Was ist ein Sabbatical und was ist dabei zu beachten?

Das aus den USA stammende Sabbatical, eine Art von Sonderurlaub, findet immer mehr Anklang, auch in Europa. Das ist auch kein Wunder, da Work-Life-Balance, besonders für die jüngeren Generationen, immer wichtiger wird. Bis zu einem Jahr kann die Pause vom Job dauern.

Die Gründe dafür sind genauso vielschichtig, wie die Modelle, die es für eine solche Auszeit gibt. Ein Jahr Urlaub – das klingt erstmal verlockend und viele Arbeitnehmer wünschen sich das von ihrem Arbeitgeber. Allerdings ist auch Vorsicht geboten, denn es kann auch einige Herausforderungen mit sich bringen.

Machen Sie sich frühzeitig Gedanken darüber, wie Sie ein Sabbatjahr für Ihre Mitarbeiter gestalten wollen, welche Modelle und Regelungen es gibt, und wie es zum Beispiel mit dem Urlaubsanspruch aussieht. Wir erklären Ihnen in diesem Artikel die wichtigsten Grundlagen.

Definition: Was ist ein Sabbatical?

Erholung vom Arbeitsalltag, eine längere Reise und entspannt und voller neuer Energie wieder zurückkommen – so wünschen sich Arbeitnehmer den Ausstieg auf Zeit. Das sogenannte Sabbatical, auch Sabbatjahr genannt, ist ein Arbeitszeitmodell, das eine längere Pause von der Arbeit beschreibt.

Wie der Arbeitnehmer sein Sabbatical gestaltet, ist ihm überlassen. Jedoch besteht kein gesetzlicher Anspruch auf diesen Sonderurlaub. Eine Ausnahme bilden Beamte und Angestellte im Öffentlichen Dienst. Diese können ihren Sonderurlaub zwei bis sechs Jahre vor Antritt des Sabbaticals anmelden

Welche Sabbatical Modelle gibt es?

Da jedes Unternehmen unterschiedlich ist, muss es auch unterschiedliche Sabbatical-Modelle geben. Während es in dem einen Unternehmen Phasen mit hohem Arbeitsaufkommen gibt, ist das Arbeitsvolumen in einem anderen Unternehmen das ganze Jahr über gleichbleibend. Auch die Größe des Unternehmens spielt bei dem richtigen Modell eine Rolle. Für beinahe jedes Unternehmen lässt sich jedoch eines dieser Modelle umsetzen.

1. Langzeitarbeitskonto

Bei einem Langzeitarbeitskonto spart der Arbeitnehmer Überstunden und ungenutzte Urlaubstage an, die er anschließend für sein Sabbatical nutzen kann. Bei dieser Regelung ist der Mitarbeiter weiterhin renten- und krankenversichert.

2. Unbezahlte Freistellung

Bei einem unbezahlten Sonderurlaub entfällt sowohl die Gehaltsfortzahlung als auch die Einzahlung von Sozialversicherungsbeiträgen. Um die Einzahlungen muss der Arbeitnehmer sich selbst kümmern. Während der Freistellung pausiert der Arbeitsvertrag, wird jedoch wieder aufgenommen, wenn der Arbeitnehmer aus seiner Pause zurückkehrt.

3. Lohnverzicht durch Teilzeit

Bei diesem Modell handelt es sich um ein Arbeitszeit- oder Zeitwertguthaben, bei dem der Arbeitnehmer zwar Vollzeit 40 Stunden pro Woche arbeitet, sich jedoch nur das Teilzeitgehalt auszahlen lässt. Die Differenz wird vorerst vom Arbeitgeber einbehalten bis das Sabbatical startet. Die Zeitspanne sollte vorher genau festgelegt und vertraglich geregelt sein. Während des Sabbaticals von mehreren Monaten bis zu einem Jahr erhält der Mitarbeiter weiterhin das Gehalt, welches einbehalten wurde, und ist gleichzeitig renten- und krankenversichert.

4. Kündigung

Die letzte Möglichkeit ein Sabbatical durchzuziehen, ist die Kündigung durch den Arbeitnehmer. Nutzt ein Arbeitnehmer das Sabbatical um sich beruflich neu zu orientieren, ist die Kündigung nach der Auszeit quasi vorprogrammiert.

Sabbatical Regelungen

Da es keinen gesetzlich geregelten Anspruch auf ein Sabbatical gibt (Ausnahme: Beamte, siehe oben), müssen Sie sich als Arbeitgeber um die Regelungen kümmern und die Vereinbarungen mit dem Arbeitnehmer unbedingt vertraglich festhalten. Darin enthalten sein sollten:

  • Laufzeit der Auszeit und Arbeitsentgelt
  • Leistungen und Sozialversicherung
  • Mögliche Verschiebung des Sabbaticals und Krankheitstage/Arbeitsunfähigkeit
  • Urlaubsanspruch während der Freistellung

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Vor- und Nachteile eines Sabbaticals

Vorteile für Unternehmen und Mitarbeiter

Ein Sabbatjahr kommt mit einer ganzen Reihe an Vorteilen, sowohl für Arbeitnehmer als auch für Arbeitgeber.

  • Körperliche und mentale Erholung: Ein Sabbatical kann positive Auswirkungen auf die Gesundheit und das Energielevel der Mitarbeiter haben. Es hilft dabei, Krankheiten und Burn-Out vorzubeugen und füllt den Mitarbeiter mit neuer Energie, die er nach seiner Auszeit in Ideen und Arbeitsmotivation umsetzen kann. Darüber hinaus sorgt die Unterstützung des Arbeitgebers bei der Umsetzung des Sabbatjahres für ein erhöhtes Engagement des Mitarbeiters.
  • Persönliche Entwicklung und Zeit für Weiterbildungsmaßnahmen: Durch eine längere Auszeit vom Job, hat der Mitarbeiter Zeit und Energie für die persönliche oder professionelle Weiterentwicklung. Er kann seine Fähigkeiten ausbauen, eine neue Sprache erlernen, andere Kulturen kennenlernen und Zeit mit der Familie verbringen und dadurch beispielsweise seine sozialen Fähigkeiten weiterentwickeln.
  • Joberhalt und finanzieller Vorteil: Eine längere Auszeit kann Auftragsschwankungen ausgleichen und Kündigungen vermeiden, die zu hohen Kosten bei Neueinstellungen führen würden.
  • Positives Arbeitgeberimage und Mitarbeiterbindung: Gerade die jüngeren Generationen wünschen sich eine ausgeglichene Work-Life-Balance und Benefits, die über das Gehalt hinausgehen. Bieten Unternehmen die Möglichkeit eines Sabbaticals an, trägt dies zu einem positiven Unternehmensimage bei Mitarbeitern und zukünftigen Bewerbern bei.

Herausforderungen

Ein Sabbatical besteht nicht nur aus Vorteilen, sondern auch einigen Herausforderungen, die Sie als Personaler und HR-Experte kennen sollten. Machen Sie sich unbedingt mit den rechtlichen und vertraglichen Anforderungen eines längeren Ausstiegs vertraut. Besprechen Sie die Regelungen mit dem einzelnen Mitarbeiter und halten Sie diese vertraglich fest. Darin enthalten sein sollte:

  • Der Anspruch auf die alte Position
  • Die Vergütung/das Arbeitszeitmodell
  • Die Übergabe der aktuellen Aufgabenbereiche
  • Der Wiedereinstieg nach der Rückkehr (welche Aufgaben und welche Position nimmt der ausgesetzte Mitarbeiter wieder ein?)

Ist man während des Sabbaticals sozialversichert?

Das Sabbatical ist dann sozialversichert, wenn die Freistellung mit einer Gehaltsfortzahlung verbunden ist und der Arbeitnehmer dafür im Voraus Zeit- oder Geldguthaben angespart hat. Dies trifft auch auf die unbezahlte Freistellung bis zu maximal einem Monat zu. Dann gilt die einmonatige Nachversicherungsfrist ab Pausieren des Arbeitsvertrags. Für die Zeit danach muss sich der Arbeitnehmer selbst ums seine Renten- und Krankenversicherung kümmern.

Besteht während des Sabbaticals ein Urlaubsanspruch?

Handelt es sich beim Sabbatical um einen unbezahlten Sonderurlaub, sind die Hauptpflichten aus dem Arbeitsvertrag ausgesetzt, sowohl für Arbeitgeber als auch Arbeitnehmer. Ohne die Arbeitspflicht besteht daher auch kein Anspruch auf Urlaub, so das Urteil des Bundesarbeitsgericht vom 19.03.2019 (9 AZR 315/17).  Zuvor wurde 2014 noch entschieden, dass auch während eines Sabbaticlas der gesetzliche Mindesturlaub im Sinne des Bundesurlaubsgesetzes bestünde.

Dieses Urteil wurde damit abgelöst. Nun dürfen Arbeitgeber den Urlaubsanspruch bei einem unbezahlten Sonderurlaub mindern. Handelt es sich bei dem Sabbatical um eine Auszeit von einem ganzen Jahr, entfällt der Urlaubsanspruch vollständig. Bei kürzeren Auszeiten dürfen Arbeitnehmer den Urlaubsanspruch anteilig kürzen.

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