anschließend prüft der zuständige Träger, ob es sich tatsächlich um einen Arbeitsunfall handelt und entsprechende Leistungen übernommen werden oder nicht.

Verlangt der verunfallte Mitarbeiter eine Kopie der Unfallanzeige, so ist der Arbeitgeber dazu verpflichtet, diese auszuhändigen.

✔️ Arbeitsunfall: Checkliste für Arbeitgeber

  1. Rufen Sie den Rettungsdienst oder den Notarzt und leisten Sie erste Hilfe. Verunglückt ein Mitarbeiter tödlich, muss selbstverständlich auch die Polizei benachrichtigt werden.
  2. Melden Sie den Unfall innerhalb von drei Tagen der zuständigen Berufsgenossenschaft bei einer voraussichtlichen Arbeitsunfähigkeit von mehr als drei Kalendertagen. Bei schweren Arbeitsunfällen müssen Arbeitgeber auch die Gewerbeaufsicht oder die zuständige Aufsichtsbehörde verständigen.
  3. Tragen Sie davon getragene leichte Verletzungen ins Verbandbuch ein. Das ist wichtig für eventuelle spätere Unfallfolgen.
  4. Erstellen Sie eine Unfallanzeige für den Unfallversicherungsträger, die Berufsgenossenschaft, den Betriebsrat, die Dokumentation im eigenen Unternehmen, den Betriebsarzt, die Fachkraft für Arbeitssicherheit und für den verunglückten Mitarbeiter (falls dieser eine Kopie verlangt). Musterformulare gibt es bei der DGUV oder auf der Homepage Ihrer Berufsgenossenschaft.
  5. Schalten Sie den Durchgangsarzt ein.
  6. Lassen Sie eventuelle psychische Folgen beim betroffenen Mitarbeiter und Kollegen abklären.
  7. Stellen Sie den Antrag auf Rehabilitationsleistungen.
  8. Untersuchen Sie die Ursachen des Unfalls und überprüfen Sie die Schutzmaßnahmen.

Verwalten Sie alle Abwesenheiten in Ihrem Unternehmen mit Factorial.

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