Active Sourcing und Trends im Recruiting: Interview mit Jan Hawliczek

Wir haben bereits darüber über die Herausforderungen und den Wandel im Recruiting gesprochen – daraus ergeben sich verschiedene Trends und auch Maßnahmen, um die besten Talente für sein Unternehmen zu finden. Dazu zählen unter anderem Active Sourcing, Social Recruiting und Digitalisierung.

Wir haben mit Jan Hawliczek, Gründer von Die Grüne 3 und Experte für genau diese Themen gesprochen und möchten in diesem Interview die interessanten Einblicke teilen, und wieso es nicht sinnvoll ist, jeden aufsteigenden Trend umzusetzen.

Hallo Jan, bitte stelle dich zunächst kurz den Lesern vor. Was steckt hinter Die Grüne 3?

Super gerne. Ja, mein Name ist Jan Hawliczek, ich bin 33 Jahre jung oder alt – wie man es nimmt. ;-) Ich bin seit ca. 10 Jahren im Bereich Recruiting unterwegs und hab mich dort so ein bisschen auf die Themen Social Recruiting, Active Sourcing, Personalmarketing und Recruiting Tech eingeschossen. Das sind meine Herzens Themen. ;-)

Und die Die Grüne 3 GmbH spiegelt dann diese Herzens Themen auch in Dienstleistungen wider. Ich habe mich 2018 dazu entschlossen aus der Leidenschaft auch ein Business zu machen und 3 große Eckpfeiler: Aus- und Weiterbildung von Recruitern, Sourcing as a Service und Sparring in Projekten. Nebenbei haben wir dann noch einen Blog und einen kleinen aber feinen Podcast namens “Zielgruppengerecht”.

Wo siehst du aktuell die größten Herausforderungen im Recruiting?

Hmm… Ich glaube tatsächlich nicht, das es die größte Herausforderung gibt. Ich sehe das wie bei einer Prüfung. Die eigene Prüfung ist immer die schwerste. Es gibt so unglaublich viele unterschiedliche Rahmenbedingungen und in diesen kann es eine Vielzahl von Herausforderungen geben. Was ich aber als Trend sehe ist, dass wir es im Recruiting nicht wirklich schaffen, uns weiter zu professionalisieren.

„Eigentlich sollten wir viel näher an den Trends, an den Zielgruppen und an den technischen und digitalen Lösungen dran sein, und dem Business einen echten Mehrwert liefern.“

Derweil wird Recruiting (oder wahlweise auch HR) häufig immer noch als Kostenblock und Administration wahrgenommen. Das finde ich extrem schade.

Welches sind demnach die wichtigsten Trends im Recruiting?

Corona hat uns einen Trend natürlich schamlos offenbart:

„Die Digitalisierung ist nicht mehr aufzuhalten.“

Unsere Zielgruppen haben sich schon vor Jahren digitalisiert. Und immer, wenn das die Zielgruppen tun – sollten wir das im HR / Recruiting eben auch. “All Tech is HR Tech”. Das geht mir seit gut 5-6 Jahren nicht mehr aus dem Kopf. Sich dafür erstmal zu öffnen und von der Zielgruppe aus zu denken, das ist für mich der größte Trend. Was sich davon dann ableitet sind dann Maßnahmen die passend sind. Ob die dann digital oder analog, agil oder klassisch sind – völlig egal.

Was genau ist Active Sourcing und wieso ist es so wichtig?

Für mich ist Active Sourcing erstmal eine Maßnahme bzw. Tool in einer guten Gesamtrecruitingstrategie. Diese Maßnahme sollte aber wie jede Maßnahme auch, wirtschaftlich betrachtet und auf die Zielgruppe hin angepasst sein.

Ganz operativ steckt hinter Active Sourcing für mich: die Identifikation, das Gewinnen und Begeistern und das langfristige Netzwerken mit der Zielgruppe.
Das ist weit mehr als nur ein paar Schlagwörter in die Suche auf XING und LinkedIn einzugeben.

Wie erstellt man am besten eine Active Sourcing Strategie und wie setzt man diese erfolgreich um?

Das ist natürlich von extrem vielen Rahmenbedingungen abhängig und kann ich hier nicht ganz pauschal sagen. Drei wichtige Faktoren für die Strategie, die erarbeitet werden sollten sind aber: das eigene Unternehmen (angefangen von der Employer Brand bis hin zur Ausbildung meiner Hiring Manager), die Zielgruppe und deren Lebenswelt und das eigene Recruiting Team, mit all seinen Facetten und Strukturen aber auch dem Mindset und Know-how.

Was sollte man dabei unbedingt vermeiden?

Ich bin ja gerne jemand der Fehler macht, da man aus Fehlern schnell lernen kann. Man sollte Sie nur nicht zweimal machen. =) Einer der größten Fehler, der immer wieder gemacht wird, ist eigentlich keine Rocket-Science, dennoch wird es immer wieder vernachlässigt: Sourcing hat extrem viel mit Change-Management zu tun. Change bei den Recruitern, wie auch Change bei den Fachbereichen.

„Sourcing scheitert häufig nicht in der operativen Umsetzung, sondern in der strategischen Verankerung und an der Zusammenarbeit zwischen Recruiting und dem Fachbereich bzw. dem Kunden.“

Welche Rolle spielt Social Media im Recruiting?

Je nach Zielgruppe und der eigenen Strategie eine sehr große. Nochmal: All Tech is HR Tech. Wenn ich mir mein Umfeld anschaue (vielleicht lebe aber auch nur ich in so einer Blase) ist Social Media bereits seit Jahren in der Gesellschaft angekommen. Klar, es ist ein ständiger Wandel – und das ist auch gut so. Aber wenn wir nicht mitspielen, verstehen wir auch den Wandel nicht.

Welche Kanäle sind dafür am besten geeignet und nach welchen müssen Recruiter zukünftig Ausschau halten? 

Die Zielgruppen geben die richtigen Kanäle vor. Ob man darauf dann mitspielen muss oder möchte sollte auch in der eigenen Strategie verankert werden. Gerade TikTok ist hier ein Paradebeispiel. Ist es relevant: Ja – absolut. Es ist die weltweit größte und schnellstwachsende Anwedung. Crazy oder? Muss man darauf mitspielen: kommt drauf an. Die Diskussionen um TikTok, deren Geschäftsgebaren aber auch den Datenschutz sind kontrovers.

Welche Technologien sind im Recruiting heutzutage unabdingbar?

Wenn ich in Richtung Zielgruppe und operativen Recruiting denke, komme ich wieder auf meine “alte Leier” zurück ;-).

„Wir sollten zumindest die Technologien unserer Zielgruppe kennen und teilweise verstehen.“

Ob wir es dann auch umsetzen müssen, steht auf einem anderen Blatt.

Im Recruiting selbst ist ein CRM bzw. ATS oder Bewerbermanagementsystem für mich heute einfach State-of-the-Art. Diese Systeme können einen Prozess schlank, transparent und Datenschutzkonform abbilden und geben uns als Recruiter die Möglichkeit uns auf die wichtigen Dinge zu konzentrieren: die Kommunikation mit unseren Kandidaten und unseren Kunden / Fachbereichen.

Und welche werden deiner Meinung nach in Zukunft immer mehr an Bedeutung gewinnen?

Stark vernetzte Lösungen werden für mich die Zukunft sein. Insellösungen, die nur in sich geschlossen funktionieren und kaum Individualisierung bieten, werden es schwer haben.

Gibt es sonst noch etwas, das du den Lesern mitteilen möchtest?

Recruiting ist GEIL! Geht mit breiter Brust voran und versucht mit eurem Know-how ein Stück in den Driver-Seat zu kommen!

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