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Fahrtkostenzuschuss

Fahrtkostenzuschuss 2022: Das müssen Arbeitgeber wissen

Nicht alle Angestellten haben das Glück, in der Nähe der Arbeitsstätte zu wohnen. Lange Arbeitswege und dementsprechend hohe Fahrtkosten sind keine Seltenheit. Der Lieblingsradiosender oder die eigene mit Hits gespickte Playlist können zwar für Unterhaltung während der Fahrt sorgen – die anfallenden Kosten bleiben trotzdem nervig.

Aber: Wer Glück hat, den entschädigt der Arbeitgeber mit einem Fahrtkostenzuschuss. In diesem Artikel erfahren Sie, worum es sich bei einem Fahrtkostenzuschuss genau handelt und welche Regelungen gelten.

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Was ist ein Fahrtkostenzuschuss?

Bei einem Fahrtkostenzuschuss handelt es sich, wie der Name schon sagt, um einen Zuschuss von Arbeitgeberseite zu den Fahrtkosten, die der Arbeitnehmer für die Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte auf sich nimmt. Es geht dabei also um eine Entschädigung für den finanziellen Mehraufwand.

Ob ein Angestellter diesen Fahrtkostenzuschuss erhält, das entscheidet der Arbeitgeber. Denn: Dieser Zuschuss ist eine freiwillige Leistung. Das Unternehmen ist also wie bei anderen geldwerten Vorteilen auch nicht dazu verpflichtet, einen Fahrtkostenzuschuss anzubieten. Nichtsdestotrotz ist er ein gern gesehenes Extra, das viele Mitarbeiter zu schätzen wissen.

Letztendlich profitieren Arbeitgeber und Arbeitnehmer von der zusätzlichen Leistung. Denn: Arbeitgeber tun etwas für ihre Mitarbeiter, was letztendlich die Mitarbeiterzufriedenheit und Motivation steigert.

Fahrtkostenzuschuss vs. Pendlerpauschale

Geht der Fahrtkostenzuschuss also mit der Pendlerpauschale einher? Was ist der Unterschied?

Während der Fahrtkostenzuschuss eine freiwillige Zusatzleistung des Arbeitgebers ist, handelt es sich bei der Pendlerpauschale um ein Angebot des Staates.

Dabei kann der Arbeitnehmer am Jahresende eine Pendlerpauschale als Werbungskosten in seiner Steuererklärung absetzen. Bei der Pendlerpauschale erhält der Mitarbeitende also kein zusätzliches Geld. Der Vorteil hierbei liegt darin, dass sich das zu versteuernde Bruttoentgelt reduziert.

Fahrtkostenzuschuss Vorteile

Vorteile für den Arbeitgeber

  • Gehaltserhöhung mal anders: Der Arbeitgeber bietet durch den finanziellen Zuschuss zu den Fahrtkosten quasi eine Gehaltserhöhung an. Besonders für Minijobber, die nicht mehr als 450 Euro monatlich verdienen dürfen, ist das ein gute Möglichkeit, das Entgelt zu erhöhen.
  • Steuervorteil: Beim Fahrtkostenzuschuss wird nur ein verhältnismäßig geringer Steuersatz fällig.
  • Gesteigerte Mitarbeitermotivation: Heutzutage in Zeiten des War for Talent ist es wichtiger denn je, Mitarbeitenden Zusatzleistungen anzubieten. Das sorgt für mehr Zufriedenheit, ein verbessertes Verhältnis zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer, und letztendlich auch für mehr Motivation.

Vorteile für den Arbeitnehmer

  • Neue Perspektive für Gehaltsverhandlung: Ein Fahrtkostenzuschuss bedeutet indirekt auch immer eine Gehaltserhöhung für den Arbeitnehmer. Solche Zusatzleistungen in einer Gehaltsverhandlung anzusprechen, kann dem Mitarbeitenden zugutekommen.
  • Steuern? Nein danke: Für den Arbeitnehmer ist der Fahrtkostenzuschuss steuerfrei. Der Arbeitgeber übernimmt die Steuern in diesem Fall.

Fahrtkostenzuschuss und Steuern

Wir wissen jetzt, was ein Fahrtkostenzuschuss ist. Doch wie wird er versteuert?

Hinsichtlich der Steuern gibt es zwei Möglichkeiten:

  1. Pauschalversteuerung 15 % zzgl. Solizuschlag und Kirchensteuer
  2. Versteuerung gemäß der Einkommensklasse des Mitarbeiters

👉 Übrigens: Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich um einen Fahrtkostenzuschuss handelt, den der Arbeitnehmer direkt mit seiner Lohn- und Gehaltsabrechnung erhält, oder ob es sich um einen Zuschuss für ein Jobticket für die öffentlichen Verkehrsmittel handelt. Beide Optionen sind möglich.

Der Arbeitgeber zahlt die Steuern.

Wann wird pauschal versteuert?

Der Fahrtkostenzuschuss wird pauschal versteuert, wenn:

  • …sich der Zuschuss innerhalb der jährlichen Werbungskostenabzugs bewegt.
  • …es sich um eine zusätzliche Arbeitgeberleistung handelt.
  • …kein Teil des Arbeitsentgelts in einen Fahrtkostenzuschuss “umgewandelt” wurde.
  • …der Fahrtkostenzuschuss die Grenze von 4.500 Euro jährlich nicht überschreitet. Handelt es sich um ein gesponsertes Ticket für die öffentlichen Verkehrsmittel, dann ist die Sachbezugsfreigrenze von 44 Euro pro Monat zu beachten. Gleiches gilt für Tankgutscheine.

Wann ist der Fahrtkostenzuschuss steuerfrei?

Gibt es auch Ausnahmen, wann der Fahrtkostenzuschuss steuerfrei ist? Ja, allerdings nur bei den folgenden zwei Ausnahmen.

  1. Doppelte Haushaltsführung: Die erste Möglichkeit, wann keine Steuern anfallen, ist bei der doppelten Haushaltsführung. Sprich, wenn Mitarbeiter beruflich außerhalb seiner ersten Tätigkeitsstätte einen weiteren zweiten Hausstand unterhält, s. § 9 Abs. 1 Satz 3 Nr. 5 EStG.
  2. Auszubildende: Eine weitere Ausnahme ist die Gruppe der Azubis. Erhalten sie einen finanziellen Zuschuss für die Fahrten zwischen Wohnung und Berufsschule, werden ebenfalls keine Steuern fällig.

Fahrtkostenzuschuss Arbeitgeber 2022

Fahrtkostenzuschuss berechnen: So geht’s

Fahrtkostenzuschuss Deutschland

Die Entscheidung ist gefallen. Der Arbeitgeber zahlt einen Fahrtkostenzuschuss. Aber wie hoch ist dieser genau?

Unternehmen können ihren Arbeitnehmern für die Entfernung zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte 30 Cent pro Kilometer und Arbeitstag zurückerstatten. Dabei wird immer die einfache und kürzeste Strecke berücksichtigt.

Von diesem Betrag werden pauschal 15 Prozent Lohnsteuer abgeführt. Sozialabgaben fallen weg.

Beispiel Berechnung

Der Mitarbeiter Fred Becker arbeitet in Nürnberg und fährt werktags, Montag bis Freitag mit dem Auto ins Büro. Eine Fahrt entspricht 45 Kilometern (einfache Fahrt). Wie oben aufgeführt erhält Herr Becker also für jeden gefahrenen Kilometer 30 Cent.

Bei der Berechnung orientieren wir uns an der Standardformel:

Fahrtkostenzuschuss = Monatliche Arbeitstage x Kilometer (einfache Fahrt) x 0,30 Euro

Also: 20 Arbeitstage x 45 Kilometer x 0,30 Euro = 270 Euro

Herr Becker erhält in seinem Fall also einen Zuschuss von 270 Euro monatlich. Auf diesen Betrag fallen 15 % Pauschalversteuerung (Lohnsteuer) an. Weitere zu berücksichtigende Lohnsteuerabzüge sind:

  • 5,5 % Solidaritätszuschlag
  • 8 % Kirchensteuer (in Bayern und Baden-Württemberg) / 9 % in den restlichen Bundesländern (sofern der Arbeitnehmer der Kirche angehört)

Das bedeutet für Herrn Becker:

  • 15 % Pauschalversteuerung: 40,50 Euro
  • 5,5, % Soli Zuschlag: 14,85 Euro
  • 8 % Kirchensteuer (Bayern): 21,60 Euro

Insgesamt fallen für Herrn Becker 76,95 Euro Lohnsteuer an. Dieser Betrag wird – wie bereits erwähnt – vom Arbeitgeber getragen.

👉 Wichtig: Für die Berechnung ist es nicht von Bedeutung, ob mautpflichtige Straßen oder Tunnel auf dem Arbeitsweg liegen. Selbst, wenn der Mitarbeiter aufgrund der Mautpflicht eine längere Umleitung wählt um diese zu umfahren, wird der Fahrtkostenzuschuss basierend auf der kürzesten Strecke berechnet.

Fahrtkostenzuschuss Österreich

Wie sieht die Berechnung in Österreich aus?

Der Arbeitsweg wird mit öffentlichen Verkehrsmitteln absolviert: In diesem Fall ist es so, dass sich der Arbeitgeber den Preis des Tickets für ein Jahr anschaut. Dieser Jahrespreis wird durch 12 geteilt, um den monatlichen Fahrtkostenzuschuss zu ermitteln.

Aufgepasst: Sollte der Arbeitnehmer mit einem anderen Verkehrsmittel zur Arbeit fahren, dann wird trotzdem maximal der Betrag erstattet, der bei dem Arbeitsweg mit den öffentlichen Verkehrsmitteln angefallen wäre – auch, wenn der Mitarbeiter mit dem Auto kommt.

In seltenen Ausnahmen kann Anspruch auf ein pauschales Kilometergeld bestehen. Die Kilometerpauschale für Pkws in Österreich beträgt 42 Cent (Stand 2021). Etwas höher also in Deutschland also.

Kilometerpauschale Deutschland 30 Cent pro Kilometer
Kilometerpauschale Österreich 42 Cent pro Kilometer

Fahrtkostenzuschuss Minijob

Eine attraktive Möglichkeit, zusätzlich Geld zu verdienen – und das ohne Steuern zu zahlen. Das sind die Vorteile des Minijobs.

Obwohl die Zahl der Minijobber aufgrund der Corona Pandemie zurückgegangen ist, arbeiteten 2020 nach wie vor und 6 Millionen Deutsche als Minijobber (Quelle: Statista, 2020).

Der Nachteil dieser Beschäftigungsart: Ein Minijobber darf nicht mehr als 450 Euro monatlich verdienen. Wird diese Grenze überschritten, dann müssen Steuern gezahlt werden.

Wie kann ich als Arbeitgeber also mehr Geld anbieten, ohne diese Verdienstgrenze zu überschreiten?

Die Antwort: Zusätzliche Leistungen wie Gutscheine für Essen, Zuschuss für Fitnesskurse, oder eben auch einen Fahrtkostenzuschuss. All diese Zusatzleistungen sind für Minijobber steuerfrei und werden nicht auf den 450 Euro Basislohn draufgerechnet.

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Schreibtalent, HR-Fan und Trend-Spürnase - das ist unsere Autorin Nicole Steffgen. Sie ist Teil des Content Marketing Teams bei Factorial. Ihr Fokus liegt dabei auf dem DACH Markt. Nicole hat einen Abschluss in "International Communication" (B.A.) sowie in "Communications & Future Marketing" (M.A.) und ist Expertin im Bereich Online Content. Ihre Spezialgebiete: Blogposts und Social Media. Die gebürtige Deutsche bringt dabei viel internationale Erfahrung mit: Deutschland, Österreich, Niederlande, Luxemburg, Spanien, Mexiko - in all diesen Ländern hat sie bereits gelebt. Was ihren Content außerdem so besonders macht? Ihre Leidenschaft für HR und ihr Fokus auf den Menschen einer Organisation.

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