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Midijob 2023: Das sollten Sie als Arbeitgeber wissen

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5 Minuten Lesezeit
Midijob 2021

Bei einem Midijob handelt es sich um ein geringfügiges Beschäftigungsverhältnis, bei dem Arbeitnehmer zwischen 520,01 Euro und 1.600,00 Euro im Monat (ab 2023 = 2.000 Euro) verdienen können. Schätzungen zufolge arbeiten in Deutschland aktuell rund 3,5 Millionen Angestellte als Midijobber. 

Für den Arbeitgeber bedeutet dieses Beschäftigungsmodell einen höheren Verwaltungsaufwand. Der Grund: Sonderregelungen müssen beachtet werden.

In diesem Artikel beantworten wir die wichtigsten Fragen rund um den Midijob.

HR Materialien

Wichtiges Arbeitszeitmodell: Der Midijob

Midijob Grenze 2022 und 2023

Der Begriff Midijob beschreibt ein Arbeitsverhältnis, bei dem Angestellte zwischen 520,01 Euro und 1600 Euro im Monat verdienen. Die Obergrenze wird zu Jahresbeginn 2023 auf 2.000 Euro angehoben. (Zum Vergleich im September 2022 lag die Obergrenze noch bei 1.300 Euro). Es ist also die nächste Stufe, nach dem Minijob, bei dem Arbeitnehmer bis zu 520 Euro monatlich verdienen dürfen.

Andere Begriffe für den Midijob sind „Beschäftigung in der Gleitzone“ oder „die Beschäftigung im Übergangsbereich“ (seit dem 1. Juli 2019). Alle Regelung zu dieser Mischform zwischen Niedriglohn und Teilzeitbeschäftigung finden Sie im Sozialgesetzbuch (SGB) IV.

Wichtig: Ausbildungsverträge gehören nicht in die Kategorie Midijob. Praktikanten, Auszubildende und Absolventen eines freiwilligen sozialen Jahres sind Ausbildungsverhältnisse und werden eigenständig behandelt.

Hintergrund und Ziele

Seine Geburtsstunde feiert der Midijob 2003. Er wurde als Teil der Hartz-Reformen eingeführt. Mit der Einführung des Midijobs verfolgte die Bundesregierung folgende Ziele:

  1. Beschäftigungsverhältnisse, die über den Minijob hinausgehen, sollten attraktiver werden.
  2. Soziale Absicherung für Arbeitnehmer
  3. Geringere Arbeitslosenquote durch neue Beschäftigungsformen
  4. Steigerung der Sozialversicherungsbeiträge (Der Arbeitgeber trägt seit 1. Oktober 2022 einen Arbeitgeberbeitragsanteil von 28 Prozent.)

Midijob und Minijob

Wir wissen, Midijob-Angestellte erhalten mehr Geld als Minijobber. Doch welche weiteren Unterschiede gibt es zwischen Mini und Midijobs?

Die folgende Tabelle hat die Antwort:

Minijob Midijob
Höhe des regelmäßigen Arbeitsentgelts 0,00 Euro – 520,00 € monatlich 520,01 Euro – 1.600,00 € monatlich (ab Januar 2023 bis 2.000 €)
Sozialversicherungsbeiträge Ggf. Rentenbeiträge Abgaben auf alle Sozialversicherungen
Steuerabzüge Keine Steuerabgaben Reguläre Steuerabzüge (Ausnahme: Lohnsteuer)

Und: Vom Minijob und Midijob ist die kurzfristige Beschäftigung abzugrenzen, die auf drei Monate oder 70 Arbeitstage pro Kalenderjahr begrenzt ist.

Vor- und Nachteile für Arbeitnehmer

Wie bei jedem anderen Arbeitsverhältnis bringt der Midijob Nachteile für Arbeitnehmer, aber auch einige Vorteile.

Vorteile

  • Steuervorteil: Ein Midijobber muss im Vergleich zu einer Vollzeitkraft nicht immer Lohnsteuer zahlen. Midijobber in den Steuerklassen 1 bis 4 sind von der Lohnsteuer befreit. Bei einem Midijob Steuerklasse 5 und 6 jedoch schon.
  • Rentenanspruch: Alle, die einen Midijob ausüben, haben einen vollen Rentenanspruch. Arbeitnehmer müssen sich aber freiwillig dafür entscheiden, den vollen Rentenversicherungsbeitrag zu zahlen.
  • Voller Schutz: Midijobber haben Anspruch auf die gesetzliche Midijob Krankenversicherung sowie Pflegeversicherung. Dies beinhaltet auch das Recht auf Lohnfortzahlung im Krankheitsfall. 
  • Arbeitslosenversicherung: Midijobber, die ihre Tätigkeit für mindestens 1 Jahr ausüben, haben Anspruch auf Arbeitslosengeld in Höhe von 60 % des durchschnittlichen Nettoverdienstes (Zeitraum: letzte 12 Monate). Hat der Arbeitnehmer Kinder, sind es sogar 67 %.

Nachteile

  • Steuerabzüge: Im Gegensatz zu Beschäftigten in einem Minijob-Arbeitsverhältnis müssen Midijobber Steuern zahlen. Brutto ist dabei also nicht gleich netto. Das tatsächliche Arbeitsentgelt fällt geringer aus. Dieser Aspekt ist besonders relevant, wenn der Midijob als Nebentätigkeit ausgeübt wird. Um den genauen Nettobetrag zu ermitteln, empfiehlt es sich, einen Midijob Rechner zu nutzen.

Midijob Steuern: Was muss ich wissen?

Wie in den Vorteilen angedeutet, haben Angestellte, die einen Midijob ausüben, einen steuerlichen Vorsprung. Denn: Alle diejenigen in den Steuerklassen 1 bis 4 müssen keine Lohnsteuer bezahlen.

Die Ausnahme: Midijobber in Steuerklasse 5 oder 6. Bei der Steuerklasse 5 handelt es sich um einen verheirateten Arbeitnehmer. Der Ehepartner ist dann in Steuerklasse 3. Das gesamte gemeinsame Einkommen wird dann zur Versteuerung berücksichtigt.

Steuerklasse 6 betrifft Angestellte, die den Midijob als Nebentätigkeit ausführen, also noch einer oder mehreren anderen Beschäftigungen nachgehen. Die Haupttätigkeit wird dann gemäß einer der Steuerklassen 1 bis 5 besteuert, der Midijob unterliegt der Steuerklasse 6.

Doch aufgepasst; auch hier bestätigen Ausnahmen wieder die Regel: Selbstständige oder freiberufliche Berufstätige können ihren Midijob auch in den Steuerklassen 1 bis 5 geltend machen.

Midijob

Beiträge zur Sozialversicherung

Midijob-Arbeitsverhältnisse sind in Deutschland sozialversicherungspflichtig. Midijobber genießen folglich den „normalen” Versicherungsschutz.

Hinsichtlich der Sozialversicherungsbeiträgen unterscheidet man zwischen den Beiträgen zur Kranken- und Arbeitslosenversicherung, Pflegeversicherung und – falls sich der Midijobber nicht davon befreien lässt – der gesetzlichen Rentenversicherung.

Die genaue Berechnung basiert jedoch auf dem Gesamtbetrag aller beitragspflichtigen Einnahmen, der für die Sozialversicherung berücksichtigt wird. Dieser ergibt sich wie folgt:

  • Gesamtbeitrag = Gesamtbeitragssatz x Gleitzonenentgelt

Während der Gesamtbeitragssatz von der jeweiligen Kasse bestimmt wird, kann das Gleitzonenentgelt für jeden Arbeitnehmer einzeln berechnet werden.

Dazu können Sie diese Formel nutzen (bis Januar 2023):

  • Gleitzonenentgelt = F x 520 + ([1.600/(1.600-520)] – [520/(1.600-520)] x F) x (Bruttoarbeitsentgelt – 520)

Die Variable F ist ein vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) vorgegebener Faktor.

2020 betrug „F” noch 0,7547. Für 2021 hat das BMAS den Faktor auf 0,7509 gesenkt. Der Faktor für 2022 und 2023 wurde noch nicht veröffentlicht (Stand Oktober 2022).

Ein Midijobber genießt den Vorteil reduzierter Sozialversicherungsbeiträge – bis 850 Euro.

Wie hoch sind die Anteile für Arbeitgeber und Arbeitnehmer?

➡️ Wie hoch ist der Arbeitgeberanteil?

Zur Ermittlung des Arbeitgeberanteils können Sie diese Formel hinzuziehen:

  • Arbeitgeberanteil = Monatsbrutto x Beitragssatz (Arbeitgeber)

➡️ Wie hoch ist der Arbeitnehmeranteil?

Die Höhe der Arbeitnehmeranteils können Sie mir folgender Formel berechnen:

  • Arbeitnehmeranteil = Gesamtbeitrag – Arbeitgeberanteil

Wie können Sie Fehler vermeiden, wenn Sie Lohnabrechnungen erstellen? Erfahren Sie mehr über Factorial Professionals.

Wie viele Stunden dürfen Midijob-Arbeitnehmer arbeiten?

Die Midijob Grenze liegt bei 1.600 Euro monatlich. Ab Januar 2023 wird diese bei 2.000 Euro monatlich liegen. Mehr darf der Arbeitnehmer in diesem Arbeitsverhältnis nicht verdienen. Daher ist auch die Anzahl der Arbeitsstunden begrenzt, die geleistet werden dürfen.

Die maximalen Stunden, die gearbeitet werden dürfen, sind auch vom Stundenlohn des Arbeitnehmers abhängig. Gehen wir davon aus, der Beschäftigte erhält Mindestlohn:

In Deutschland wurde der Mindestlohn auf 12 Euro brutto pro Stunde erhöht (Quelle: BMAS, Stand 2022).

Die maximale Stundenanzahl wäre dann wie folgt:

1.600,00 € / 12,00 € = 133,33 Stunden. Mehr darf der Beschäftigte nicht in einem Monat arbeiten.

Zum Vergleich: Eine Vollzeitkraft arbeitet in Deutschland i.d.R. 160 Stunden im Monat (40 Stunden pro Woche x 4 Wochen).

Wichtig: Auch Midijobber dürfen die gesetzlich vorgeschriebene Stundenzahl von 8 Arbeitsstunden pro Tag nicht überschreiten. Es gilt das Arbeitszeitgesetz (ArbZG).

👉 Hier erfahren Sie mehr zur Zeiterfassung in verschiedenen Arbeitszeitmodellen.

Haben Midijobber Anspruch auf Urlaub?

Die Antwort lautet hier ganz klar: Ja, Midijobber haben das Recht auf Urlaub. Die genaue Anzahl der Urlaubstage muss im Arbeitsvertrag festgelegt werden.

Generell gilt: Jeder Arbeitnehmer hat einen gesetzlich festgelegten Mindestanspruch auf Urlaub – ganz egal, in welchem Arbeitsverhältnis er beschäftigt ist.

So können Sie den Urlaubsanspruch berechnen:

  • Urlaubsanspruch in Tagen = 24 / 6 x Anzahl der Arbeitstage in einer Woche (Durschnittswert)

Beispiel: 

Ihr Mitarbeiter Tom Burgmann arbeitet 20 Stunden pro Woche. Dafür erscheint er aber jeden Tag, also 5 Tage pro Woche zur Arbeit.

  • 24 / 6 x 5 = 20 Urlaubstage

Seine Kollegin Rebecca Brandt arbeitet ebenfalls 20 Stunden. Diese Stunden verteilt sie aber auf 4 Tage. Im Gegensatz zu Herrn Burgmann hat sie nur 16 Urlaubstage zur Verfügung:

  • 24 / 6 x 4 = 16 Urlaubstage

👉 Erfahren Sie mehr zur Urlaubsverwaltung mit Factorial.

Schreibtalent, HR-Fan und Trend-Spürnase - das ist unsere Autorin Nicole Steffgen. Sie ist Teil des Content Marketing Teams bei Factorial. Was ihren Content so besonders macht? Ihre Leidenschaft für HR und ihr Fokus auf den Menschen einer Organisation.

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