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Ghosting bei Bewerbung – Tipps zur Vermeidung für Ihr Unternehmen

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7 Minuten Lesezeit
Eine junge Frau wartet am Telefon auf eine Antwort nachdem sie Ghosting nach der Bewerbung erfahren hat.

Ghosting bei der Bewerbung oder Ghosting im Recruiting kommt immer mal wieder vor und ist für beide Parteien im Bewerbungsprozess anstrengend und unangenehm. In unserem Blogartikel erklären wir, was Ghosting überhaupt ist, gehen auf die Ursachen für die Funkstille zwischen potenziellem Arbeitgeber und Bewerber*in ein und geben Tipps zur Vermeidung. 

Key Facts

  1. Ghosting im Bewerbungsprozess bezieht sich auf das plötzliche Abbrechen der Kommunikation zwischen Bewerber*innen und Arbeitgebern ohne Erklärung oder Vorwarnung. Es betrifft sowohl Bewerber*innen, die sich nicht mehr melden, als auch Unternehmen, die nicht mehr antworten.
  2. Job Ghosting äußert sich unter anderem darin, dass Bewerber*innen nicht zum vereinbarten Vorstellungsgespräch erscheinen oder Unternehmen nach einem Bewerbungsgespräch keine Rückmeldung geben.
  3. Ursachen für Ghosting können sowohl von Arbeitgebern (z.B. Zeitmangel, unklarer Auswahlprozess) als auch von Bewerber*innen (z.B. bessere Jobangebote, Unsicherheit) kommen. Offene Kommunikation während des Bewerbungsprozesses ist entscheidend, um Ghosting zu vermeiden.

Checkliste Personalauswahl

Was ist Ghosting bei der Bewerbung? 

„Ghosting“ bezieht sich normalerweise auf eine Situation, in der eine Person plötzlich den Kontakt zu einer anderen Person (oftmals einem Dating Partner) abbricht, ohne Erklärung oder Vorwarnung. Ghosting im Bewerbungskontext bzw. Ghosting im Job bezieht sich auf das plötzliche und unerwartete Abbrechen der Kommunikation seitens der Bewerber*innen oder des Arbeitgebers während eines Bewerbungsprozesses. Es tritt auf, wenn eine Partei aufhört, sich bei der anderen Partei zu melden, ohne eine Erklärung oder Vorwarnung zu geben. Infolgedessen bleibt der andere Teil ohne klare Informationen darüber, was passiert ist oder warum die Kommunikation im Bewerbungsverfahren abgebrochen wurde. 

Dabei kommt es mittlerweile immer häufiger vor, dass sich nicht nur Unternehmen nicht mehr melden, sondern auch Bewerb*innen den Kontakt abbrechen. Nach einer Umfrage der Jobplattform Indeed unter 400 Personaler*innen in Deutschland haben 90 Prozent bereits Ghosting-Erfahrungen mit Bewerber*innen gemacht.

Wie äußert sich Job Ghosting?

 Im Zusammenhang mit Bewerbungen kann sich Job-Ghosting folgendermaßen äußern: 

  • ein Unternehmen meldet sich nach einer Bewerbung nicht
  • Personaler*innen melden sich nicht wie versprochen
  • Bewerber*innen erscheinen nicht zum Vorstellungsgespräch ohne Absage
  • ein Unternehmen meldet sich nicht nach Bewerbungsgespräch

Vor allem Job Ghosting nach einem Vorstellungsgespräch kommt häufig vor und Bewerber*innen fragen sich: Warum sagen Unternehmen nicht ab? Oder wieso informieren sie nicht ihre Bewerber*innen? Es dauert etwas länger oder die Bewerbungsentscheidung verzögert sich. Diese Situation wird auch Benching nach einem Bewerbungsgespräch genannt. 

Egal ob Bewerber*innen- oder Firmen Ghosting: Ghosting im Bewerbungskontext wird oft als unhöflich und unprofessionell angesehen, da es die Transparenz und Höflichkeit beeinträchtigt, die in einem professionellen Bewerbungsprozess wichtig sind. Es kann zu Frustration und Unsicherheit auf beiden Seiten kommen.

Ursachen für Ghosting bei Bewerbung 

Ghosting nach der Bewerbung kann sowohl von Arbeitgebern als auch von Bewerber*innen aus verschiedenen Gründen auftreten. Hier sind einige mögliche Ursachen für Job Ghosting:

Ursachen von Ghosting durch Arbeitgeber:

Mangel an Zeit und Ressourcen:

Arbeitgeber könnten aufgrund hoher Arbeitsbelastung oder begrenzter Personalressourcen Schwierigkeiten haben, allen Bewerber*innen im Bewerbungsverfahren rechtzeitig Rückmeldungen zu geben.

Unklarer Auswahlprozess:

Wenn der Auswahlprozess nicht gut strukturiert ist oder es Uneinigkeit darüber gibt, welche Bewerber*innen in die engere Auswahl kommen, kann es zu Verzögerungen und schließlich zu Job Ghosting und Funkstille kommen.

Desinteresse an Bewerber*innen:

Wenn ein Arbeitgeber nach dem Vorstellungsgespräch oder bei der Überprüfung von Bewerbungsunterlagen feststellt, dass keiner der Bewerber*innen den Anforderungen entspricht, könnte er den Kontakt einfach abbrechen.

Mangelnde Professionalität:

In einigen Fällen können Arbeitgeber unprofessionell handeln und den Kontakt ohne Rückmeldung abbrechen.

Ursachen von Ghosting durch Bewerber:

Bessere Jobangebote:

Bewerber*innen können während des Bewerbungsprozesses bessere Jobangebote erhalten und sich deshalb dazu entscheiden, den Kontakt mit einem anderen Arbeitgeber abzubrechen.

Ungewissheit oder Angst:

Ein*e Bewerber*in könnte sich unsicher über die Stelle oder das Unternehmen fühlen und Angst haben, eine Absage per Mail zu erhalten. Dies kann dazu führen, dass er oder sie den Kontakt meidet.

Frustration:

Wenn Kandidat*innen das Gefühl haben, dass der Auswahlprozess und die Kommunikation des Unternehmens intransparent oder unfair sind, könnten sie frustriert sein und den Kontakt abbrechen.

Schlechte Erfahrungen:

Wenn ein*e Bewerber*in bereits in der Vergangenheit negative Erfahrungen gemacht hat, könnte er oder sie aus diesen Gründen den Kontakt abbrechen, um sich unnötigen Stress zu ersparen.

Unsicherheit über den nächsten Schritt:

Einige Bewerber*innen könnten unsicher sein, wie sie auf eine Absage oder eine Einladung zu einem weiteren Schritt reagieren sollen, und entscheiden sich daher für Ghosting.

Wichtig: Offene Kommunikation während des gesamten Bewerbungsprozesses ist eine höfliche und respektvolle Vorgehensweise. Wenn Bewerber*innen ihre Meinung geändert haben oder nicht mehr interessiert sind, ist es am besten, dies dem Unternehmen mitzuteilen, damit es den Auswahlprozess effizient fortsetzen kann. Gleichzeitig sollten Unternehmen Bewerber*innen immer eine klare Rückmeldung über den Stand ihrer Bewerbung geben.

Checkliste Vorstellungsgespräche

Tipps zur Vermeidung  

Um Ghosting bei der Bewerbung zu vermeiden, können sowohl Kandidat*innen als auch Arbeitgeber einige Schritte unternehmen, um eine offene Kommunikation aufrechtzuerhalten und den Bewerbungsprozess professionell zu gestalten. Hier sind einige Tipps:

Für Bewerber*innen: 

1. Halten Sie Ihre Optionen offen: Bewerben Sie sich nicht nur bei einem einzigen Unternehmen. Dies gibt mehr Flexibilität und reduziert den Druck, wenn Sie von einem Unternehmen keine Antwort erhalten.

2. Seien Sie ehrlich und transparent: Wenn Sie Ihr Interesse an einer Stelle verlieren oder eine andere Option wählen, teilen Sie dies dem Unternehmen höflich mit. Eine ehrliche Kommunikation wird geschätzt.

3. Planen Sie Ihre Zeit: Halten Sie sich an vereinbarte Termine für Vorstellungsgespräche oder andere Schritte im Bewerbungsprozess. Falls Sie Verzögerungen erwarten, informieren Sie das Unternehmen rechtzeitig.

4. Kommunizieren Sie professionell: E-Mails und andere Nachrichten sollten professionell und höflich formuliert sein. Vermeiden Sie es, unhöflich oder unprofessionell zu wirken.

5. Stellen Sie Fragen: Wenn Sie Fragen haben oder Klarstellungen benötigen, zögern Sie nicht, diese zu stellen. Dies zeigt Interesse an der Position.

6. Dankbarkeit zeigen: Nach einem Vorstellungsgespräch oder anderen Schritten im Auswahlprozess sollten Sie sich für die Einladung oder Gelegenheit dankbar ausdrücken.

Eine Frau wartet vor dem Laptop auf eine Antwort von dem Unternehmen, bei dem sie sich beworben hat.

Für Arbeitgeber:

1. Klare Kommunikation: Stellen Sie sicher, dass die Kommunikation über den Bewerbungsprozess klar und präzise ist. Informieren Sie die Bewerber*innen über den Fortschritt ihrer Bewerbung.

2. Angemessene Erwartungen: Teilen Sie den Bewerber*innen einen groben Zeitplan für den Auswahlprozess mit, damit sie wissen, wann sie eine Antwort erwarten können.

3. Feedback geben: Selbst wenn ein*e Kandidat*in nicht ausgewählt wird, ist es höflich, konstruktives Feedback zu geben. Das zeigt Wertschätzung für die investierte Zeit.

4. Folgende Kommunikation: Halten Sie die Bewerber*innen über den Stand ihrer Bewerbung auf dem Laufenden, besonders wenn es Verzögerungen gibt.

5. Flexibilität zeigen: Versuchen Sie, den Zeitplan der Bewerber*innen zu respektieren. Wenn möglich, bieten Sie alternative Termine für Vorstellungsgespräche an.

6. Professionelle Abwicklung: Behandeln Sie alle Kandidat*innen mit Respekt und Wertschätzung, unabhängig davon, ob sie in die engere Auswahl kommen oder nicht.

Indem Bewerber und Arbeitgeber diese Tipps beachten, können sie dazu beitragen, dass der Bewerbungsprozess reibungslos verläuft und Ghosting vermieden wird. 

Wie kann HR unterstützen und Ghosting bei der Bewerbung vorbeugen? 

Die Personalabteilung (HR) spielt eine entscheidende Rolle bei der Vermeidung von Ghosting im Bewerbungsprozess. Hier sind einige Maßnahmen, die HR ergreifen kann, um eine offene Kommunikation aufrechtzuerhalten und Ghosting zu minimieren:

1. Transparenz und offener Austausch:

Stellen Sie sicher, dass der gesamte Bewerbungsprozess von Anfang bis Ende klar und transparent kommuniziert wird. Teilen Sie den Bewerber*innen mit, was sie erwartet und welche Schritte im Auswahlverfahren folgen werden.

2. Schnelle Reaktion:

Bemühen Sie sich um eine schnelle und zeitnahe Antwort auf Bewerbungen und Anfragen. Je schneller die Bewerber*innen Rückmeldungen erhalten, desto weniger wahrscheinlich ist es, dass sie den Kontakt abbrechen.

3. Rückmeldungen geben:

Geben Sie den Kandidat*innen, die den Auswahlprozess durchlaufen haben, Feedback, auch wenn sie nicht ausgewählt wurden. Konstruktive Rückmeldungen helfen den Bewerber*innen, sich zu verbessern, und zeigen Professionalität seitens des Unternehmens.

4. Regelmäßige Updates:

Halten Sie die Kandidat*innen während des Auswahlprozesses über den aktuellen Status ihrer Bewerbung auf dem Laufenden. Dies kann Unsicherheit reduzieren und das Interesse der Bewerber*innen aufrechterhalten.

5. Flexible Zeitpläne:

Bieten Sie Bewerber*innen flexiblere Zeitpläne für Vorstellungsgespräche an, um deren Bedürfnissen besser gerecht zu werden und Verzögerungen zu vermeiden.

6. Anlaufstelle für Fragen:

Stellen Sie den Bewerber*innen eine Kontaktperson zur Verfügung, an die sie sich bei Fragen oder Unsicherheiten wenden können.

7. Automatisierte Bestätigungen:

Senden Sie automatisierte Bestätigungs-E-Mails oder -Nachrichten, um Bewerber*innen zu versichern, dass ihre Bewerbungen eingegangen sind.

8. Erinnerungen:

Schicken Sie rechtzeitig Erinnerungen für geplante Vorstellungsgespräche oder andere Schritte im Auswahlverfahren.

9. Respekt und Höflichkeit:

Behandeln Sie Bewerber respektvoll und höflich, auch wenn sie nicht in die engere Auswahl kommen. Dies hinterlässt einen positiven Eindruck von Ihrem Unternehmen.

10. Kontinuierliche Verbesserung:

Sammeln Sie Feedback von Bewerber*innen über den Bewerbungsprozess, um sich kontinuierlich zu verbessern und potenzielle Gründe für Ghosting zu identifizieren.

Indem HR diese Maßnahmen umsetzt, kann ein Unternehmen einen professionellen und respektvollen Bewerbungsprozess gewährleisten und somit die Wahrscheinlichkeit von Ghosting reduzieren.

HR-Software gegen Ghosting nutzen

Um der HR Abteilung beim Bewerbermanagement unter die Arme zu greifen, kann eine HR-Software genutzt werden. Denn eine durchdachte HR-Software kann einen entscheidenden Beitrag dazu leisten, den Bewerbungsprozess effizienter und transparenter zu gestalten. 

  • Eine der Schlüsselkomponenten, durch die HR-Software den Bewerbungsprozess erleichtern kann, sind automatisierte Benachrichtigungen und E-Mails. 
  • Darüber hinaus kann die HR-Software auch Erinnerungen für geplante Schritte im Bewerbungsprozess senden, sei es für Vorstellungsgespräche oder Aufgaben. Diese automatisierten Erinnerungen gewährleisten, dass keine wichtigen Termine übersehen werden und somit eine unterbrechungsfreie Kommunikation gewährleistet ist.
  • Eine zentrale Plattform für Kommunikation und Dokumentation innerhalb der HR-Software bietet den Vorteil, dass alle Nachrichten, Rückmeldungen und Informationen an einem Ort gespeichert werden. Dies reduziert das Risiko von verlorenen Nachrichten und ermöglicht sowohl Bewerbern als auch HR-Teams, den Überblick über den gesamten Bewerbungsprozess zu behalten. 
  • Weiterhin haben beide Parteien die Möglichkeit, den Fortschritt ihrer Bewerbungen über ein Online-Portal zu verfolgen. 

Insgesamt trägt eine gut integrierte HR-Software dazu bei, die Kommunikation im Bewerbungsprozess zu optimieren und sicherzustellen, dass sowohl Bewerber*innen als auch Unternehmen stets über den Stand der Dinge informiert sind. Dies schafft ein positives Bewerbungserlebnis und verringert die Wahrscheinlichkeit von Job Ghosting, da Klarheit und Transparenz von Anfang bis Ende gewährleistet sind.

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Maria Macher ist Content Managerin bei Factorial und lebt hier ihre Liebe für die deutsche Sprache und HR-Themen aus. Bereits während ihrer Studienzeit in Wien und Barcelona sammelte sie unterschiedlichste Arbeitserfahrungen: beim Early-Stage-Startup bis hin zum multinationalen Konzern. Dabei lernte sie insbesondere, was verschiedene Unternehmenskulturen ausmacht und welche Rolle die wichtigste Ressource in Unternehmen spielt: die Menschen.

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