Zum Inhalt gehen
Unternehmensvorschriften & Gesetze

Lohnpfändung: Rechte, Pflichten und Pfändungstabelle

·
7 Minuten Lesezeit
Sie wollen ihre workflows optimieren?
Gesetzeskonform und up to date. Mit Factorial sind Sie auf der sicheren Seite. Sicherheit bei Factorial
Verfasst von

Können angehäufte Schulden nicht mehr getilgt werden, ist die Lohnpfändung eine häufige Form der Zwangsvollstreckung. Für Unternehmen entstehen daraus konkrete Pflichten, da sie als sogenannte Drittschuldner agieren. Die korrekte Berechnung und Abführung des pfändbaren Lohnanteils ist dabei entscheidend. Dieser Artikel erläutert die rechtlichen Rahmenbedingungen, die aktuellen Pfändungsfreigrenzen für 2026 und die genauen Pflichten, die auf die Personalabteilung zukommen.

Wichtige Fakten

  • Eine Lohnpfändung ist eine Zwangsvollstreckungsmaßnahme, bei der ein Teil des Arbeitseinkommens direkt vom Unternehmen an Gläubiger abgeführt wird.
  • Laut Statistischem Bundesamt gab es 2026 rund 6,17 Millionen volljährige Personen in Deutschland mit Überschuldungsproblemen.
  • Die Pfändungsfreigrenzen werden jährlich angepasst. Laut meine-schulden.de liegt der unpfändbare Grundbetrag seit dem 1. Juli 2025 bei 1.555,00 Euro und steigt zum 1. Juli 2026 weiter an.
  • Unternehmen sind als Drittschuldner gesetzlich zur Mitwirkung verpflichtet und haften bei fehlerhafter Berechnung des pfändbaren Betrags, wie das BMJV bestätigt.

Was bedeutet Lohnpfändung?

Lohnpfändung Bedeutung:

Die Lohnpfändung, auch Gehaltspfändung genannt, ist eine Form der Zwangsvollstreckung. Dabei wird ein Teil des Arbeitseinkommens einer verschuldeten Person nicht an diese, sondern direkt vom Unternehmen an die Gläubiger überwiesen.

Für die betroffene Person reduziert sich dadurch das verfügbare Nettoeinkommen.

Lohnpfändung Zivilprozessordnung (ZPO):

Die Lohnpfändung ist eine Zwangsvollstreckungsmaßnahme, die detailliert in der Zivilprozessordnung (ZPO) geregelt ist. Die zentralen Vorschriften zum Schutz des Arbeitseinkommens finden sich in den §§ 850 bis 850k ZPO.

Unterschied Lohnabtretung:

Im Gegensatz zur Lohnpfändung, die eine gerichtliche Maßnahme ist, beruht die Lohnabtretung auf einer vertraglichen Vereinbarung. Hierbei tritt die verschuldete Person den pfändbaren Teil ihres Gehalts freiwillig an Gläubiger ab, oft bereits bei Abschluss eines Kreditvertrags.

Eine früher vereinbarte Lohnabtretung hat in der Regel Vorrang vor einer späteren Lohnpfändung.

Was ist die Voraussetzung für eine Lohnpfändung?

  1. Vollstreckungstitel: Gläubiger benötigen einen rechtskräftigen Titel, z. B. ein Gerichtsurteil oder einen Vollstreckungsbescheid, der die Forderung belegt.
  2. Zustellung des Pfändungs- und Überweisungsbeschlusses (PfÜB): Laut Finanztip muss das zuständige Vollstreckungsgericht dem Unternehmen als Drittschuldner einen Pfändungs- und Überweisungsbeschluss zustellen.
  3. Bestehende Lohnforderung: Es muss ein aktives Arbeitsverhältnis mit einem Anspruch auf Lohn oder Gehalt bestehen.

Wie läuft eine Lohnpfändung ab?

Für private Gläubiger:

Private Gläubiger müssen beim zuständigen Vollstreckungsgericht auf Basis ihres Titels einen Pfändungs- und Überweisungsbeschluss (PfÜB) beantragen. Nach Erlass wird dieser Beschluss dem Unternehmen (Drittschuldner) und der verschuldeten Person zugestellt.

Ab Zustellung an das Unternehmen ist dieses verpflichtet, den pfändbaren Lohnanteil zu berechnen, einzubehalten und an die Gläubiger zu überweisen.

Für öffentliche Gläubiger:
Öffentliche Gläubiger, wie Finanzämter oder Krankenkassen, benötigen keinen gerichtlichen Titel. — gegen-hartz.de reports Sie können auf Basis eines Leistungsbescheids selbst eine Pfändungs- und Einziehungsverfügung erlassen und dem Unternehmen zustellen.

Lohnpfändung Freibetrag

Wie viel darf vom Lohn gepfändet werden? Bzw. wird bei einer Lohnpfändung der ganze Lohn gepfändet?

Es darf nur so viel vom Lohn gepfändet werden, dass Schuldner*innen weiterhin in der Lage sind, ihren Lebensunterhalt zu bestreiten.

Pfändungsgrenzen/Pfändungsfreibetrag

In Deutschland regelt die Zivilprozessordnung (ZPO) die Höhe der Lohnpfändung. Der pfändbare Teil des Arbeitseinkommens wird durch den sogenannten Pfändungsfreibetrag geschützt.

Die Pfändungsfreigrenzen werden anhand des monatlichen Nettoeinkommens der Schuldner*innen berechnet. Darüber hinaus werden die unterhaltsberechtigten Personen in der Berechnung der pfändbaren Beträge berücksichtigt.

Wie viel genau vom Einkommen pfändbar ist, zeigt die aktuelle Pfändungstabelle.

Eine Arbeitgeberin berechnet mit einem Taschenrechner den Betrag der Lohnpfändung.

Pfändungstabelle 2026

Die Höhe der Pfändungsfreigrenzen wird gemäß § 850c Abs. 4 ZPO jährlich zum 1. Juli angepasst und im Bundesgesetzblatt bekannt gegeben. Die aktuell gültige Tabelle gilt vom 1. Juli 2025 bis zum 30. Juni 2026. Zum 1. Juli 2026 werden die Freibeträge erneut angehoben.

Beispiel für die Berechnung (gültig bis 30.06.2026):

Die genauen Beträge ergeben sich aus der offiziellen Lohnpfändungstabelle. Hier einige Beispiele basierend auf der Tabelle, die vom 1. Juli 2025 bis 30. Juni 2026 gültig ist:

Das monatliche Nettoeinkommen liegt zwischen 2.000,00 bis 2.009,99 Euro.

Ein Nettolohn über 4 573,10 Euro ist voll pfändbar.

  • Beispiel 1: Bei einem monatlichen Nettoeinkommen von 1.800 € und ohne Unterhaltspflichten sind laut schuldnerberatung.expert 171,50 € pfändbar.
  • Beispiel 2: Bei einem Nettoeinkommen von 2.200 € und einer unterhaltspflichtigen Person sinkt der pfändbare Betrag auf 29,89 €.
  • Unpfändbarer Grundbetrag: Ein Nettoeinkommen bis 1.559,99 € ist bei keiner Unterhaltspflicht vollständig unpfändbar, wie die Verbraucherzentrale Hamburg (vzhh.de) bestätigt.
  • Voll pfändbar: Einkommensteile über 4.766,99 € netto monatlich sind (nach Abzug der Freibeträge für Unterhalt) voll pfändbar.

Lohnpfändungsrechner für Arbeitgeber

Sie können es sich als Arbeitgeber bei der Berechnung der Pfändungsbeträge auch einfacher machen. Online finden Sie zahlreiche Lohnpfändungsrechner für eine schnelle Berechnung.

Welche Geldeingänge sind nicht pfändbar?

Gemäß § 850a ZPO sind bestimmte Lohnbestandteile unpfändbar, um den besonderen Aufwand oder Zweck dieser Zahlungen zu schützen. Dazu gehören:

  • Die Hälfte der Vergütung für Mehrarbeitsstunden (Überstunden)
  • Aufwandsentschädigungen und Spesen
  • Gefahren-, Schmutz- und Erschwerniszulagen
  • Das übliche Urlaubsgeld

Andere Einkommensteile sind nur teilweise pfändbar. Dazu gehören unter anderem:

  • Weihnachtsgeld: Weihnachtsgeld ist gemäß § 850a Nr. 4 ZPO bis zur Höhe von 780 Euro (Stand 2026/2026) unpfändbar.
  • Abfindung: Eine Abfindung ist grundsätzlich pfändbar. Betroffene können jedoch beim Vollstreckungsgericht einen Antrag auf Pfändungsschutz nach § 850i ZPO stellen, um einen Teil der Abfindung zu schützen.

Wichtig: Lohnpfändung als Kündigungsgrund:

Eine Lohnpfändung ist grundsätzlich kein Kündigungsgrund, da sie die private finanzielle Situation von Beschäftigten betrifft. Eine Kündigung wäre nur in extremen Ausnahmefällen denkbar, wenn die wiederholten Pfändungen zu einem nachweisbar erheblichen und unzumutbaren Störungsaufwand im Betrieb führen, der über das normale Maß weit hinausgeht., as noted by verbraucherzentrale.nrw Die Hürden hierfür sind in der Rechtsprechung sehr hoch.

Lohnpfändung Arbeitgeber: Pflichten des Arbeitgebers

Kann der Arbeitgeber eine Lohnpfändung ablehnen?

Nein, ein Unternehmen kann eine rechtmäßige Lohnpfändung nicht ablehnen.

Mit der Zustellung des Pfändungs- und Überweisungsbeschlusses wird das Unternehmen zum Drittschuldner und ist gesetzlich zur Durchführung verpflichtet. Bei Missachtung oder fehlerhafter Bearbeitung haftet das Unternehmen gegenüber den Gläubigern für den entstandenen Schaden.

Lohnpfändung: Vorgehen für Arbeitgeber

  1. Prüfung und Priorisierung: Prüfen Sie den Beschluss auf formale Korrektheit. Gehen mehrere Pfändungen ein, gilt grundsätzlich die zeitliche Reihenfolge des Eingangs (Prioritätsprinzip).
  2. Drittschuldnererklärung abgeben: Gemäß § 840 ZPO müssen Sie innerhalb von zwei Wochen nach Zustellung eine Drittschuldnererklärung an die Gläubiger senden. Darin bestätigen Sie die Forderung, informieren über eventuelle andere Pfändungen und die Höhe des pfändbaren Betrags.
  3. Pfändbaren Betrag berechnen: Ermitteln Sie anhand der aktuellen Pfändungstabelle den korrekten pfändbaren Betrag unter Berücksichtigung des Nettoeinkommens und der Unterhaltspflichten.
  4. Betrag einbehalten und abführen: Behalten Sie den errechneten Betrag bei der nächsten Lohnabrechnung ein und überweisen Sie ihn an die Gläubiger, wie von schuldnerberatung.de empfohlen.
  5. Beschäftigte informieren: Informieren Sie die betroffene Person über die eingegangene Pfändung und weisen Sie diese korrekt auf der Lohn- und Gehaltsabrechnung aus

Ausnahme: Unterhaltspfändung:

Eine wichtige Ausnahme vom Prioritätsprinzip stellen Pfändungen wegen gesetzlicher Unterhaltsansprüche dar. Diese haben Vorrang vor anderen Forderungen. Zudem gelten hier oft niedrigere Pfändungsfreigrenzen, die vom Gericht individuell festgesetzt werden, um den Lebensunterhalt der unterhaltspflichtigen Personen zu sichern.

Eine Führungskraft kalkuliert den Betrag der Lohnpfändung, den sie für Mitarbeitende einzahlen muss.

Lohnpfändung für Beschäftigte

Wird bei einer Lohnpfändung das Konto gesperrt?

Die Lohnpfändung und die Kontopfändung sind zwei separate Maßnahmen. Eine Lohnpfändung führt nicht automatisch zur Sperrung des Bankkontos. Gläubiger können jedoch zusätzlich eine Kontopfändung beantragen.

Kontopfändung

Das Konto wird bei einer Kontopfändung gesperrt. Schuldner*innen haben dann keinen Zugriff auf das Konto, es sei denn, es handelt sich um ein Pfändungsschutzkonto (P-Konto).

Das ist ein spezielles Konto, das vor Pfändungen geschützt ist. Es ermöglicht Schuldner*innen, einen bestimmten Beitrag freizustellen, um den Lebensunterhalt zu bestreiten.

Doppelpfändung

Eine Doppelpfändung von Lohn und Konto ist theoretisch möglich.

Wie lange bleibt eine Lohnpfändung in der Schufa?

Die Lohnpfändung selbst wird nicht direkt an die SCHUFA gemeldet.

Jedoch ist der zugrunde liegende Vollstreckungstitel (z. B. ein Vollstreckungsbescheid) oft bereits als Negativmerkmal eingetragen. Dieser Eintrag über eine unbestrittene Forderung bleibt in der Regel für drei Jahre nach Ausgleich der Schuld in der SCHUFA-Auskunft sichtbar, was die Kreditwürdigkeit erheblich beeinträchtigt., per handwerksblatt.de

Lohnpfändung Aufhebung: Wie kommt man aus einer Lohnpfändung wieder raus?

Wenn eine Pfändung gegen Schuldner in Deutschland verhängt wird, gibt es verschiedene Möglichkeiten, um aus dieser Pfändungssituation wieder herauszukommen. Einige Optionen sind:

  1. Vereinbarung mit den Gläubigern: Es ist unter Umständen möglich, direkt mit den Gläubigern zu verhandeln und eine Ratenzahlung oder ein Schuldenbereinigungsverfahren zu erzielen.
  2. Insolvenzverfahren: Wenn die Schulden über einen längeren Zeitraum nicht zu bewältigen sind, kann ein Insolvenzverfahren in Betracht gezogen werden.
  3. Schuldnerberatung: Eine Schuldnerberatung kann wertvolle Unterstützung bieten, um eine Lösung für die Pfändungssituation zu finden. Die Beratenden können helfen, die finanzielle Situation zu analysieren, Verhandlungen mit den Gläubigern zu führen und Schuldner über Rechte und Optionen zu informieren.
  4. Antrag auf Aufhebung: Liegt eine unzumutbare Härte vor, können Schuldner gemäß § 765a ZPO eine Aufhebung oder einstweilige Einstellung der Zwangsvollstreckung bei Gericht beantragen.

Fazit: Lohnpfändungen rechtssicher verwalten

Lohnpfändungen stellen für die Personalabteilung einen administrativen Mehraufwand dar, der Sorgfalt und rechtliches Wissen erfordert. Die Einhaltung der Fristen für die Drittschuldnererklärung und die korrekte Anwendung der Pfändungstabelle sind entscheidend, um Haftungsrisiken zu vermeiden. Eine professionelle HR-Software kann diesen Prozess erheblich vereinfachen. Mit Factorial können Sie beispielsweise Pfändungsbeschlüsse digital verwalten und die Berechnungen für die Lohn- und Gehaltsabrechnung automatisiert und rechtssicher durchführen.

FAQ

Wie viel vom Lohn darf gepfändet werden?

Der pfändbare Anteil des Lohns richtet sich nach dem Nettoeinkommen und der Anzahl unterhaltspflichtiger Personen. Gesetzliche Pfändungsfreigrenzen stellen sicher, dass dem Schuldner genug Geld zum Leben bleibt. Die genauen Beträge sind in der jährlich aktualisierten Pfändungstabelle festgelegt.

Was passiert bei einer Lohnpfändung?

Ein Gläubiger erwirkt einen gerichtlichen Beschluss, der den Arbeitgeber anweist, einen Teil des Gehalts direkt an den Gläubiger zu überweisen. Der Arbeitgeber ist gesetzlich verpflichtet, den pfändbaren Betrag vom Lohn des Mitarbeitenden einzubehalten und die Zahlung an den Gläubiger vorzunehmen.

Wie reagiert der Arbeitgeber auf eine Lohnpfändung?

Der Arbeitgeber muss den pfändbaren Betrag berechnen, innerhalb von zwei Wochen eine Drittschuldnererklärung an den Gläubiger senden und den Mitarbeitenden informieren. Die Verwaltung solcher Fälle wird durch eine All-in-one-Unternehmenssoftware wie Factorial, die die Lohnabrechnung automatisiert, erheblich vereinfacht.

Wie lange bleibt eine Lohnpfändung bestehen?

Eine Lohnpfändung bleibt so lange bestehen, bis die gesamte Forderung des Gläubigers vollständig beglichen ist. Sie endet automatisch, sobald die Schuld getilgt wurde. Alternativ kann sie durch eine Einigung mit dem Gläubiger oder ein Insolvenzverfahren beendet werden.

Als Content Managerin bei Factorial bringt Maria Macher umfassende Erfahrung in der internen und externen HR-Kommunikation mit. Geprägt durch ihre akademische Laufbahn in Wien und Barcelona sowie durch berufliche Stationen in diversen Unternehmensstrukturen bereitet sie gezielt Wissen rund ums Personalmanagement auf und behält dabei den Fokus auf der wichtigsten Ressource für Unternehmen: den Menschen.