Active Sourcing und Trends im Recruiting prägen 2026 die Personalgewinnung in Deutschland grundlegend. Unternehmen, die qualifizierte Fachkräfte gewinnen wollen, setzen zunehmend auf proaktive Direktansprache statt auf klassische Stellenausschreibungen. Zu den zentralen Maßnahmen zählen Active Sourcing, Social Recruiting und die konsequente Digitalisierung von HR-Prozessen.
Wichtige Fakten: Active Sourcing und Trends im Recruiting
- Was ist Active Sourcing? Active Sourcing bezeichnet die proaktive Identifikation, Direktansprache und langfristige Netzwerkpflege mit geeigneten Fachkräften – unabhängig davon, ob diese aktiv auf Stellensuche sind.
- Wachsende Bedeutung: Laut der Jobcluster-Umfrage „Recruiting Trends 2026“ verzeichnet Active Sourcing als einziger Kanal sowohl steigende Bewerberzahlen als auch eine verbesserte Qualität der Bewerbungsprofile.
- Nach Angaben von Statistik, fachkräftemangel als Treiber: Die Bundesagentur für Arbeit identifiziert in ihrer Fachkräfteengpassanalyse 163 Engpassberufe in Deutschland – ein strukturelles Problem, das proaktive Sourcing-Strategien unabdingbar macht.
- Strategische Priorität: Nach Angaben von SHRM nennen 63 % der befragten Unternehmen die Entwicklung einer gezielten Talent-Sourcing-Strategie als ihre wichtigste Recruiting-Priorität für 2026.
Wir haben mit Jan Hawliczek, Gründer von Die Grüne 3 und Experte für genau diese Themen, gesprochen und möchten in diesem Interview die interessanten Einblicke teilen und erläutern, warum es nicht sinnvoll ist, jeden aufsteigenden Trend umzusetzen.
Wer ist Jan Hawliczek und was steckt hinter Die Grüne 3?
Super gerne. Ja, mein Name ist Jan Hawliczek. Ich bin seit über einem Jahrzehnt im Bereich Recruiting unterwegs und habe mich dort ein bisschen auf die Themen Social Recruiting, Active Sourcing, Personalmarketing und Recruiting Tech spezialisiert. Das sind meine Herzensthemen.,-)
Und die Die Grüne 3 GmbH spiegelt dann diese Herzensthemen auch in Dienstleistungen wider. Seit 2018 verbinde ich Leidenschaft mit unternehmerischem Handeln – auf drei Eckpfeilern: Aus- und Weiterbildung von Recruiting-Fachkräften, Sourcing as a Service sowie strategisches Sparring in Projekten. Nebenbei haben wir dann noch einen Blog und einen kleinen, aber feinen HR-Podcast namens „Zielgruppengerecht“.
Welches sind die größten Herausforderungen im Recruiting 2026?
Hmm… Ich glaube tatsächlich nicht, dass es die größte Herausforderung gibt. Ich sehe das wie bei einer Prüfung. Die eigene Prüfung ist immer die schwerste. Es gibt so unglaublich viele unterschiedliche Rahmenbedingungen und in diesen kann es eine Vielzahl von Herausforderungen geben. Was ich aber als Trend sehe, ist, dass wir es im Recruiting nicht wirklich schaffen, uns weiter zu professionalisieren.
Eigentlich sollten wir viel näher an den Trends, an den Zielgruppen und an den technischen und digitalen Lösungen dran sein und dem Business einen echten Mehrwert liefern.
Der strukturelle Fachkräftemangel verstärkt diesen Druck erheblich. Die Bundesagentur für Arbeit zählt in ihrer Fachkräfteengpassanalyse 157 Engpassberufe in Deutschland, in denen Vakanzen deutlich länger unbesetzt bleiben als im Durchschnitt. Gleichzeitig waren im Februar 2026 laut Bundesagentur für Arbeit noch 638.000 offene Stellen gemeldet – ein Niveau, das trotz konjunktureller Abkühlung historisch hoch bleibt.
Derweil wird Recruiting (oder wahlweise auch HR) häufig immer noch als Kostenblock und Administration wahrgenommen. Das finde ich extrem schade.
Welches sind die wichtigsten Recruiting-Trends 2026?
Corona hat uns einen Trend natürlich schamlos offenbart:
Die Digitalisierung ist nicht mehr aufzuhalten.
Die Zahlen belegen diesen Wandel. Nach Angaben von SHRM nennen 63 % der befragten Unternehmen die Entwicklung einer gezielten Talent-Sourcing-Strategie als ihre wichtigste Recruiting-Priorität für 2026. Gleichzeitig zeigt die Jobcluster-Umfrage „Recruiting Trends 2026“, dass 68 % der deutschen HR-Abteilungen bislang keine KI-Lösungen im Recruiting einsetzen – obwohl das Thema branchenweit an Relevanz gewinnt.
Zielgruppen haben sich längst digitalisiert. Wenn das die Zielgruppen tun, sollte HR und Recruiting nachziehen. „All Tech is HR Tech“ – dieser Grundsatz ist heute aktueller denn je.
Sich dafür erstmal zu öffnen und von der Zielgruppe aus zu denken, das ist für mich der größte Trend. Was sich davon dann ableitet, sind dann Maßnahmen, die passend sind. Ob die dann digital oder analog, agil oder klassisch sind – völlig egal.
Was ist Active Sourcing und warum ist es 2026 unverzichtbar?
Für mich ist Active Sourcing erstmal eine Maßnahme bzw. ein Tool in einer guten Gesamtrecruitingstrategie. Diese Maßnahme sollte aber, wie jede Maßnahme auch, wirtschaftlich betrachtet und auf die Zielgruppe hin angepasst sein.
Ganz operativ steckt hinter Active Sourcing für mich: die Identifikation, das Gewinnen und das Begeistern sowie das langfristige Netzwerken mit der Zielgruppe.
Die drei operativen Kernschritte im Active Sourcing:
- Identifikation: Gezielte Suche nach passenden Profilen auf Karrierenetzwerken (LinkedIn, XING), spezialisierten Plattformen (GitHub für IT-Fachkräfte) und in Talentpools.
- Direktansprache und Begeisterung: Persönliche, zielgruppenspezifische Kontaktaufnahme – keine Standardnachrichten, sondern individuell formulierte Erstkontakte, die den Mehrwert der Position klar kommunizieren.
- Langfristiges Netzwerken: Aufbau einer Talent-Pipeline durch kontinuierliche Pflege von Kontakten, auch wenn aktuell keine Vakanz besteht.
Wie entwickelt man eine erfolgreiche Active Sourcing Strategie?
Drei Faktoren bilden das Fundament jeder Active Sourcing Strategie:
| Faktor | Inhalt |
|---|---|
| Eigenes Unternehmen | Employer Branding, Stellenwert des Recruitings, Qualifikation der Hiring-Verantwortlichen |
| Zielgruppe | Lebenswelt, digitale Kanäle, Motivationsstruktur der gesuchten Fachkräfte |
| Recruiting-Team | Strukturen, Mindset, Methodenkompetenz und technische Ausstattung |
Factorial unterstützt Recruiting-Teams dabei, Bewerbungsprozesse strukturiert abzubilden. Das integrierte Bewerbungsmanagementsystem ermöglicht es, Bewerbungsprofile zentral zu verwalten, Kommunikationsverläufe zu dokumentieren und den gesamten Sourcing-Prozess DSGVO-konform zu gestalten, sodass Recruiting-Fachkräfte sich auf das Wesentliche konzentrieren können: den persönlichen Kontakt mit Talenten.
Welche Fehler sollte man beim Active Sourcing unbedingt vermeiden?
Ich bin ja gerne jemand, der Fehler macht, da man aus Fehlern schnell lernen kann. Man sollte sie nur nicht zweimal machen. Einer der größten Fehler, der immer wieder gemacht wird, ist eigentlich keine Rocket Science, dennoch wird es immer wieder vernachlässigt: Sourcing hat extrem viel mit Change-Management zu tun. Change bei den Recruiting-Fachkräften wie auch Change bei den Fachbereichen.
Sourcing scheitert häufig nicht in der operativen Umsetzung, sondern in der strategischen Verankerung und an der Zusammenarbeit zwischen Recruiting und dem Fachbereich bzw. der auftraggebenden Seite.
Welche Rolle spielt Social Media im Recruiting 2026?
Je nach Zielgruppe und der eigenen Strategie eine sehr große. Noch einmal: All Tech is HR Tech. Wenn ich mir mein Umfeld anschaue (vielleicht lebe aber auch nur ich in so einer Blase), ist Social Media bereits seit Jahren in der Gesellschaft angekommen. Klar, es ist ein ständiger Wandel – und das ist auch gut so. Aber wenn wir nicht mitspielen, verstehen wir auch den Wandel nicht.
Welche Kanäle eignen sich für Active Sourcing und Social Recruiting?
Die Zielgruppen geben die richtigen Kanäle vor. Ob man darauf dann mitspielen muss oder möchte, sollte auch in der eigenen Strategie verankert werden. Gerade TikTok ist hier ein Paradebeispiel. Ist es relevant? Ja – absolut. Es ist die weltweit größte und schnellstwachsende Anwendung. Crazy oder? Muss man darauf mitspielen? Kommt darauf an. Die Diskussionen um TikTok, deren Geschäftsgebaren, aber auch den Datenschutz sind kontrovers.
Kanalübersicht: Active Sourcing und Social Recruiting 2026
| Kanal | Stärke | Zielgruppe |
|---|---|---|
| Größtes Berufsnetzwerk weltweit. KI-gestützte Suche | Fach- und Führungskräfte aller Branchen | |
| Starke Präsenz im DACH-Raum | Deutschsprachige Fachkräfte | |
| GitHub / Stack Overflow | Technische Profile. Open-Source-Aktivität sichtbar | IT- und Entwicklungsberufe |
| TikTok | Hohe Reichweite, besonders bei unter 30-Jährigen | Berufseinsteigende, Ausbildungsberufe |
| Branchenspezifische Foren | Nischenzugang. Hohe Relevanz | Spezialisierte Fachkräfte |
Welche Technologien sind im Recruiting 2026 unverzichtbar?
Wenn ich in Richtung Zielgruppe und operatives Recruiting denke, komme ich wieder auf meine „alte Leier“ zurück,-).
Wir sollten zumindest die Technologien unserer Zielgruppe kennen und teilweise verstehen.
Ob wir es dann auch umsetzen müssen, steht auf einem anderen Blatt.
Im Recruiting selbst ist ein CRM bzw. ATS oder Bewerbungsmanagementsystem für mich heute einfach Stand der Technik. Diese Systeme können einen Prozess schlank, transparent und datenschutzkonform abbilden und geben uns als Recruiting-Fachkräfte die Möglichkeit, uns auf die wichtigen Dinge zu konzentrieren: die Kommunikation mit den Bewerbenden und unseren Auftraggebenden bzw. Fachbereichen.
Nach Angaben von SHRM setzen führende Recruiting-Teams 2026 auf eine Kombination aus KI-gestützten Sourcing-Tools, ATS-Systemen und Kollaborationsplattformen, um Prozesse zu beschleunigen und gleichzeitig die Qualität der Ansprache von Bewerbenden zu sichern. KI übernimmt dabei repetitive Aufgaben wie das Screening von Profilen und die Terminkoordination – Recruiting-Fachkräfte gewinnen so Kapazitäten für die strategisch wichtige persönliche Interaktion.
Welche HR-Technologien gewinnen künftig an Bedeutung?
Stark vernetzte Lösungen werden für mich die Zukunft sein. Insellösungen, die nur in sich geschlossen funktionieren und kaum Individualisierung bieten, werden es schwer haben.
FAQ
Was versteht man unter Active Sourcing?
Active Sourcing ist eine Recruiting-Maßnahme, bei der Unternehmen aktiv auf potenzielle Kandidat·innen zugehen. Es umfasst die Identifikation, das Gewinnen und Begeistern sowie das langfristige Netzwerken mit der Zielgruppe, anstatt nur auf eingehende Bewerbungen zu warten.
Was sind aktuelle Trends im Recruiting?
Der wichtigste Trend ist die fortschreitende Digitalisierung und die konsequente Ausrichtung an den Zielgruppen. Ein modernes Bewerbermanagementsystem ist dabei unerlässlich, um Prozesse effizient zu gestalten. Factorial, eine All-in-one-Unternehmenssoftware, integriert ein solches System, um den gesamten Recruiting-Prozess zu optimieren.
Was sind die Nachteile von Active Sourcing?
Active Sourcing kann sehr zeitaufwendig sein und erfordert spezielles Know-how, um Kandidat·innen erfolgreich anzusprechen. Zudem besteht das Risiko unbeantworteter Anfragen und es bedarf einer guten strategischen Verankerung sowie enger Zusammenarbeit zwischen Recruiting und den Fachbereichen.

