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Was ist eine Probezeit und warum ist sie wichtig?

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Die Probezeit, auch als Bewährungsphase bekannt, ist ein wichtiger Schritt im Einstellungsprozess. Sie ermöglicht es Arbeitgebern und neu eingestellten Mitarbeitern festzustellen, ob sie sich voraussichtlich gut ergänzen werden.

In diesem Beitrag erklären wir, was eine Probezeit ist und warum sie von Vorteil sein kann und welche rechtlichen Regelungen hier greifen.

Das Wichtigste in Kürze:

  1. Die Probezeit ist ein vereinbarter Zeitraum zu Beginn eines Arbeitsverhältnisses, in dem beide Parteien mit verkürzter Kündigungsfrist von 2 Wochen kündigen können.
  2. Sie ist nicht gesetzlich vorgeschrieben, sondern muss im Arbeitsvertrag vereinbart werden

Gesetzliche Grundlage

  1. Gemäß § 622 Abs. 3 BGB beträgt die maximale Dauer 6 Monate.

Definition: Was heißt Probezeit genau?

Die Probezeit ist eine Testphase zu Beginn eines Arbeitsverhältnisses. Sie dient beiden Parteien dazu, die Eignung und Zusammenarbeit im Arbeitsalltag zu prüfen, bevor das Arbeitsverhältnis dauerhaft fortgesetzt wird. Diese Phase dauert meist zwischen zwei Wochen und sechs Monaten.

Der entscheidende Unterschied zum regulären Arbeitsverhältnis ist die verkürzte Kündigungsfrist: Beide Seiten können den Arbeitsvertrag innerhalb von nur zwei Wochen beenden, falls die Erwartungen nicht erfüllt werden.

Fact Sheet Probezeit

Warum sind Probezeiten wichtig?

Probezeiten sind praktisch eine Erweiterung des Einstellungsprozesses. Sie bieten Ihnen die Möglichkeit, die Arbeit von neuen Beschäftigten über einen bestimmten Zeitraum zu bewerten, damit Sie sicher sein können, dass diese für die Stelle geeignet sind. 

Kriterien, die Sie während dieser Testarbeitszeit berücksichtigen sollten, sind unter anderem 

Wichtig für Arbeitgebende: Ohne eine vertraglich vereinbarte Probezeit gilt ab dem ersten Tag die reguläre (meist längere) Kündigungsfrist. Die Probezeit ist somit Ihre Absicherung, um bei mangelnder Eignung schnell und unkompliziert reagieren zu können.

Dass dieser Prozess zur Realität am Arbeitsmarkt gehört, zeigt eine aktuelle Xing-Studie: Demnach hat bereits jeder zweite Beschäftigte (50 %) eine Kündigung während der Probezeit erlebt oder selbst ausgesprochen.

Orientierung für Mitarbeitende: Gleichzeitig ist die Probezeit ein wichtiges Zeitfenster für die neuen Angestellten. Sie können prüfen, ob die Tätigkeit und die Unternehmenskultur langfristig zu ihnen passen. Diese gegenseitige Zufriedenheit ist entscheidend: Unzufriedenheit führt schnell zu sinkender Motivation, was nicht nur die eigene Produktivität hemmt, sondern durch eine negative Dynamik auch das gesamte Team belasten kann.

Tipp: Die KI-gestützte HR-Software von Factorial hilft Ihnen dabei, Unzufriedenheit im Team rechtzeitig zu bemerken. Durch Einblicke in die Teammeinungen können Sie frühzeitig gegensteuern und Unzufriedenheit erst gar nicht aufkommen lassen.

Probezeit und das deutsche Arbeitsrecht

In Deutschland gibt es einige Gesetze zur Probezeit, die Sie beachten sollten.

Ist eine Probezeit gesetzlich vorgeschrieben?

Nein, eine Probezeit ist nicht gesetzlich vorgeschrieben und muss individuell im Arbeitsvertrag vereinbart werden. Fehlt eine Probezeitregelung im Vertrag, gibt es keine Probezeit. 

Einzige Ausnahme: Bei Berufsausbildungsverhältnissen schreibt § 20 Berufsbildungsgesetz (BBiG) eine Probezeit von mindestens einem Monat und maximal vier Monaten verpflichtend vor

Länge der Probezeit: Wie lange dauert die normale Probezeit?

Die maximale Dauer der Probezeit in Deutschland ist gesetzlich festgelegt. Gemäß § 622 Abs. 3 BGB darf sie 6 Monate nicht überschreiten. 

Seit dem 1. August 2022 gilt zudem bei befristeten Arbeitsverhältnissen nach § 15 Abs. 3 TzBfG, dass die Probezeit „im Verhältnis zu der erwarteten Dauer der Befristung und der Art der Tätigkeit“ stehen muss. Wie lange sie genau dauern sollte, können Unternehmen individuell für ihre neuen Mitarbeitenden festlegen.

Probezeit bei befristeten Arbeitsverhältnissen

Auch bei befristeten Arbeitsverträgen kann eine Probezeit vereinbart werden. Dabei hat das Bundesarbeitsgericht (BAG) mit Urteilen vom 5. Dezember 2024 (Az. 2 AZR 275/23) und 30. Oktober 2025 (Az. 2 AZR 160/24) wichtige Klarstellungen getroffen: Die Probezeit darf nicht die gesamte Dauer des befristeten Arbeitsverhältnisses umfassen. Es gibt keine starre 25-Prozent-Regel – vielmehr ist im Einzelfall zu prüfen, ob die Probezeit verhältnismäßig zur Vertragsdauer und zur Komplexität der Tätigkeit steht

Kündigung während der Probezeit

Müssen Arbeitnehmende während der Probezeit kündigen?

Hier ist zunächst der Unterschied zwischen vertraglicher und gesetzlicher Kündigung zu beachten. Wenn Sie im Arbeitsvertrag der Mitarbeitenden eine Probezeitkündigung vereinbart haben, müssen diese diese auch einhalten. Wenn Sie im Arbeitsvertrag keine Kündigungsfrist festgelegt haben, gilt die gesetzliche Kündigungsfrist von 14 Tagen (§ 622 Abs. 3 BGB). Das Gleiche gilt übrigens, wenn Sie sich entscheiden, den Vertrag von Beschäftigten in der Probezeit zu kündigen.

Kann ich einem Mitarbeitenden während der Probezeit kündigen?

Sie können Beschäftigten jederzeit während der gesetzten Bewährungsphase entlassen, wenn Sie das Gefühl haben, dass diese die Erwartungen nicht erfüllen. Bevor Sie dies tun, sollten Sie jedoch sicherstellen, dass Sie zunächst alle Bedenken ansprechen und bei Bedarf Unterstützung anbieten. Dies können Sie in einem gemeinsamen formellen, aber ehrlichen Gespräch tun, ganz im Interesse beider Parteien. Achten Sie darauf, alle Gespräche zu protokollieren und stellen Sie sicher, dass Ihre Gründe für die Beendigung des Arbeitsverhältnisses nicht als ungerechtfertigte Kündigung ausgelegt werden können.

Tipp: Rechtzeitige Mitarbeitergespräche, aber auch regelmäßige Mitarbeiterumfragen – die Sie mit Tools wie der HR-Software von Factorial problemlos und auf Wunsch auch anonymisiert durchführen können – geben Ihnen jederzeit einen Einblick in die Stimmung und die Zufriedenheit Ihrer Mitarbeitenden. Probleme und Unmut können so frühzeitig angegangen werden, bevor es zu spät ist.

Krankheit während der Probezeit

Neue Mitarbeitende verfügen vom ersten Tag der Beschäftigung an über bestimmte gesetzliche Rechte. Dazu gehört u.a. die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall – die Probezeit hat darauf keinen Einfluss und kann nicht als Entschuldigung ausgenutzt werden, neuen Mitarbeitenden diverse Rechte vorzubehalten.

Weiterhin gilt zu beachten, dass eine Kündigung wegen Krankheit während der Probezeit ebenfalls ausgeschlossen ist. Das gilt auch für längere Krankheitsfälle, die Dauer der Krankheit spielt keine Rolle.

Schwanger während der Probezeit

Mitarbeiterinnen, die innerhalb der gesetzten Probezeit schwanger werden, müssen ebenfalls nicht um eine Kündigung bangen. Das in Deutschland geltende Mutterschutzgesetz (MuSchG) schützt werdende Mütter bis vier Monate nach der Geburt vor einer Kündigung. Um die Schwangerschaft ordentlich zu kommunizieren, ist es sinnvoll, den Vorgesetzten schriftlich zu informieren. So können Sie sichergehen, dass der Kündigungsschutz greift.

Urlaub während der Probezeit

Haben Mitarbeitende Anspruch auf Urlaub während der Probezeit? Generell gilt: Anspruch auf den Gesamturlaub besteht erst ab dem sechsten Monat der Betriebszugehörigkeit. Bis dahin stehen den Mitarbeitenden Urlaubstage nur anteilig zur Verfügung – und zwar ein Zwölftel pro Monat (siehe auch Bundesurlaubsgesetz (BUrlG).

Beispiel: Sarah Lauer hat gemäß ihrem Arbeitsvertrag Anspruch auf 24 Urlaubstage pro Jahr. Jeden Monat kann sie also 2 Tage Urlaub „ansparen“ (24 Urlaubstage geteilt durch 12 Monate).

Nach vier Monaten Betriebszugehörigkeit hat sie damit Anspruch auf 6 Tage Urlaub – selbst, wenn die Probezeit ein halbes Jahr andauert.

Wichtig: Manager sind nicht dazu verpflichtet, jeden Urlaubsantrag zu genehmigen, siehe § 7 Abs. 1 BUrlG.

Tipp: Mit Factorial können Sie die Abwesenheits- und Urlaubsverwaltung ganz einfach automatisieren. Dank automatischer Genehmigungs-Workflows sparen Sie Zeit, während Mitarbeitende ihre ausstehenden Urlaubstage jederzeit selbst einsehen und eigenständig verwalten können.

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Allgemeine Arbeitnehmerrechte während der Probezeit

Mitarbeitende in der Probezeit haben die gleichen gesetzlichen Rechte wie alle anderen Mitarbeitende. Dazu gehören der Anspruch auf den nationalen Mindestlohn, die wöchentliche Höchstarbeitszeit gemäß des Arbeitszeitgesetzes, die gesetzliche Lohnfortzahlung im Krankheitsfall, Urlaub aus familiären Gründen und die gesetzliche Kündigungsfrist.

Mitarbeitende in der Probezeit haben außerdem Anspruch auf Schutz vor ungerechtfertigter Entlassung und ungesetzlicher Diskriminierung.

Sie sind allerdings nicht verpflichtet, Mitarbeitenden in der Probezeit nicht gesetzliche Leistungen wie z.B. Prämien oder erhöhtes Krankengeld zu gewähren. Es liegt in Ihrem Ermessen, dies anzubieten.

Wie man Mitarbeitende während der Probezeit managt

  • Entwerfen Sie ein effektives und informatives Onboarding-Konzept für neu eingestellte Beschäftigte. Je mehr Informationen Sie ihnen zur Verfügung stellen, desto schneller werden sie sich zurechtfinden.
  • Legen Sie klare Standards und Erwartungen in Bezug auf Leistung, Verhalten, Anwesenheit und Pünktlichkeit fest.
  • Stellen Sie sicher, dass sich neue Mitarbeitende über die Grundwerte und Ziele Ihres Unternehmens im Klaren sind.
  • Setzen Sie konkrete Ziele, um die Leistung neuer Mitarbeitender zu messen und bieten Sie bei Bedarf Unterstützung und Orientierung an.

Freebie: Nutzen Sie hierfür gerne auch unsere kostenlose Vorlage für Ihre Zielvereinbarungen.

  • Stellen Sie sicher, dass die Mitarbeitenden ausreichend geschult sind, um ihre Aufgaben bestmöglich zu erfüllen.
  • Treffen Sie sich regelmäßig mit den neuen Angestellten, um ihre Fortschritte zu besprechen und herauszufinden, wie sie sich einleben. Sprechen Sie Probleme direkt an.
  • Teilen Sie alle Bedenken so schnell wie möglich mit, damit sie aus dem Weg geräumt werden können.
  • Legen Sie einen Zeitplan für Probezeitgespräche fest, teilen Sie ihn den Mitarbeitenden im Voraus mit und halten Sie ihn ein.

Was passiert, wenn das Probearbeiten eines Mitarbeiters zu Ende ist?

Wenn die Probezeit von Mitarbeitenden zu Ende ist, müssen Sie entscheiden, wie Sie weiter vorgehen wollen. Bieten Sie ihm eine Festanstellung an oder kündigen Sie ihnen? Vergewissern Sie sich, dass Sie eine vollständige Überprüfung aller Aspekte ihrer Arbeit durchgeführt haben. Dazu gehören Leistung, Qualifikation, Fähigkeit zur Aufgabenerfüllung, Anwesenheit, Pünktlichkeit und Verhalten.

Sobald Sie Ihre Entscheidung getroffen haben, sollten Sie mit den Mitarbeitenden ein Gespräch führen, in dem Sie das Urteil besprechen. Wenn die Testphase erfolgreich verlaufen ist und die neuen Arbeitnehmenden Sie mit ihrer Leistung überzeugt haben, dann ist dies der Zeitpunkt, an dem Sie den Mitarbeitenden einen unbefristeten Vertrag anbieten können.

Wenn Arbeitnehmende beim Probearbeiten Ihre Erwartungen nicht erfüllt haben, ist dies Ihre Gelegenheit zu erklären, was falsch gelaufen ist und was Ihnen gefehlt hat. Stellen Sie sicher, dass Sie klare Beispiele nennen und so spezifisch wie möglich mit Ihren Erklärungen sind. Geben Sie eine angemessene Kündigungsfrist und geben Sie den Mitarbeitenden die faire Möglichkeit, darauf zu reagieren.

Eine Verlängerung der Probezeit ist nur mit Zustimmung der Beschäftigten möglich, wenn die maximale Dauer von 6 Monaten noch nicht erreicht wurde. Eine einseitige Verlängerung durch Vorgesetzte ist nicht zulässig.

Häufig gestellte Fragen und Antworten zur Kündigung in der Probezeit

Was ist eine Probezeit?

Die Probezeit ist ein vereinbarter Zeitraum zu Beginn eines Arbeitsverhältnisses, in dem eine verkürzte Kündigungsfrist von zwei Wochen (14 Tagen) gilt. Sie dient als Orientierungsphase für Arbeitnehmende und Arbeitgebende, um herauszufinden, ob die Zusammenarbeit und die Position langfristig zueinander passen.

Wie lange ist die gesetzliche Probezeit? 

Die gesetzliche Probezeit beträgt maximal 6 Monate gemäß § 622 Abs. 3 BGB. Dies ist die Höchstdauer – kürzere Probezeiten von 3 oder 4 Monaten sind ebenfalls zulässig. In der Ausbildung gelten andere Regeln: Hier ist nach § 20 BBiG eine Probezeit von mindestens einem Monat und maximal 4 Monaten vorgeschrieben

Müssen Arbeitnehmende während der Probezeit kündigen?

Nur, wenn sie das Arbeitsverhältnis beenden wollen. Dabei gilt: Es muss die im Arbeitsvertrag vereinbarte Frist eingehalten werden. Wurde dort keine eigene Regelung getroffen, gilt die gesetzliche Mindestfrist von 2 Wochen (§ 622 Abs. 3 BGB).

Warum 6 Monate Probezeit? 

6 Monate Probezeit entsprechen der gesetzlichen Höchstdauer nach § 622 Abs. 3 BGB und der Wartezeit bis zum Beginn des allgemeinen Kündigungsschutzes. Dieser Zeitraum ermöglicht es Arbeitgebenden, die Eignung von Mitarbeitenden umfassend zu bewerten, während gleichzeitig die Wartezeit des Kündigungsschutzgesetzes (§ 1 Abs. 1 KSchG) eingehalten wird. Nach 6 Monaten greift der allgemeine Kündigungsschutz.

Welche Regeln gelten in der Probezeit? 

In der Probezeit gelten besondere Kündigungsregeln: Beide Seiten können mit einer Frist von 2 Wochen kündigen. Der allgemeine Kündigungsschutz nach KSchG greift erst nach 6 Monaten. Alle anderen Arbeitnehmerrechte bleiben bestehen: Anspruch auf Mindestlohn, Lohnfortzahlung im Krankheitsfall, anteiligen Urlaub und Mutterschutz. Eine Kündigung wegen Krankheit oder Schwangerschaft ist auch in der Probezeit unzulässig.

Kann ich Mitarbeitenden während der Probezeit kündigen?

Ja, während der Probezeit können Vorgesetzte jederzeit mit einer gesetzlichen Frist von 14 Tagen kündigen. Ein Kündigungsgrund muss im Schreiben nicht angegeben werden. Es ist jedoch empfohlen, vorab Feedbackgespräche zu führen und diese zu protokollieren, um fair und professionell zu agieren.

Was passiert, wenn die Probezeit von Mitarbeitenden zu Ende ist?

Wenn die Probezeit von Beschäftigten zu Ende ist, müssen Sie entscheiden, wie Sie weiter vorgehen wollen. Bieten Sie ihnen eine Festanstellung an oder kündigen Sie ihm? Vergewissern Sie sich, dass Sie eine vollständige Überprüfung aller Aspekte ihrer Arbeit durchgeführt haben. Dazu gehören Leistung, Qualifikation, Fähigkeit zur Aufgabenerfüllung, Anwesenheit, Pünktlichkeit und Verhalten. Sobald Sie Ihre Entscheidung getroffen haben, sollten Sie mit den Mitarbeitenden ein Gespräch über die Probezeit führen, in dem Sie das Urteil besprechen.

Als Content Strategin mit fundierter Erfahrung im Markenaufbau und in digitaler Kommunikation entwickelt Nicole Steffgen wirkungsstarke Inhalte an der Schnittstelle von Unternehmenskultur, HR und strategischer Positionierung. Sie arbeitet analytisch, zielgruppenorientiert und markenbewusst – mit dem Fokus, Organisationen kommunikativ zu stärken und im Markt differenziert sichtbar zu machen.

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