So berechnen Sie die Lohnnebenkosten für Arbeitgeber

Die Lohnnebenkosten machen etwa 21 Prozent des Bruttogehalts aus und setzen sich aus verschiedenen Abgaben zusammen. Für viele sind sie eine unübersichtliche Aufzählung an Beiträgen und komplizierte Berechnungen. Mit dieser Sicht lassen Sie sich jedoch die Chance entgehen, die Lohnnebenkosten zu senken. Indem Sie positiv an das Buchhaltungsthema herangehen, können Sie sich einen Überblick über die Abgaben zu verschaffen.

In diesem Artikel beschäftigen wir uns damit, welche Lohnnebenkosten der Arbeitgeber zu leisten hat, wie sie berechnet werden und wie Sie sie sogar reduzieren können.

Definition: Was sind Lohnnebenkosten?

Lohnnebenkosten fallen durch die Gehaltszahlungen an den Arbeitnehmer an. Sie bestehen hauptsächlich aus den Sozialversicherungsbeiträgen. Darunter fallen die Renten-, Kranken- und Arbeitslosenversicherung. Diese Kosten können Sie als Arbeitgeber in Ihrer Steuererklärung absetzen. Die Lohnnebenkosten sind in der Gehaltsabrechnung des Arbeitnehmers nicht aufgeführt. Stattdessen zeichnet der Arbeitgeber diese in der internen Buchhaltung auf.

Während das Gehalt oder der Lohn als direkte Arbeitskosten bezeichnet werden, handelt es sich bei den Lohnnebenkosten um sogenannte indirekte Arbeitskosten. Darunter fallen Ausgaben, die für den Arbeitgeber zusätzlich zum Bruttogehalt für den Arbeitnehmer anfallen.

Die Lohnnebenkosten für Arbeitgeber betragen momentan knapp 21 Prozent des Bruttogehalts. Ein Beschäftigter kostet also mehr als man auf den ersten Blick sieht. Die gesamten Kosten nennt man Arbeitgeberbrutto. Um die genauen Personalkosten berechnen zu können, sollten Personaler die aktuellen Beitragssätze kennen.

Lohnnebenkosten für Arbeitgeber 2018, 2019 und 2020

Der Gesetzgeber legt die gesetzlichen, also die fixen, Sozialbeiträge jährlich neu fest. So haben sich die Lohnnebenkosten für Arbeitgeber seit 2018 verändert:

Lohnnebenkosten 2018 2019 2020
Krankenversicherung 7,3 %
Rentenversicherung Allgemein: 9,30 %
Knappschaft: 15,40 %
Pflegeversicherung 1,275 % zzgl. 0,25 % Zuschlag für Kinderlose ab 23 Jahren

Ausnahme Sachsen: 0,775 %

1,525 % außer Sachsen: 1,025 %
Arbeitslosenversicherung 1,5 % (außer Studierende, Minijobber, Soldaten und Beamte) 1,25 % 1,2 %
Unfallversicherung Verschiedene Beitragssätze je nach Berufsgenossenschaft
Umlage (U1) Verschiedene Beitragssätze je nach Krankenkasse
Umlage (U2) Verschiedene Beitragssätze je nach Krankenkasse
Umlage (U3) 0,06 %

Welche Lohnnebenkosten hat der Arbeitgeber zu zahlen?

Gesetzliche Lohnnebenkosten für Arbeitgeber

Für jeden Beschäftigten fallen Sozialversicherungsbeiträge an, die durchschnittlich circa 21 Prozent des Bruttogehalts ausmachen. Für einen Teil der SV-Beiträge kommt der Arbeitnehmer auf, für den anderen der Arbeitgeber. Der Arbeitgeber übernimmt bei fast allen Abgaben die Hälfte der fälligen Kosten. Eine Ausnahme bildet die Unfallversicherung: hier übernimmt der Arbeitgeber die Beiträge vollständig.

Die Beiträge werden direkt vom Arbeitgeber an die Versicherungsträger überwiesen, auch die der Arbeitnehmer. Diese werden dazu direkt vom Bruttogehalt abgezogen und einbehalten. Sie sind in der monatlichen Gehaltsabrechnung aufgelistet.

Die Lohnnebenkosten setzen sich folgendermaßen zusammen:

  1. Arbeitgeberbeiträge zur Sozialversicherung: Kranken-, Renten- und Arbeitslosenversicherung sowie die Pflege- und Unfallversicherung.
  2. Kosten für berufsbedingte Aus- und Weiterbildung
  3. Sonstiger Kostenaufwand: Berufsbekleidung, Anwerbungskosten, Umzugskosten, Kosten für Fort- und Weiterbildungen
  4. Steuern auf Lohnsumme beziehungsweise die Angestelltenzahl

Bei den Sozialversicherungsbeiträgen handelt es sich um Kosten, die monatlich anfallen. Die weiteren Lohnnebenkosten für berufsbedingte Aus- und Weiterbildung, sonstigen Kostenaufwand und Steuern auf die Lohnsumme sind keine monatlichen Fixkosten und können wegfallen.

Beitragsbemessungsgrenzen der Sozialversicherungsabgaben

Die Beitragsbemessungsgrenzen deckeln den Arbeitgeberanteil bei den Lohnnebenkosten. Sie legen also fest, bis zu welcher Einkommenshöhe Sozialversicherungsbeiträge gezahlt werden müssen. Für den Teil des Bruttolohns, der über dieser Grenze liegt, muss der Arbeitgeber also keine Sozialversicherungsbeiträge zahlen. Das soll sicherstellen, dass Mitarbeiter auch in gut bezahlten Positionen für Arbeitgeber attraktiv bleiben.

Die Beitragsbemessungsgrenzen sind in den alten und neuen Bundesländern unterschiedlich hoch und werden jedes Jahr angepasst. Und auch zwischen der gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung und der Renten- und Arbeitslosenversicherung gibt es Unterschiede in den Grenzwerten:

  • Gesetzliche Kranken- und Pflegeversicherung: 56.250 Euro im Jahr
  • Gesetzliche Renten- und Arbeitslosenversicherung: 82.800 Euro im Jahr (alte Bundesländer) beziehungsweise 77.400 Euro im Jahr (neue Bundesländer)

Lohnnebenkostenberechnung am Beispiel

  • Um die Lohnnebenkosten korrekt berechnen zu können, benötigen Sie folgende Daten:
  • das Bruttogehalt des Beschäftigten
  • die Lohnsteuerklasse des Beschäftigten
  • das Bundesland
  • Die Kirchensteuerpflicht des Beschäftigten
  • Ob der Beschäftigte Kinderfreibeträge geltend machen kann

Wir berechnen die Lohnnebenkosten anhand eines Beispiels:

Eine Mitarbeiterin hat ein Bruttogehalt von 2900 Euro am Standort Düsseldorf. Die Mitarbeiterin ist 29 Jahre alt, ledig und kinderlos. Sie ist gesetzlich bei der Krankenkasse X versichert. Die Umlagesätze betragen 1,9 Prozent für Umlage U1 und 0,49 Prozent für die Umlage U2.

Daraus lassen sich die Lohnnebenkosten wie folgt berechnen.

Lohnnebenkosten
(Bruttogehalt 2900 Euro, Steuerklasse I)
Arbeitgeberbeiträge
Krankenversicherung (7,3 %) 211,70 Euro
Pflegeversicherung 44,25 Euro
Rentenversicherung 269,70 Euro
Arbeitslosenversicherung 34,80 Euro
Umlage U1 1,9 % 55,10 Euro
Umlage U2 0,49 % 14,21 Euro
Insolvenzgeldumlage (U3) 1,74 Euro
Summe 631,50 Euro

Sie zahlen also monatlich 631,50 Euro an Lohnnebenkosten.

Berechnung des Arbeitgeberbruttos

Um das Arbeitgeberbrutto zu berechnen, addieren Sie die Summe der Lohnnebenkosten zum Bruttogehalt des Arbeitnehmers hinzu. Also: 2900 Euro + 631,50 Euro. Das Arbeitgeberbrutto beträgt demnach 3531,50 Euro, wovon 17,88 Prozent die Lohnnebenkosten ausmachen (631,50 Euro). Um die gesamten Personalkosten zu festzustellen, müssen Sie für jeden Beschäftigten das Arbeitgeberbrutto berechnen.

So können Sie die Lohnnebenkosten senken

Um die Lohnnebenkosten zu senken, können Sie steuerfreie oder pauschal besteurte Leistungs- und Sachzuwendungen nutzen.

Leistungs- und Sachzuwendungen sind Ergänzungen zum regulären Gehalt. Darunter fallen beispielsweise Essensgutscheine, Zuschüsse für die Kinderbetreuung oder die Übernahme von gesundheitsfördernden Maßnahmen. Lohnnebenkosten fallen auf diese Leistungen nicht an und Arbeitnehmer erhalten diese in voller Höhe, da sie nicht oder nur pauschal besteuert werden.

Natürlich kann man Mitarbeiter nicht nur in Gutscheinen und ähnlichen Leistungen entlohnen. Dennoch stellen sie eine willkommene Ergänzung in Gehaltsverhandlungen dar.

Behalten Sie mit Factorial Ihre Unternehmenskosten und Mitarbeiterkosten stets im Blick.

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